Obama streckt die Hand aus Europa aber zögert zuzugreifen

  • Publiziert: 04.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Johannes von DohnÁnyi
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Auf die Charme-Offensive des US-Präsidenten waren die Europäer schlecht vorbereitet. Doch ihre Zurückhaltung dürfte sie teuer zu stehen kommen.

Für die Europäer war es eine bittere Lehrstunde in praktischer Politik – und ein veritabler diplomatischer Affront: nicht den offiziellen Teilnehmern des Nato-Gipfels, sondern 4000 Schülern verschiedener Nationalität präsentierte US-Präsident Barack Obama (47) am Freitag seine Vision von einer atomwaffenfreien Welt. Die Einzelheiten dieses Plans, versprach er den Jugendlichen, werde er beim Europa-USA-Gipfel in Prag vorstellen.

Die Anwesenden tobten vor Begeisterung. Und liessen sich die Laune auch von den nachfolgenden Sätzen nicht verderben: Weil das Terrornetz Al Kaida eine Gefahr bleibe, müsse der Militäreinsatz in Afghanistan erweitert werden. Natürlich habe es in der Vergangenheit Fehler gegeben, sagte der Präsident. Für die Arroganz seines Vorgängers entschuldige er sich. Aber dann ging er zum Angriff über: Amerika sei nicht länger bereit, die Last des Kriegs alleine zu schultern. Er, Obama, fordere von den Europäern ein stärkeres Engagement.

Für solche Sätze wäre George W. Bush erbarmungslos niedergeschrien worden. Sein Nachfolger weiss, wie man mit kleinen Gesten die Herzen der Menschen erobert.

Der Menschenfänger
Drei internationale Gipfeltreffen hat Barack Obama in dieser Woche absolviert. In London ging es um eine neue Architektur des globalen Finanzsystems. In Strassburg (F) standen der 60. Geburtstag der Nato und die Wahl eines neuen Generalsekretärs des Verteidigungsbündnisses auf dem Programm. Und heute schliesslich soll das Treffen in Prag die Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union nach acht Jahren Bush wieder reparieren.

Die Resultate sind, jedes für sich genommen, nicht überwältigend. Grosse Würfe sehen anders aus. Viel mehr als hehre Absichtserklärungen wurden nicht produziert. Es war, auf den ersten Blick, mal wieder die gipfeltypische Abfolge mehr oder weniger fauler Kompromisse, die es jedem Teilnehmer erlauben, sich zu Hause als strahlender Verhandlungssieger zu präsentieren.

Am Ende des Gipfel-Marathons sahen seine Gesprächspartner, aber auch die Medien Barack Obama nicht als den grossen Gewinner. Der Präsident, hiess es zum Beispiel aus der Umgebung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (54), habe intensiv zugehört, relevante Fragen gestellt und eine erstaunliche Bereitschaft zum Dialog bewiesen. Das Fazit nicht nur in Berlin: Man sei vor der Weltmacht USA nicht eingeknickt und habe die eigenen Interessen im Wesentlichen sogar durchgesetzt.

Welch arroganter Irrtum! Tatsächlich haben sich die Europäer vom trügerischen Dauerlächeln Obamas einlullen lassen. In allen Punkten, die ihm wichtig waren, setzte sich der neue Mann im Weissen Haus mit Stil, Charme – und manchmal auch Erpressung – durch. Sein Trick: Bei allen Gesprächspartnern hinterliess Obama den Eindruck, genau das entschieden zu haben, was sie schon immer selbst im Sinn gehabt hatten.

So brachte Obama die Europäer beim G-20-Finanzgipfel dazu, gegen ihren ursprünglichen Willen einem globalen Konjunkturhilfsprogramm zuzustimmen. Auch am Ende des Nato-Treffens konnte Obama zufrieden sein: Mit der hinter einem Lächeln versteckten Drohung der endgültigen Amerikanisierung des Afghanistan-Kriegs hatte er die Bündnispartner gezwungen, sich künftig stärker mit Geld und vor allem mit Truppen am Hindukusch zu engagieren. Und schliesslich beendete Obama – mit einem einzigen freundlich-erpresserischen Telefonat – den türkischen Widerstand gegen den dänischen Premier Anders Fogh Rasmussen (56) als neuen Nato-Generalsekretär.

Den höchsten Preis werden Europas Politiker aber nicht in den internationalen Beziehungen, sondern zu Hause zahlen müssen. Mit seinem Auftritt ohne besserwisserische Arroganz vor den Schülern in Strassburg, mit seinen sorgfältig orchestrierten Spaziergängen durch deutsche Fussgängerzonen und spontan geschüttelten Händen und schliesslich mit der souveränen Ehefrau Michelle (45) an der Seite führte Obama die europäischen Politiker als verkrustete Kaste vor, die den Kontakt mit den Wählern längst verloren hat.

«Change» hatte er im Wahlkampf den Amerikanern versprochen. Den Wunsch nach solchen Wechseln hat er in nur vier Tagen auch in Europa geweckt. Yes, we can – Obamas Schlachtruf wird künftig auch die Politiker Europas jagen. 

Das sagt die Hand-Analytikerin Mari Russi:

Barack Obamas rechte Hand zeigt einen Mann, der sich nicht leicht von seinem Weg abbringen lässt. Die stark ausgebildete Herzlinie erklärt seine charismatische Persönlichkeit, die gerne im Mittelpunkt steht.

Vor seinen Entscheidungen überprüft er scharf die jeweilige Ausgangslage. Die markante Kopflinie verrät sein analytisches und rationales Denken. Seine Lebenslinie ist nicht ganz rund geschwungen. Das deutet darauf hin, dass er sehr dynamisch vorgeht, Geschäfte schnell erledigt, sie mitunter ungeduldig vorantreibt.

Wenn es hart auf hart kommt, verfügt Obama über viel Kraft und Energie. Sein eindrücklicher Daumenballen signalisiert, dass Obama auch ein Geniesser und Familienmensch ist.

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