Ex-Pilot Olav Brunner über Absturz von LMI2933 «Ein leerer Tank ist eine fliegerische Todsünde»

ZÜRICH/MEDELLÍN - Der Jumbolino stürzte in Kolumbien wegen Treibstoffmangels ab. Der Pilot soll auf eine Zwischenlandung mit Tankstopp verzichtet haben. Für Ex-Pilot Olav Brunner ist dies unbegreiflich.

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Nun ist es klar: Die kolumbianische Luftfahrtbehörde hat bestätigt, dass Treibstoffmangel die Ursache für den Jumbolino-Absturz war. «Wir haben Ermittlungen eingeleitet, um herauszufinden, warum es nicht genug Treibstoff gab», sagte der für Luftsicherheit zuständige Sekretär Freddy Bonilla zur Zeitung «El Tiempo».

Ein Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen dem Piloten und dem Tower des Flughafens in Medellín deutet auf diese Absturzursache hin. Auch eine überlebende bolivianische Flight Attendant erzählte: «Wir hatten keinen Treibstoff mehr. Das Flugzeug hat sich ausgeschaltet.»

Flugzeugabsturz Kolumbien: Ursache war Treibstoffmangel play
Olav Brunner ist ehemaliger Swissair-Pilot. Toini Lindroos

«Das ist mir unbegreiflich», sagt der ehemalige Swissair-Pilot Olav Brunner. «Ein Flug wird normalerweise bis ins Detail durchgeplant.» Für die Berechnung des Treibstoffbedarfs gebe es drei Komponenten: den allgemeinen Treibstoff für die geplante Flugstrecke, den Treibstoff, um einen Ausweichflughafen zu erreichen, und eine letzte Reserve. «Das wird zwingend vor jedem Flug berechnet.»

Pilot hat versagt

Offenbar war sogar eine Zwischenlandung zum Tanken auf der Strecke vorgesehen. So berichten bolivianische Medien unter Berufung auf einen Vertreter der Fluggesellschaft Lamia, das Flugzeug hätte in Bogotá zwischenlanden und auftanken müssen. Der Pilot sei jedoch der Meinung gewesen, dass der Treibstoff bis ans Ziel reiche. So sei der Flug auch schon mehrmals ohne Zwischenlandung durchgeführt worden.

«Das ist eine fliegerische Todsünde», sagt Brunner. Wenn es sich tatsächlich so zugetragen habe, sei der Absturz klar dem Versagen des Piloten zuzuordnen. «Dieser Entscheid wäre grob fahrlässig.»

Keine Hinweise auf technische Mängel

Auch wenn der Tank ein Leck gehabt hätte, wäre dies auf der Anzeige sichtbar gewesen. «Der verbleibende Treibstoff an Bord muss stetig überprüft und mit dem berechneten Verbrauch bis zum Zielflughafen inklusive den nötigen Reserven verglichen werden», sagt Brunner. Die bisherigen Erkenntnisse deuten jedoch auf menschliches Versagen hin.

Flugzeugabsturz Kolumbien: Ursache war Treibstoffmangel play
Rettungskräfte untersuchen das Flugzeugwrack im kolumbianischen Dschungel. Reuters

Noch kurz nach dem Flugzeug-Unglück wurde der Pilot von internationalen Medien und auch im BLICK als Held gefeiert. Man vermutete, der Mann aus Paraguay habe kurz vor der Kollision mit dem Berg entschieden, das Kerosin abzulassen. So hätte er eine Explosion des Fliegers verhindert. So konnten immerhin sechs Passagiere überleben. Kurze Zeit später wurde klar, dass sich dies nicht so abgespielt hatte.

Der Pilot war laut Medienangaben Miteigentümer der kleinen Fluggesellschaft, die sich auf Charterflüge für Sportvereine spezialisiert hat.

Die kolumbianische Luftverkehrsbehörde war bereits am Dienstag von mangelndem Treibstoff als Unglücksursache ausgegangen. Da war aber noch unsicher, ob nicht auch elektronisches Versagen den Absturz verursacht haben könnte. Auch die schweren Regenfälle wurden als Ursache diskutiert.

Flugzeugabsturz Kolumbien: Ursache war Treibstoffmangel play
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Der Flieger der bolivianischen Fluggesellschaft Lamia war auf dem Flug von Bolivien zum kolumbianischen Flughafen José María Córdova de Rionegro in der Nähe von Medellín verunglückt. Kurz vor 22 Uhr verschwand das Flugzeug vom Radar. Es hatte das brasilianische Fussballteam Chapecoense an Bord. Fast die ganze Mannschaft gehört zu den 71 Todesopfern. Nur sechs Insassen überlebten den Absturz.

Publiziert am 01.12.2016 | Aktualisiert am 01.12.2016
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8 Kommentare
  • Meier  Ernst aus Erde
    02.12.2016
    Hm... Bei einigen Fluggesellschaften ist es vorgeschrieben, mindestens alle 30 Minuten den Kerosinbestand zu überprüfen. Ich wundere mich ein wenig. das er noch um den Flughafen Warteschleifen flog statt auf eine sofortige Landung zu bestehen. Mit seinem "Priorität" hatte er dann den Notfall bekanntgegeben. "Priorität" im spanischen heisst sofort oder sehr schnell. Warum kein Mayday? Wäre interessant zu erfahren, was die Untersuchungen zu Tage fördern. Das Ganze hört sich seltsam an.
  • Roger  Berger 01.12.2016
    Na ja, das passiert auch in der Schweiz. Und dies gleich zweimal. Einem Privatpiloten ging vor Jahren in der Jungfrauregion das Flugbenzin aus. Er landete danach unsanft in Interlaken. Einige Zeit später musste er seinen experimental Helikopter am Rande der Autobahn landen. Aus denselben Gründen.
  • Alex  Bürkle , via Facebook 01.12.2016
    Der Pilot war kein Paraguayaner sondern ein Bolivianer. Es war ein 3. Pilot im Flug dabei, der war Paraguayaner.

    Dass Team wurde von der CONMEBOL (Südamerikanischer Fussballverband) gezwungen worden diesen Flug zu nehmen. Alle Clubs und Lánderverbände die nach Kolumbien wollen müssen diesen Flug nehmen. Vermutlich einer der Funkzionäre ist mitbesitzer dieser Fluggesellschaft.

    Gruss aus Südamerika
  • Adrian  Läng , via Facebook 01.12.2016
    @Hitz: Er war aber eben offensichtlich kein Profi. Und Mitbesitzer der Gesellschaft, hat wohl selber "optimiert". Einfach schrecklich, dass solche Leute im Cockpit sitzen. Den Angehörigen bleibt nicht mal der (schwache) Trost, dass es irgendwie Schicksal war, ein Defekt oder sowas. Nein, es war ein verantwortungsloser Typ, der mit dem Leben seiner über 70 Passagiere "Russisch-Roulette" gespielt hat, 5 von 6 Kammern geladen. Volles Flz Gepäck Schlechtwetter. Das konnte kaum gutgehen.Furchtbar!
  • Ines Maria  Giezendanner aus Viganello
    01.12.2016
    Der Pilot war laut Medienangaben Miteigentümer der kleinen Fluggesellschaft, die sich auf Charterflüge für Sportvereine spezialisiert hat. Der Pilot hat wohl einfach Geld sparen wollen, aber die Rechnung ist nicht aufgegangen. Solchen privaten Gesellschaften, die so etwas riskieren, sollte ganz einfach unverzüglich die Lizenz entzogen werden, die spielen mit dem Leben der Passagiere.