Erdbeben-Drama: Die Gefahr war seit 10 Jahren bekannt!

  • Publiziert: 16.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

L'AQUILA – 294 Menschen kamen beim schweren Erdbeben im italienischen L'Aquila ums Leben. Jetzt kommt heraus: Die Behörden wurden bereits 1999 auf die nicht erdbebensicheren Gebäude aufmerksam gemacht.

Nach dem Erdbeben vom 6. April, bei dem 294 Menschen ums Leben kamen, sind 80 Prozent der Schulen in den Abruzzen beschädigt oder vollkommen zerstört. Ganz schlimm: Für das teilweise eingestürzte Spital «San Salvatore» der Regionalhauptstadt LAquila soll es überhaupt keine Betriebsgenehmigung gegeben haben.

Dabei waren die einsturzgefährdeten Gebäude im Erdbebengebiet in den Abruzzen seit zehn Jahren aktenkundig. Der Zivilschutz machte die Behörden bereits 1999 darauf aufmerksam, dass zahlreiche öffentliche Gebäude im Fall eines Erdbebens stark gefährdet seien.

Baugenehmigungen leichtfertig vergeben

Die Experten untersuchten seinerzeit gut 42000 Gebäude in verschiedenen Gebieten Italiens: 171 Schulen, 209 Wohnhäuser und 55 Spitäler stuften sie als extrem gefährdet ein.

Gehandelt wurde nicht. Und der Zivilschutzchef Guido Bertolaso hatte eine zynische Erklärung dafür: «Vorbeugemassnahmen bringen keine Wählerstimmen», sagte er.

Italienische Medien kritisierten, dass auch zahlreiche Gebäude neuer Bauart bei dem Beben in sich zusammengefallen waren. Experten bemängelten zudem, dass Genehmigungen für Anbauten zu leichtfertig vergeben worden seien. (SDA/spj)

Schule im Zeltlager

In Poggio Picenza weihte Regierungschef Silvio Berlusconi heute eine Volksschule in einem Zeltlager ein. Der Zivilschutz betonte, es handle sich bloss um eine «teilweise Wiederaufnahme» des Unterrichts. Es werde noch einige Zeit dauern, bis andere Schulen ihren Betrieb – entweder in den Zeltstädten oder in sicheren Gebäuden – wieder aufnehmen könnten. Berlusconi versicherte, dass die Regierung bis Ende des Sommers eine Unterkunft für alle Obdachlosen gefunden haben werde. Mehrere Büros und Geschäfte waren heute in LAquila geöffnet. Lokale Fernseh- und Radiosender nahmen ihre Programme wieder auf.

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland