Ex-Arosa-Kurdirektor Florenz Schaffner sieht das Leid in Idomeni «Rohe Gewalt gegen frierende Kinder»

IDOMENI - Florenz Schaffner (66), der ehemalige Kurdirektor von Arosa, hilft in Idomeni verzweifelten Flüchtlingen – und trifft mit seinen Berichten mitten ins Herz.

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Die Facebook-Einträge von Florenz Schaffner lassen niemanden kalt: «Ich habe Angst, bin in einem Wechselbad von Wut, Trauer und Enttäuschung. Was hier in diesen Tagen passiert, ist die grobfahrlässige, massenhafte Traumatisierung und Radikalisierung von Menschen, die in Hoffnung auf Frieden und Freiheit in Europa ihr Land verlassen haben.»

Schaffner meint Idomeni, das Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze, in dem wegen der geschlossenen Balkanroute über 14'000 Menschen in Zelten ausharren. Der ehemalige Kurdirektor von Arosa, Humorfestival-Gründer und SRF-Kadermann ist dort seit Freitag als Helfer für die Schweizer Organisation «Volunteers for Humanity» im Einsatz.

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«Wut, Trauer, Enttäuschung.» Florenz Schaffner schildert das Leid in Idomeni.

«Im Wald traf ich auf frierende Kinder»

Hautnah erlebte er, wie sich am Montag rund 1000 Flüchtlinge auf den «Marsch der Hoffnung» nach Mazedonien begaben, nur um später von Grenzpolizisten mit Schlägen und Tritten wieder zur Umkehr gezwungen zu werden.

«Mitten in der Nacht traf ich in einem Wald auf nasse und frierende Erwachsene und Kinder, die von Grenzpolizisten mit roher Gewalt zurückgedrängt wurden», sagt der 66-Jährige zu BLICK. «Es war bisher mein schlimmster Einsatz.»

Nach dem Dauerregen der vergangenen Tage sind die Zustände in Idomeni prekär. Das Camp ist völlig verschlammt. Zahlreiche Menschen, darunter viele Kinder, leiden unter Atemwegserkrankungen. Die Behörden haben die Migranten bereits mehrfach aufgerufen, das Camp zu verlassen und in andere Lager im Landesinneren zu gehen. 

Optimismus verflogen

Doch zurück will niemand. Und das, obwohl der einstige Optimismus längst von der Realität eingeholt wurde. «Die Gemütslage hat sich in den letzten Wochen total verändert», sagt Schaffner, der Mitte Februar bereits auf der griechischen Insel Lesbos im Einsatz war.

Auf Lesbos seien die Flüchlinge noch sehr optimistisch gewesen, erinnert er sich. «Thank you, European people, good people», hätten ihm damals viele bei ihrer Ankunft zugerufen. Jetzt in Idomeni hingegen seien sie verzweifelt, hoffnungslos und teilweise sehr aggressiv.

Nichtsdestotrotz wolle er weiter helfen – aus einem einfachen Grund: «Ich bin schockiert, wie Europas Politiker und Behörden die fundamentalsten Menschenrechte verletzen und nur ganz wenige dagegen aufschreien», sagt Schaffner. «Die Griechen sind die einzigen, die noch ein humanes Gewissen bewahrt haben.»

