Katastrophe viel schlimmer Es fliesst zehn Mal mehr Öl aus

  • Publiziert: 05.05.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Christian Bischoff

NEW ORLEANS – Aus dem Ölleck im Golf von Mexiko könnten täglich fast 10 Millionen Liter Öl fliessen, geben BP-Manager zu. Das ist zehnmal mehr, als bisher angenommen. Das totale Versagen der Menschen bringt der Tierwelt den Tod.

Es ist alles viel schlimmer! 800‘000 Liter täglich fliessen täglich aus dem Leck der «Deepwater Horizon», hiess es bisher beim Konzern BP. Schon das gaben die Verantwortlichen erst Tage nach dem Untergang der Bohrinsel im Golf von Mexiko zu.

Jetzt soll ein BP-Manager laut «New York Times» an einem Treffen hinter verschlossenen Türen mit US-Kongressangehörigen zugegeben haben, dass die Quelle wohl mehr als zehn Mal mehr Öl ausspucken könnte. 60‘000 Barrels, das sind 10,5 Millionen Liter, sollen tatsächlich jeden Tag ins Meereswasser sprudeln.

Viel schlimmer als «Exxon Valdez»

Zum Vergleich: Das ist ein Viertel der Menge, die beim Tankerunglück der Exxon Valdez vor Alaska ausfloss. Das Unglück in den 1990er-Jahren galt bisher als schlimmste Ölpest in der Geschichte der USA. Für die aktuelle Katastrophe fehlen selbst dem Präsidenten die Worte: Bei seinem Besuch im Mississippi-Delta sprach Barack Obama von einem «noch nie gesehenen Ausmass».

Das Versagen der Menschen ist offensichtlich: Noch 2009 verlieh die Regierung der Ölförder-Plattform «Deepwater Horizon» einen Preis für die Sicherheit. Doch die in der Schweiz domizilierte Betreiberfirma «Transocean» unterliess es dabei ein vergleichsweise billiges Sicherheitsventil (500‘000 Dollar) zu installieren. Es hätte die Ölpest verhindert, behaupten Kritiker.

50 Mal mehr Öl aus zuerst angegeben

Nach den Explosionen auf der Plattform vor zwei Wochen behauptete der Konzern BP erst, er habe alles im Griff. Die ausfliessende Menge wurde mit rund 200‘000 Litern geschätzt. Heute sind es 50 Mal mehr! Die Regierung Obama verliess sich voll auf die Fähigkeiten des Ölkonzerns in der Bewältigung des Unglücks und reagierte in der Folge erst viel zu spät, als sich das ganze Ausmass abzeichnete.

Doch das eigentliche Desaster erleben hunderttausende Vögel, Fische, Reptilien und Säugetiere an der Küste des Golfes und in den weit verzweigten Delta-Landschaften des Mississippis. Ihr Schicksal ist noch nicht absehbar, für viele wird die giftige Brühe aus dem Golf den Tod bringen, auch wenn Tierschützer alles unternehmen, um sie zu retten.

Der Tod ist in der Nahrungskette

«Das Drama spielt sich im Moment noch vor allem unter der Wasseroberfläche ab», sagte der Meeresbiologe Christian Bussau von der Umweltschutzorganisation Greenpeace im «ZDF». Kleinlebewesen stehen am Anfang von Tod und Verderben in der Nahrungskette am Golf.

Im Moment hält das Wetter zwar den Ölteppich noch von der Küste fern: «Wir haben ein bisschen Zeit geschenkt bekommen», sagt Admiralin Mary Landry von der Küstenwache. «Ich werde mich nicht ausruhen.» An den Küsten werden jedoch schon verendete Meeresschildkröten, Fische und Vögel ans Land gespült.

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland