Erzfeind Fethullah Gülen attackiert Türkei-Präsident «Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert»

Fethullah Gülen gilt der türkischen Regierung als ihr derzeit ärgster Feind. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht ihn für den Putschversuch vom Juli verantwortlich.

Fethullah Gülen glaubt: Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert play
Fethullah Gülen äusserte sich in einem Interview zu Erdogans Attacken. Chris Post

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Der türkische Geistliche Gülen macht Erdogan direkt für den Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei verantwortlich. «In den vergangenen Tagen kamen so viele Beweise ans Licht, dass dies zur Gewissheit wird«, sagte Gülen in einem gemeinsamen Interview der deutschen Nachrichtenagentur dpa, der Wochenzeitung «Die Zeit» und der spanischen Tageszeitung «El País» in seinem Exil in den USA.

Erdogan habe den Coup Jahre im voraus geplant. «Er hat nur auf die richtige Gelegenheit gewartet», sagte Gülen, der seit 1999 im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt.

Die türkische Regierung macht ihrerseits Gülen und seine regierungskritische Hizmet-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des 78-Jährigen. Er gilt in der Türkei inzwischen als Staatsfeind Nr. 1.

Putsch machte Erdogan stärker

«Im Nachgang des Putschversuches nutzt er ihn, um seine Macht zu verfestigen», sagte Gülen über Erdogan. «Was immer er auch geplant hat - der Putsch gibt ihm die Möglichkeit, es zu tun.» Viele für die Regierung unliebsame Amtsträger, ob in Ministerien, Militär, Gerichten oder bei der Polizei, seien entlassen, viele von ihnen inhaftiert worden.

Gülen forderte eine internationale Kommission mit Experten aus den USA, Deutschland, den Niederlanden und weiteren Staaten, die den Putschversuch und dessen Umstände untersuchen sollten. Dieser Vorschlag sei von der türkischen Regierung nicht einmal in Erwägung gezogen worden, sagte Gülen. «Wenn dabei herauskommen sollte, dass ich an dem Putschversuch beteiligt war - ich kann mit den Ergebnissen leben«, sagte er.

Er gehe nicht davon aus, dass die Türkei in nächster Zeit Anforderungen erfüllen werde, die für Aufnahmeverhandlungen in die EU nötig seien. Dem Staat müsse mit internationalem Recht und Machtworten von NATO und den USA begegnet werden, forderte er.

»Sonst wird das nicht aufhören«, betonte Gülen. «Sie werden nicht leichtfertig aufgeben, was sie bereits erreicht haben.» Die Türkei habe eine Tradition der Demokratie. «Aber inzwischen haben wir fast alles verloren», sagte Gülen. (SDA)

Publiziert am 23.09.2016 | Aktualisiert am 23.09.2016
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Gescheiterter Putschversuch in der Türkei Erdogan greift nach der absoluten Macht

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15 Kommentare
  • Peter  Selbstgestrickt 24.09.2016
    Es gibt etliche "Erdoganoven" auf dieser Welt und keiner von denen ist glaubwürdig, alle sind machtbesessen und aus dem gleichen Holz geschnitzt, alle sollten mit (friedlichen) Mitteln konsequent bekämpft werden. Für ein besseres morgen für die ganze Menscheit.
  • Martin  Fux aus Grenchen
    23.09.2016
    Dieser Meinung bin ich auch zu 100 Prozent. Wem hat dieser Putsch etwas gebracht, ausser Erdogan.
  • Silvio  Valentino aus Winterthur
    23.09.2016
    So so, die NATO und die USA sollen intervenieren, meint Herr Gülen, der seit 1999 in den USA lebt, dessen sektenähnliche Organisation nicht nur strategisch und beharrlich die türkischen Institutionen, Armee, Bildungswesen infiltriert, sondern sich v.a. im europäischen Ausland netzartig festgesetzt hat. Keine türkischen Staatsbürger/innen mit akademischer Bildung, die man nicht schon zu rekrutieren versucht hätte. Wer finanziert das eigentlich? Na, die USA haben sicher nichts damit zu tun ...



  • Thomas  Degen 23.09.2016
    Sog. "Säuberungen" sind aus allen Diktaturen bekannt. In gewissen Staaten (Russland unter Stalin, China unter Mao, Kambodscha unter Pol Pot) bedurfte es keines Putsches. Dort wurden diese einfach durchgeführt. Sie richteten sich gegen hohe Militärs, Polizeispitzen, Justitz und Systemkritiker. Heute geht das nicht mehr so einfach, man muss einen Grund (wie z.B. "Ab heute wird zurückgeschossen") vorweisen können. Irgendwie habe ich in der Türkeiaffäre ein Déja-vu.
    • Silvio  Valentino aus Winterthur
      23.09.2016
      Vor allem haben Sie ein ganz einfach gestricktes mechanistisches Weltbild. Das haben heute ganz viele Leute, denn Jahrzehnte politischer Gehirnwäsche gehen nicht spurlos an einer Gesellschaft vorbei. War das zur Zeit des Kalten Kriegs noch verständlich, ist es heute überhaupt nicht mehr, denn jede interessierte Person hat über das Internet die Möglichkeit, sich anhand von Dokumenten korrekt zu informieren und eine sachliche Analyse vorzunehmen, anstatt sich von Ressentiments leiten zu lassen.
  • Sabina  Wallner 23.09.2016
    Dann schlage ich vor, dass Erdogan an die Türkei ausgeliefert wird. ;-)