ETH-Experte Popp zu Assads Eroberung von Aleppo «Das ist ein Wendepunkt in der Syrien-Krise»

DAMASKUS - Die Eroberung der Millionenstadt Aleppo gibt Assad Auftrieb. Für den ETH-Experten Roland Popp ein Grund zur Hoffnung.

Aleppo ist zurückerobert: Assads Soldaten besteigen einen zerstörten Panzer. play
Aleppo ist zurückerobert: Assads Soldaten besteigen einen zerstörten Panzer. REUTERS

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«Das kleinere Übel»: Baschar al-Assad. play
«Das kleinere Übel»: Baschar al-Assad. AFP

Das Leid in der nordsyrischen Millionenstadt Aleppo ist immens. Assads Truppen haben die Rebellen zurückgedrängt. Viele Zivilisten wurden laut Uno-Berichten getötet. Inzwischen ist die Stadt ganz in der Hand der Getreuen des syrischen Herrschers Baschar al-Assad.

Obwohl das Elend gross ist, keimt leichte Hoffnung auf. Roland Popp, Nahost-Experte am Center for Security Studies der ETH Zürich, sagt: «Die Eroberung Aleppos ist ein Wendepunkt in der Syrien-Krise.» Er sei durch die Intervention der Russen vor einem Jahr eingeleitet worden.

Zivilisten verlassen die umkämpften Gebiete Aleppos.  play
Zivilisten verlassen die umkämpften Gebiete Aleppos.  AFP

Die Assad-Truppen würden nun versuchen, die Stadt abzusichern und weitere westlich vorgelagerte Gebiete aus den Händen der Rebellen zu befreien. Die Eroberung der Rebellen-Hochburg Idlib würden sie sich bis zum Schluss aufsparen.

Roland Popp, Nahost-Experte an der ETH. play
Roland Popp, Nahost-Experte an der ETH. Blick

Roland Popp vermutet, dass Assad die Kontrolle über sein Land mit Hilfe der Russen zurückerlangen werde. Während andere Nahostexperten keine Lösung mit Assad sehen, geht er von einer Zukunft des Landes unter Assad aus. Popp: «Assad ist zwar sicher keine gute Alternative, aber er ist das kleinere Übel zu den Dschihadisten.»

Hoffnung für IS-Hochburg Mossul

Der ETH-Sicherheitsexperte warnt vor einer Idealisierung der Rebellen. «Das sind keine demokratischen Organisationen, die auf uns vertraute Werte wie etwa die Gleichstellung der Frau achten.» Unter Assad hingegen hätten Frauen weitaus mehr Rechte als in anderen arabischen Ländern.

Jubeln über die Rückeroberung Aleppos: Assads Soldaten.  play
Jubeln über die Rückeroberung Aleppos: Assads Soldaten.  AFP

Auch für den Westen sei Assad das kleinere Übel, da sich Syrien unter den Rebellen zu einem Al-Kaida-Emirat entwickeln könnte. «Das wäre für uns in Europa eine weitaus grössere Bedrohung als Assad.»

Popp sieht auch für die IS-Hochburg Mossul im Irak Hoffnung. Die Rückeroberung durch irakische Truppen und deren Verbündeten gestalte sich zwar schwieriger als erwartet, da sich der IS gut auf den Angriff vorbereiten konnte. Popp geht aber davon aus, dass die Stadt bis Frühling 2017 befreit und der IS anschliessend aus dem Irak vertrieben wird. Der IS wird seinen Schwerpunkt nach Syrien verlagern und so seine Lebenszeit etwas verlängern.

Am Mittwochmorgen standen Busse für die Evakuierung der Bevölkerung bereit.  play
Am Mittwochmorgen standen Busse für die Evakuierung der Bevölkerung bereit.  REUTERS

Der Krieg in Syrien wird noch viele weitere Opfer fordern. Roland Popp warnt aber davor, die Schuld für das Gemetzel allein Assad zu geben. Popp: «Ich bin nicht glücklich über die Berichterstattung aus Syrien. Wir können überhaupt nicht prüfen, was stimmt und was Propaganda ist. Fest steht lediglich, dass der Krieg äusserst brutal ist.»