Publiziert am 16.03.2016 | Aktualisiert am 27.03.2016
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40 Kommentare
  • Dan  Smith aus Fishers
    16.03.2016
    Danke Mazedonien für die konsequente Haltung. Wenn Deutschland dort helfen will sollen Sie Busse senden um die Personen zu holen. Einstiegsort sollte aussschliesslich Athen sein. Das würde die Leute von der Grenze weg bewegen!
  • Anton  Keller aus Zürich
    16.03.2016
    Es war ein kolossaler Fehler von Angela Merkel, die Flüchtlinge ohne Wenn und Aber willkommen zu heissen. Man hat ihr geglaubt und alles aufgegeben um zu ihr zu kommen. Sie hat viel Leid verursacht, auch wenn sie es gut meinte. Mit dem ganzen vergeudeten Geld für ganz wenige hätte man das Leben für alle Flüchtlinge in den umliegenden Ländern bedeutend verbessern können.
  • Rocky  Stall aus Wiesendangen
    16.03.2016
    Bin gespannt, wann endlich die wirklich Betroffenen, (Syrer/da steht kein Stein auf dem anderen, was in Syrien abgeht ist skandalös), aus dem Haufen von Wirtschaftsflüchtlingen "herausgefiltert" werden und der Rest die Heimreise in die sichere Heimat antreten kann. Dauert wohl noch Jahre bei der Entschlussfreudigkeit der EU. Woran liegt das wohl – populistische menschenfreundliche Politik oder einfach Ignoranz die Wahrheit nicht kennen zu wollen. Umsetzungshemmung??
  • Gerhard  Krenn aus Aix en Provence
    16.03.2016
    Nun, Herr Schaffner, ich sehe die Dinge aus einem anderen Blickwinkel: Die Leute suchen Sicherheit. OK. Ist Griechenland ein so unsicheres Land? Sie beklagen die Kälte. 30 km weiter gibt es feste, beheizte Notunterkünfte fuer etwa 17000 Personen inklusive aller nötigen sanitären Anlagen. Diese Leute sind keine Schutz- sondern Schatzsucher die in die soziale Hängematte Deutschlands oder Österreichs wollen. Wenn nötig mit Gewalt. Das ist zu unterbinden. Einen schönen Abend noch .
    • Markus  Thalmann aus Luzern
      16.03.2016
      Glasklar, deutlich und treffend formuliert. Niemand wird gezwungen dort zu bleiben.
  • Lilian  Hug 16.03.2016
    Ich hätte dazu nur 2 Fragen, wenn ich denn darf- Hat nicht vorallem die USA mit ihren Kriegen, diese Migrationswellen ausgelöst? Und warum hat Frau Merkel, quasi im Alleingang, die Grenzen in Europa geöffnet? Nicht die südlichen Länder Europas, lassen die EU (Merkel) im Stich. Ich sehe dies gerade umgekehrt. Ich bin überzeugt und dies ist meine Meinung- Die Flüchtlinge die nach Europa strömen, werden benutzt in einem "perfiden Spiel", das uns Europäern noch viele Sorgen bereiten wird.
    • Mike  Gartner 16.03.2016
      Nein Frau Hug, bitte nicht schon wieder die USA. Es wird effektiv langsam peinlich mit euch manischen USA-Bashern...
    • Lilian  Hug 16.03.2016
      @Mike Gartner. Was hat dies mit USA-Bashing zu tun? Für mich ist es einfach eine Tatsache. George W. Bush wurde nie zur Rechenschaft gezogen für seine Lügen.
    • Mike  Gartner 17.03.2016
      Mein Gott Frau Hug, Josef Stalin wurde für seine Lügen nie zur Rechenschaft gezogen, Mao Zedong ebensowenig wie Xi Jinping, Hugo Chavez nicht, Fidel Castro nicht, Wladimir Putin nicht... aber auch die Politiker/innen in unseren Breitengraden à la Merkel, Dreifuss, Couchepin etc. nicht, die Liste ist beinahe unendlich und geht zurück bis zur Entstehungsgeschichte von "Macht". Das sind ebenso Tatsachen. Haben Sie vergessen, dies zu erwähnen?
    • Lilian  Hug 17.03.2016
      @Mike Gartner. Ja, das sind ebenso Tatsachen. Aber hier geht es mir um G.W.Bush und die Irak-Krieg-Lüge, aus dem Terrorbanden hervorgingen, wie der IS etc. Es geht mir darum, dass sich die USA überall einmischt und das einzige, was sie hinterlassen, ist ein noch grösseres Leid und Chaos.