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Wolfgang Priklopil verprügelte Natascha Kampusch in ihrer Gefangenschaft oft. Richtig ausrasten konnte er aber, wenn sie seinen Befehlen nicht gehorchte. So weigerte sich Natascha Kampusch konsequent, ihn «Maestro» oder «Gebieter» zu nennen.
«Er schrie und tobte. Mehr als einmal hat er mich deswegen geschlagen», schreibt Kampusch. Ähnlich reagierte er, als sie sich weigerte, vor ihm zu knien. «Er sprang wütend auf und drückte mich auf den Boden. Er packte mich, drehte mich auf die Seite und verbog mir die Beine, als wäre ich eine Gummipuppe.»
Kampusch machte aber bei seinen seltsamen Ritualen nicht mit. «Ich habe nie vor ihm gekniet.» Sie habe die Oberhand behalten. Priklopil hatte bizarre Machtfantasien: «Ich bin ein ägyptischer Gott», sagte er eines Tages im Verlies zu ihr. «Ich bin dein König», sagte er, «und du bist meine Sklavin. Du gehorchst.»
Vorbilder: Hitler und Haider
Priklopil bewunderte Hitler, hielt den Holocaust für richtig. «Der hatte recht mit der Judenvergasung», habe ihr Peiniger gesagt. Er legte auch besonderen Wert auf das Buch «Mein Kampf». Als politisches Idol der Gegenwart habe er Jörg Haider angesehen. «Er fühlte sich als Herrenmensch.»
So begann er auch, sie stärker zu kontrollieren. Angefangen mit einer Zeitschaltuhr für das Licht, schliesslich mit einem umgebauten Radio. «Es hatte ein Mikrofon, das so stark war, dass es jedes Geräusch aus meinem Zimmer nach oben übertrug.» So konnte der Entführer nun ohne Vorwarnung einfach in ihr «Leben» hineinhören und überprüfen, ob sie seinen Anweisungen Folge leistete.
Kampusch schreibt: «Am schlimmsten waren die Nächte, in denen er nicht schlafen konnte, weil eine chronische Nasen-Nebenhöhlen-Entzündung ihn quälte. Wenn er nicht schlief, dann sollte ich auch nicht schlafen, dröhnte über Stunden seine Stimme durch den Lautsprecher.»
Er hielt sich für Gott
Über ihre Familie durfte sie kein Wort verlieren. «Du hast keine Familie mehr. Ich bin dein Vater, deine Mutter, deine Oma und deine Schwestern. Ich bin jetzt alles für dich.» Das bläute er ihr immer wieder ein. «Ich habe dich erschaffen.»
Wenn sie widerspenstig war, bestrafte Priklopil sie oft mit Essenentzug. Ein «effektives» Mittel, beschreibt Kampusch die Folter. «Mein Körper zeigte deutliche Spuren. Ich war nur noch Haut und Knochen, auf den Waden zeichneten sich schwarz-blaue Flecken auf meiner weissen Haut ab. Sie sahen beunruhigend aus – wie Leichenflecken.»
Nicht nur Schläge, auch Waffen setzte Priklopil gegen Kampusch ein. Als sie einmal zu langsam auf einen Befehl reagierte, habe er ein Stanleymesser nach ihr geworfen. «Die scharfe Klinge, mit der man Teppichböden wie ein Stück Butter zerschneiden kann, bohrte sich in mein Knie und blieb stecken.»
Das Blut floss ihr Schienbein runter, sie wurde fast ohnmächtig vor Schmerz. Er aber brüllte nur: «Lass das, du machst Flecken!» (num)