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Noch immer sucht die Polizei fieberhaft nach den Motiven des Amokläufers von Blacksburg. Sie wurden aber bei den Ermittlungen gestört: Heute Mittwoch wurde das Büro des Campus-Präsidenten mit bewaffneten Sicherheitskräften abgeriegelt, angeblich wegen einer Bombendrohung, wie CNN mitteilte. Der Verdacht erwies sich als unbegründet.
Der Amokschütze ist weiterhin eine undurchsichtige Gestalt, da er mit niemandem Kontakt pflegte. Langsam formt sich aber ein düsteres Psychogramm eines Einzelgängers. Seine Mitbewohner berichten von einer nicht existierenden Kommunikation zwischen ihnen und dem Südkoreaner: «Oft sass er einfach nur da, starrte vor sich hin – Antworten kamen nur einsilbig», erzählt Joseph Aust. «Er konnte mir nicht in die Augen schauen», so sein Mitbewohner gegenüber «ABC».
Im vergangen Herbst schrieb der 23-jährige Einzelgänger in einem Uni-Kurs Theaterstücke, deren gewaltsamer Inhalt Professoren und Studenten erschreckte. Seine Figuren griffen andere mit Kettensägen an und warfen Hämmer, wie ein Mitschüler berichtete.
Seine «Kreatives Schreiben»-Lehrerin Nikki Giovanni bekam Angst vor dem stillen Schüler: «Es war nicht Poesie, es war furchterregend.» Sie erzählte, dass einige Schüler nicht mehr im Unterricht erschienen. Die Begründung: «Er war sehr gruselig und machte Fotos von den Mitschülern.»
Chos Stücke wirkten mit ihrer «perversen, makabren Gewalt» bisweilen «wie aus einem Alptraum», schrieb der Ex-Student Ian MacFarlane in einem Blog. Cho habe den Einsatz von Waffen beschrieben, die er sich selbst nicht einmal hätte vorstellen können.
Die Leiterin der Fakultät für Englisch an der Technischen Hochschule in Blacksburg, Carolyn Rude, erklärte, die Direktorin der Fachschaft Kreatives Schreiben habe ihn als «mit Problemen belastet» beschrieben. Cho sei an den psychologischen Dienst verwiesen worden.
«Er hat Anlass zur Sorge gegeben», sagte Rude. «Beim kreativen Schreiben enthüllen Menschen manchmal Dinge, von denen man nicht weiss, ob sie sich das ausdenken oder ob das vielleicht wahr sein könnte.»
Was genau die Tat am Montag auslöste, bleibt weiter unklar. Der aus Südkorea stammende Englischstudent hinterliess aber ein achtseitiges Schreiben, in dem er nach Angaben aus Ermittlerkreisen gegen reiche Kinder und Religion schwadronierte. «Ihr habt mich dazu gebracht, dies zu tun», schrieb Cho an einer Stelle. Das Ende sei nahe und es müsse noch eine Tat vollbracht werden.
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Seine Theaterstücke waren Oden an die Gewalt: Amokläufer Cho Seung-Hui. (AP)