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Am Landgericht in Dresden spielten sich gestern grauenvolle Szenen ab. Mitten im Gerichtssaal hatte der 28 Jahre alte Angeklagte – ein deutscher Staatsbürger russischer Herkunft – die als Zeugin geladene Frau angegriffen und mit 18 Messerstichen regelrecht niedergemetzelt.
Kurz darauf starb sie vor den Augen ihres Mannes und ihres Sohnes.
Doch jetzt wird klar: Sie hinterlässt nicht nur einen dreijährigen Sohn. Die 31-jährige Ägypterin war zudem im dritten Monat schwanger.
Ihr Mann wurde bei der Attacke schwer verletzt, durch Messerstiche und einen versehentlich abgegebenen Schuss der Polizei. Er ist inzwischen ausser Lebensgefahr. Der Anlass der Verhandlung war eher banal: Es ging um eine Beleidigung. Gegen den Messerstecher wurde nun Haftbefehl wegen Mordes erlassen.
Mehr als 24 Stunden nach der Bluttat berichtete die Staatsanwaltschaft erstmals Einzelheiten. Demnach spielten sich im Gerichtssaal innerhalb weniger Minuten dramatische Szenen ab. Unvermittelt griff der Russland-Deutsche die Frau mit einem grösseren Messer an. Ihr Ehemann wollte sie schützen.
Verhängnisvoller Irrtum
Gerichtspersonal und zwei Bundespolizisten, die sich zufällig im Haus aufhielten, überwältigten den Täter und nahmen ihn fest. Dabei kam es zu einem verhängnisvollen Irrtum.
Laut Staatsanwalt hielt einer der Beamten zunächst den Ehemann für den Angreifer und schoss ihm ins Bein. Diese Verletzung sei aber nicht für den lebensbedrohlichen Zustand des Mannes verantwortlich, hiess es.
Streit auf dem Spielplatz
Hintergrund war ein Streit zwischen dem Angeklagten und der Zeugin im Sommer 2008 auf einem Spielplatz. Die Ägypterin soll den Beschuldigten gebeten haben, für ihren Sohn einen Platz auf der Schaukel freizumachen und dafür mit Begriffen wie «Islamistin», «Terroristin» und «Schlampe» beschimpft worden sein.
Für die Beleidigungen wurde der Mann zu einer Geldstrafe verurteilt. Bei der Berufungsverhandlung wollte er nun einen Freispruch erreichen. Warum er dabei ausrastete, ist unklar.
Vor dem Haftrichter äusserte er sich bislang nicht zur vorgeworfenen Tat, hiess es. Nach Angaben von Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz wird unter anderem ein ausländerfeindlicher Hintergrund geprüft. Es gebe Anzeichen dafür, sagte er. (SDA)
Die Rettungskräfte konnten der Frau nicht mehr helfen.- AP