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Gestern Morgen kostete ein Euro 1.19 Franken. Dann begann er zu sinken. 1.18 gegen Mittag. Danach ein akuter Schwächeanfall – freier Fall auf 1.1672 Franken. Natürlich ein neuer historischer Tiefstand.
Zur Erinnerung: Ende 2009 stand der Euro noch über 1.50 Franken. Ein Minus von rund 23 Prozent in gut 18 Monaten!
Die Exportindustrie leidet am meisten unter dem Absturz. Letzte Woche hat die Lonza in Visp VS als erster Grosskonzern mit einer Schocktherapie reagiert: Ab sofort 42½ statt 41 Stunden pro Woche für alle 2700 Angestellten – bei gleichem Lohn! (BLICK berichtete).
«Notmassnahmen», sagt Valentin Vogt, der neue Arbeitgeberpräsident: «Für die Arbeitnehmer ist es besser, vorübergehend mehr zu arbeiten, als die Stelle zu verlieren.»
Anders gesagt: Wer jetzt länger arbeitet, kann dafür den Job behalten!
Geht die Rechnung wirklich auf? Und was ist mit Firmen, die schon heute 42 oder 43 Stunden arbeiten lassen? Wenn die um 5 oder gar 10 Prozent erhöhen, sind wir bald bei 46 Stunden.
Der Widerstand der Gewerkschaften ist programmiert. Peter Lauener vom Gewerkschaftsbund: «Arbeitszeiterhöhungen sind grundsätzlich keine Lösung. Nur im Einzelfall kann das eine Firma gemeinsam mit der zuständigen Gewerkschaft prüfen.»
Von Johann Schneider-Ammann, der derzeit in Russland weilt, ist weiterhin kaum Hilfe zu erwarten. Der Wirtschaftsminister hat letzte Woche erneut klar gemacht: Die Regierung sieht keinen Handlungsbedarf.
Deshalb solle es die Nationalbank richten, fordert Gewerkschafter Lauener: «Sie muss endlich etwas tun – der starke Franken ist ein massives Problem.»
Und es könnte noch schlimmer kommen. Denn nun wackelt plötzlich Italien – die drittgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone. Das erhöht den Druck auf den Euro nochmals gewaltig.
Die Nervosität steigt. Wieder werden Krisengipfel einberufen. Und wieder wird bestritten, dass es überhaupt Krisengipfel sind.
Auch gestern. In Brüssel trafen sich José Manuel Barroso, Jean-Claude Trichet, Jean-Claude Juncker, Olli Rehn und Herman Van Rompuy. Fünf der mächtigsten Männer in Europa. Alle betonten: Wir sprachen nicht über Italien.
Angela Merkel hat sich am Wochenende per Telefon direkt von Silvio Berlusconi versichern lassen, dass eisern gespart werde. Die Kanzlerin: «Ich habe festes Vertrauen in die italienische Regierung.» Auch beim Treffen der Euro-Finanzminister forderten gestern mehrere Politiker von den Italienern Spardisziplin.
Das lässt nichts Gutes erahnen, denn die letzten, die so ins Gebet genommen wurden, waren die Griechen.
Nach dem jüngsten Absturz berechnete gestern die Zürcher Kantonalbank, wo der nächste Zwischenhalt auf der Euro-Talfahrt zu erwarten ist: bei 1.1585 Franken. Bitte anschnallen.