EU-Experte zum Richtungsentscheid bei den französischen Vorwahlen «Sarkozys Niederlage beruhigt die Finanzmärkte»

ZÜRICH - Das Kalkül des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ist nicht aufgegangen. Trotz Parolen à la Trump und Brexit hat die Basis der Konservativen seinen Gegenkandidaten den Vorzug gegeben. EU-Spezialist Thomas Schäubli erklärt, was das für die Weltwirtschaft bedeutet.

Schaeubli1.jpg play
Thomas Schäubli ist Political Risk Analyst bei Wellers­hoff & Partners: Aus seiner Sicht ist Sarkozys Niederlage für die Kapitalmärkte ein gutes Signal. ZVG

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Genf, Sydney, Washington Frauen marschieren gegen Trump
2 Trump schockierte Experten «Die radikalste Antrittsrede aller Zeiten!»
3 Sie spielten Billard, als die Schneewalze kam Hotel-Kinder...

Ausland

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
Fehler
Melden

BLICK: Herr Schäubli, wie schätzen Sie den Ausgang der Vorwahlen in Frankreich ein?
Thomas Schäubli:
Die Niederlage von Nicolas Sarkozy bei den Vorwahlen der französischen Konservativen trägt sicher zu einer Entspannung an den Finanzmärkten bei. Sowohl Alain Juppé als auch François Fillon gelten als gemässigt. Sarkozy machte in den letzten Wochen mit Parolen die Runde, wie man sie noch vor wenigen Jahren nur von Marine Le Pen gehört hatte. Uns kam es so vor, als ob die Vorwahlen ein erster Test waren, ob sich die im Brexit und der Wahl von Donald Trump zum Ausdruck gebrachten politischen Unwägbarkeiten weiter intensivieren würden. Das war nun nicht der Fall.

Von welchen Unwägbarkeiten sprechen Sie?
Die Finanzmärkte jonglieren derzeit mit einem regelrechten Horrorszenario: Das von Matteo Renzi in Italien eingeleitete Verfassungsreferendum scheitert im Dezember an der Urne, die Regierung Renzi tritt zurück, und die Opposition kommt an die Macht. Damit nicht genug, gewinnt dann noch Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Im schlimmsten Fall liegen damit zwei EU-Austritts-Referenden auf dem Tisch – und die EU ist bis im Sommer 2017 erledigt. 

Wird das wirklich diskutiert? Und ist es wirklich realistisch?
Das wird so diskutiert. Aber dass es so kommen wird, halten wir für sehr unwahrscheinlich. Der Partito Democratico von Matteo Renzi führt in den Umfragen weiterhin. Auch wenn Renzi also zurücktritt, muss deshalb nicht die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung an die Macht kommen. Le Pen dürfte gemäss den aktuellen Erhebungen sowohl gegen Fillon als auch gegen Juppé in der Stichwahl verlieren. Nach der Wahl von Donald Trump scheint vielen Beobachtern kein Szenario mehr zu ausgefallen zu sein. Aber nüchtern betrachtet bieten sich der EU jetzt auch Chancen.

Wie das?
Wirtschaftlich geht es schon länger aufwärts.

Woran messen Sie dies?
Die Quartals-Wachstumsraten sind seit 14 Quartalen ununterbrochen positiv, was selbst die amerikanische Wirtschaft nicht aufweisen kann. Die Arbeitslosigkeit geht auf breiter Front zurück. Gut möglich, dass sich auch die politische Lage in den kommenden Monaten beruhigen wird. Die Unterstützung für populistische Kräfte bewegt sich in der EU seit über einem Jahr seitwärts. Von den Wahlen in den Niederlanden und Deutschland sind keine Schockwellen zu erwarten. Ist die Aufregung um Italien und Frankreich durch, könnte es fast schon langweilig werden. (hlm)

Publiziert am 21.11.2016 | Aktualisiert am 01.12.2016
Brexit

Mehrheit der Briten will raus aus der EU

Zürich/London – Nächste Woche stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Laut Thomas Schäubli, EU-Experte von Wellershoff & Partners, hat das Austritts-Lager – diejenigen, die den Brexit wollen – in einer längerfristigen Betrachtung und über mehrere Umfragen hinweg neu eine Mehrheit. Gestern waren demnach 46 Prozent der befragten Briten für einen EU-Austritt, 44 Prozent dagegen. Einzelne Umfragen hätten die EU-Gegner schon vorher vorne gesehen. «In der Summe waren die EU-Befürworter aber jeweils in der Mehrzahl», so Schäubli. Zu ähnlichen Resultaten kommen «Financial Times» und «Economist».

teilen
teilen
0 shares
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS