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Herr Segmüller, hat die Garde an Heiligabend versagt?
Pius Segmüller: Ich habe mir das Video genau angesehen und keinen Fehler entdeckt. Höchstens anderthalb Sekunden nach dem Angriff war der erste Gardist beim Papst. Das ist sehr schnell. Denn das Zeremonien-Protokoll verlangt, dass die Garde bei solchen Auftritten etwa fünf Meter hinter dem Papst geht.
Die Garde ist also ausreichend auf solche Zwischenfälle vorbereitet?
Die Gardisten werden vom eidgenössischen Bundes-Sicherheits-Detachement ausgebildet. Was genau sie da lernen, weiss auch der Papst nicht. Geübt wird aber immer wieder, ihn bei Gefahr schnell in Sicherheit zu bringen.
Sie erstaunt es nicht, dass die Frau einfach über die Absperrung springen konnte?
Die Schranken sind 110 Zentimeter hoch. Die sind leicht zu überwinden. Die Alternative wären hohe Gitter. Aber das will der Vatikan nicht. Es soll keine totale Trennung des Papstes von den Gläubigen geben.
Haben Sie während Ihrer Zeit als Kommandant ähnliche Situationen erlebt?
Ich erinnere mich an drei Schranken-Springer, alles eher harmlose Menschen mit mentalen Problemen. Trotzdem: Das darf man nicht unterschätzen. Auch von solchen Menschen kann eine Gefahr für den Heiligen Vater ausgehen.
Und wie hat «Ihr» Papst Johannes Paul II. reagiert?
«Habt keine Angst», sagte er. Und: «Mach dir keine Sorgen.»