Er kannte nur Krieg und Elend Das todtraurige Leben von Aylan (†3)

BODRUM (TÜRKEI) - Die Familie des syrischen Buben Aylan aus der umkämpften Stadt Kobane wollte der Hölle in ihrer Heimat entfliehen. Die Reise nahm ein tragisches Ende. Doch schon das ganze Leben des Kleinen stand im Zeichen des Verderbens.

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Der kleine Aylan Kurdi ist tot. Die Leiche des 3-Jährigen syrischen Buben liegt mit dem Gesicht im Sand am Strand. Ein Bild, das schwer zu ertragen ist! Doch was steckt dahinter?

Aylan und seine Familie kommen aus der syrischen Stadt Kobane. Dort herrscht Krieg. Seit 2011 flammen immer wieder Kämpfe auf. Mittendrin kommt Aylan vor drei Jahren zur Welt.

Das Leben der Menschen ist geprägt von der Gewalt. Tagtäglich kommt es in Syrien zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Akteure sind zahlreich, das Chaos gross: Kämpfer des Islamischen Staats (IS), die Regierungstruppen, Kurden und andere vom Ausland unterstützte Oppositionelle mischen mit. Die Anti-IS-Koalition fliegt Luftangriffe auf Stellungen der Terrorgruppe.

Aylans Familie will dieser Hölle entfliehen. In Kanada ein besseres Leben aufbauen.

Wie viele andere Flüchtlinge schaffen es Aylan und die Seinen bis in die Türkei. Doch dort kann die Familie nicht bleiben. Die Kurden fühlen sich in dem ihnen feindlich gesinnten Land nicht sicher.

Schliesslich steigen sie mit anderen Flüchtlingen in der türkischen Stadt Bodrum auf ein Boot. Ziel: die nahen griechischen Inseln. Etwa 1000 Euro kostet die Überfahrt, heisst es.

Eine Reise mit tödlichem Ende: Das Boot kentert kurz nach dem Start. Mindestens zwölf Menschen ertrinken – unter ihnen der kleine Aylan, sein Bruder Galip (5) und Mutter Rehan (35). Ihre Leichen und Habeseligkeiten werden zurück an den Strand gespült.

Vater Abdullah überlebt das Drama, er muss den schweren Gang zum Leichenhaus des örtlichen Spitals antreten, wo die türkischen Behörden die Toten identifizieren lassen. Unter Tränen bricht er zusammen.

«Alles, was er sagte, ist: Meine Frau und meine beiden Buben sind tot», erzählt Abdullahs Schwester Tima dem kanadischen Nachrichtendienst «ottawacitizen.com». Sie hat die schreckliche Nachricht via Telefon erfahren. Tima ist vor 20 Jahren nach Vancouver ausgewandert, arbeitet als Coiffeuse.

Jetzt sollte ihr Bruder nachkommen. Die Reise der Hoffnung endete mit einer Tragödie. Nun will Abdullah zurück nach Kobane, um seine Familie beerdigen zu können. Zurück in die Hölle, die ohne Aylan, Galip und Rehan noch trostloser ist. (noo)

Spenden für Flüchtlinge an die Glückskette können auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Flüchtlinge», über www.glueckskette.ch oder über die Spenden-App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

Publiziert am 03.09.2015 | Aktualisiert am 03.09.2015
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Kamen auf der Flucht ums Leben: Aylan Kurdi (links) und sein Bruder Galip. play

Kamen auf der Flucht ums Leben: Aylan Kurdi (links) und sein Bruder Galip.

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Flüchtlinge auf dem Weg zur Insel Kos ertrunken

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78 Kommentare
  • Andy  Rosinger , via Facebook 03.09.2015
    Wie kann es sein das die anscheinend intelligentesten und wichtigsten Menschen in Europa dieser Tragödie so hilflos gegenüber stehen? Setzt euch endlich mal mit den direkt betroffenen Nachbarländern von Syrien an einen Tisch. Es benötigt Flüchtlingslager in diesen Länder wo die Flüchtlinge gerecht auf Europa verteilt werden. Der Transport soll über Fähren und auf dem Landweg per Zug erfolgen. Somit kann man das Schleppertum aushebeln. Auch wir können locker 10-20000 Syrer aufnehmen.
    • Daniel  Schiebler aus Aarau
      04.09.2015
      Und wo sind die Arabischen Ländern? Mit ihren Ölmillionen. Von denen hilft kein einziger.
  • Yvonne  Bozdag aus Walzenhausen
    03.09.2015
    Das mit dem Kind ist sehr traurig, mein Beileid der Familie. Er war nicht der einziger, in Libyen, Syrien, Ukraine, Irak wurden schon viele Kinder getötet. Aber die Politiker und Medien nahmen keine Notiz von den toten Kindern, die durch NATO Bomben und von den Rebellen getötet wurden. Man will uns das eine bewusst vorenthalten und das andere veröffentlichen. Wenn uns ein Krieg mit Lügen verkauft wird, dann tut was dagegen. Schweigt nicht.
  • Thomas  Muster 03.09.2015
    Wenn man vom Weltall aus unseren blauen Planeten betrachtet kann
    man fast nicht glauben was sich hier für Tragödien abgespielt haben.
    In den letzten sagen wir mal 2500 Jahren wurden sicher über
    100 Mio.Menschen getötet.Und es geht in diesem Stil weiter.Irgend-
    wann ist Schluss spätestens wenn die A-Bomben gezündet werden.
  • John  Livers aus St.Gallen
    03.09.2015
    Dieses Bild macht unendlich traurig. Und doch halte ich es für Manipulationszwecke missbraucht. Jahrelang wurden uns Bilder von Schiffen mit jungen Männern im Mittelmeer gezeigt.
    Viele dachten dabei, Nein es genügt wir können nicht alle aufnehmen!
    Ich habe den Verdacht dass mit solch traurigen Bildern das Verständnis für die Migration aus diesen Ländern positiv beeinflusst werden soll.
  • Alexander  Popovic 03.09.2015
    Die europäischen Länder müssen mehr Mittel in die Überwachung des Mittelmeeres stecken, Wirtschaftskrise hin oder her. Dafür sollte noch Geld vorhanden sein.
    Dennoch ist dies kein Argument für die Lockerung der Aufnahmebedingungen. Die Leute kommen ja gerade deswegen, weil sie Hoffnungen haben. Auch muss endlich ein Verteilungsschlüssel her. Dieser wäre fairer für die Staaten und sorgt zudem dafür, dass der Anreiz auszuwandern kleiner wird.