Europa erwartet ihn zum Gipfel der Gipfel

  • Aktualisiert am 03.01.2012
Barack Obama und seine Frau Michelle heute Abend bei der Ankunft in London.- Reuters

LONDON – Eigene Ärzte, Köche und eigenes Benzin – der Besuch von Barack Obama geht mit enormen Aufwand einher. Auch der G-20-Gipfel wird zum Kraftakt: Hier kommt aus, ob die Weltwirtschaft gesunden kann – oder ganz abstürzt.


Es ist Barack Obamas erste lange Auslandsreise als US-Präsident. Und auch gleich seine wichtigste angesichts der zu bewältigenden Herausforderungen in der Finanzkrise. Denn am G-20-Gipfel muss die Weltwirtschaft gerettet werden. Erschwerdend kommt dazu, dass Europa dem 2-Billionen-Dollar-Konjunkturpaket, das Obama am G-20 vorstellen wird, eher skeptisch gegenüber steht.

Nicht nur deswegen gilt es, Europa als starken Partner einzubinden. Tatsächlich ist ein weiteres Hauptziel des Besuches aus Amerika der intensive Meinungsaustausch mit der europäischen Spitze.

Unwichtiges Europa?

Denn obwohl Europa Obama in seinem Wahlkampf enthusiastisch unterstützt hatte, fielen Kontakte zur europäischen Führung nach seinem Wahlsieg eher spärlich aus. Die Krise daheim erforderte die ganze Aufmerksamkeit Obamas.

Die fehlende Tuchfühlung könnte aber auch damit zusammenhängen, dass Europa dem neuen US-Präsidenten nicht sehr vertraut ist. Indonesien, wo Obama aufwuchs, oder Afrika, wo er familiäre Bande hat, sind ihm näher, warfen Kritiker bereits während des Wahlkampfes ein. Dass Europa für die neue US-Regierung weniger Gewicht haben könnte, zeigte auch der erste Auslandsamtsbesuch von Aussenministerin Clinton. Dieser führte sie nach Asien und erst dann nach Europa.

Dies soll sich nun ändern, wie Obamas Sprecher im Vorfeld seines Besuches versicherten.
Damit sich Europa von der Weltmacht nicht stiefmütterlich behandelt fühlt, unterstreicht Washington nachdrücklich, dass die Beziehung zum «alten Kontinent» seit dem Amtsantritt Obamas auf eine neue, bessere Ebene gestellt worden sei. Verwiesen wird etwa auf die Schliessung Guantánamos oder die neue Klimapolitik.

G-20: Konfliktpotential umgangen

Trotz aller Vorsätze: Wichtige Streitpunkte am G-20-Gipfel bereits im Vorfeld aus der transatlantischen Debatte gestrichen worden. Etwa, welches Land wie viel Geld für Konjunkturprogramme bereitzustellen hat. Oder den Einsatz europäischer Soldaten in Afghanistan.
(gux)

Das Programm des Präsidenten

Heute, 31. MärzAnkunft Obamas in London-Stansted um 19 Uhr GMT, Weiterflug mit einem Helikopter ins Stadtzentrum. Mittwoch, 1. AprilGespräche mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Um 18 Uhr GMT Audienz bei der Queen.Donnerstag, 2. AprilUm 9 Uhr GMT präsentiert Obama zum Auftakt des G-20 seine Vision der neuen Weltfinanzarchitektur. Einzelgespräche mit dem englischen Regierungschef Gordon Brown, aber auch mit dem Oppositionsführer David Cameron sind geplant.Freitag, 3. AprilObama trifft um 11 Uhr MEZ den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Strassburg. Weiterfahrt nach Baden-Baden zum Nato-Jubiläum (60 Jahre). Auch stehen Gespräche mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und anderen europäischen Regierungschefs an.Samstag, 4. AprilIm deutschen Kehl nehmen die Nato-Gipfelteilnehmer am Vormittag ihren offiziellen Fototermin auf der Minran-Brücke wahr.Sonntag, 5. AprilObama am transatlantischen Gipfel in Prag und Mittagessen mit den 27 EU-Regierungschefs.

Ein Riesentross für fünf Tage

Der Aufwand für Obamas Europa-Trip ist enorm: Alle Flug- und Fahrzeuge des Präsidenten wurden über den Atlantik verschifft: die Hochsicherheitslimousine «The biest», fünf Helikopter sowie zwei weitere Riesenjets, darunter eine Boeing 747, die im Notfall die «Air Force One» ersetzen soll. Sogar das benötigte Benzin wird eigens aus den USA mitgebracht. 200 Agenten des Secret Services sind rund um die Uhr am Präsidenten dran. Selbst ein Ärzteteam sowie die Köche aus dem Weissen Haus begleiten Barack Obama auf der fünftägigen Reise.

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