Publiziert am 14.12.2016 | Aktualisiert am 14.12.2016
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30 Kommentare
  • Andreas  N. aus Zürich
    14.12.2016
    Ich bin kein Experte, aber das wusste ich schon lange. Der Westen hätte die Rebellen nie und nimmer unterstützen dürfen.
  • jürg  frey aus teufen
    14.12.2016
    Richtig! Ohne arabischen Frühling hätte man das ganze Chaos mit Krieg und Flüchtlingen vermeiden können! Das ist nun mal Fakt. Und jetzt verdienen Schlepper Millionen und die Italiener unterstützen noch durch den Taxidienst vor Libyens Küste deren Wachstum!
    • Recht  Haber aus Zürich
      15.12.2016
      Es war auch kein "Frühling". Das ist ein von den linken Systemmedien erfundenes Schmähwort.
  • Georgio  Alberone aus Basel
    14.12.2016
    Schön dass mal ein etwas realistischeres Bild von Syrien gezeigt wird, meist wird ja leider die Propaganda der Rebellen und ihrer westlichen Gönner ohne Verfizierung wiedergegeben. So wird z.Bsp. die völlig unrealistische Zahl von 100000 eingeschlossenen Zivilisten genannt, was einer Bevölkerungsdichte (über 20000 Bewohner pro km2) entspricht die auf der Erde nur in einigen Hochhausgebieten erreicht wird.
    Von den täglichen zivilen Opfer in Aleppo durch Rebellenbeschuss liest man hingegen nie
    • Rolli  Wagner 14.12.2016
      Richtig! Und für alle die das nicht glauben: Gebt doch mal bei Google Daesh ein - dann seht ihr was der IS für eine Mörderbande ist.
      Wünsche Assads Truppen viel Erfolg beim eliminieren dieser Sadisten.
  • Boris  Kerzenmacher 14.12.2016
    Europa, allen voran die Schweiz, Österreich und Deutschland, sollten jetzt unbürokratisch eine Luftbrücke nach Syrien organisieren und die Freiheitsrebellen samt ihren Familien hierher in Sicherheit bringen.
    Andernfalls droht eine weitere humanitäre Katastrophe.
    • Beat  Schenker aus Lugano
      14.12.2016
      Die ist schon längst passiert! Zur erinnerung die Russische Miilitärbasis in Syrien gab es sogar noch vor dem Irak Krieg. Sie haben vor ungefähr 1 Jahr massiv in den Krieg eingegriffen, nachdem Ihr sperfeuer in der UNO nicht half, und Assads Macht an einem Seidenen Fden hing und damit auch die Zukunft der Base. Schauen Sie sich die Zahlen der Toten an, bevor und imletzten Jahr.
    • Christian  Kurmann , via Facebook 14.12.2016
      Keine gute idee.
      Das sind keine lieben freiheitskämpfer wie es in den meisten medien heisst!
    • Gian  Zender , via Facebook 15.12.2016
      Herr Kerzenmacher, das meinen Sie hoffentlich ironisch, oder? Sie wissen schon, was das für Rebellen sind?
  • Daniel  Leuenberger aus Chisinau
    14.12.2016
    In Aleppo wird von Besetzung gesprochen, in Mosul wird von Befreiung gesprochen. Auf France 24 gab es ein Interview mit einem Kommandanten der irakischen Armee, der sagte Terroristen operieren aus Krankenhaeuser und Schulen - aber wehe Jemand greift diese an. Dann stehen gleich die Menschenrechtler mit dem Hammer auf der Strasse. Der Westen beklagt sich ueber Propaganda, aber die groesste Propaganda geht vom Westen aus. Teilweise so offensichtlich, dass es dem Intellekt weht tut.