Affäre Gaddafi EU erwartet «Geste» der Schweiz

  • Publiziert: 17.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

BRÜSSEL – Gaddafi erwartet von der EU ein Sorry, und die gibt den Druck weiter: Es brauche eine Geste der Schweiz, meinte die Innenkommissärin nach einem Gespräch mit Bundesrätin Widmer-Schlumpf.

Die EU erwartet im Streit zwischen Libyen und der Schweiz, dass beide Seiten vorwärts machen, um eine Lösung zu finden. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström telefonierte heute Morgen wegen des Falls mit Bundesrätin Eveline Widmer- Schlumpf.

Malmström fordere von Libyen und der Schweiz, dass sie sich für eine Lösung einsetzten, sagte Malmströms Sprecher, Michele Cercone. Auf die Frage, ob Malmström von Widmer-Schlumpf ein Entgegenkommen der Schweiz gefordert habe, liess Cercone durchblicken, dass die EU- Kommission eine Geste der Schweiz erwartet.

Auf Details des Telefongesprächs wollte er nicht eingehen. Es wurde vermutet, Malmström könnte von Widmer-Schlumpf gefordert haben, als eine «Geste des guten Willens» einige Namen von der Liste der mehr als 150 «unerwünschten Libyer» zu streichen.

Cercone fügte allerdings an, dass es «der Schweiz obliegt zu entscheiden, wann sie die Daten im Schengeninformationssystem löscht».

Solidarität der Schengenstaaten nicht gefährden

Es sei wichtig, schnell eine diplomatische Lösung «auf Grundlage der Solidarität der Schengenstaaten» zu finden, sagte Cercone. Sonst drohe diese «bilaterale Kontroverse» die Kohärenz des Schengensystems in Frage zu stellen. Malmström habe sich mehrmals gegen Initiativvorschläge ausgesprochen, welche die Solidarität unter den Schengenländern gefährde.

In den letzten Tagen hatten Malta und Italien mehrere Vorstösse gemacht, die Richtung ein «Schengevisa light» gehen, womit das Schweizer Verbot zur Ausstellung von Schengenvisa an besagte Libyer umgangen werden könnte. (SDA)

Amnesty: Weltweite «Eilbriefaktion» für Göldi

LONDON – Tausende Briefe, E-Mails und Faxe aus aller Welt sollen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi dazu bewegen, den Schweizer Geschäftsmann Max Göldi aus der Haft zu entlassen. Zu dieser Aktion ruft die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weltweit auf. Es sei in den letzten 20 Jahren erst das zweite Mal, dass Amnesty eine solche «Eilbriefaktion» für einen Schweizer ausrufe, teilte die Organisation am Mittwoch mit. «Dies zeigt, wie ernst wir den Fall von Max Göldi nehmen», so Daniel Bolomey, der Generalsekretär der Schweizer Amnesty-Sektion. Der Aufruf für die «Urgent Action» genannte «Eilbriefaktion» richtet sich an hundertausende Menschenrechts-Aktivisten in aller Welt. Amnesty ruft dazu auf, an Gaddafi persönlich und weitere Vertreter des libyschen Regimes zu schreiben. Eine «Urgent Action» – zu deutsch: dringende Massnahme oder dringendes Eingreifen – lanciert Amnesty nach eigenen Angaben, «wenn Menschen willkürlich verhaftet oder gefoltert werden oder von anderen Menschenrechtsverletzungen bedroht» sind. Jährlich gebe es rund 800 solcher Aktionen; die Hälfte davon sei erfolgreich.

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