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Gut zwei Wochen nach dem Erdbeben in Haiti werden obdachlose Frauen zunehmend Opfer von Gewalt. Verbrecher, die nach dem Erdbeben geflohen waren, belästigen und vergewaltigen Frauen und junge Mädchen, die in Zelten Zuflucht gesucht haben, sagte der haitianische Polizeichef Mario Andrésol gestern. Offizielle Zahlen gibt es nicht, Frauenorganisationen in Port-au-Prince alarmierten allerdings die UNO.
Die Polizei, einzige Ordnungsmacht des Karibikstaates, zählte vor dem Erdbeben rund 8000 Beamte. Mindestens 70 Polizisten seien ums Leben gekommen, rund 400 verletzt worden, sagte Andrésol. 500 würden noch vermisst. Von gut 6000 Polizisten aus dem Hauptstadtgebiet hätten sich zwei Wochen nach dem Beben nur 3400 zurückgemeldet.
Andrésol macht die rund 7000 entflohenen Häftlinge für die zunehmende Gewalt in Haitis katastrophengebiet verantwortlich: «Wir haben fünf Jahre gebraucht, um sie zu fassen. Heute laufen sie frei herum und bereiten uns Probleme.»
Dominikanische Republik organisiert Treffen
Für den Wiederaufbau seines zerstörten Nachbarlandes will die Dominikanische Republik Mitte April eine zweite Konferenz veranstalten. Dieses Treffen werde auf Bitten des haitianischen Präsidenten René Préval organisiert, kündigte der dominikanische Aussenminister Carlos Morales Troncoso gestern an.
Bereits in der vergangenen Woche hatten sich Préval und sein dominikanischer Amtskollege Leonel Fernández mit Vertretern weiterer Länder der Region getroffen, um über die Lage in Haiti zu beraten. Fernández hatte dabei die Höhe der für Haiti benötigten Gelder für den Wiederaufbau auf zehn Milliarden Dollar beziffert.
Am Montag hatten die Geberländer ein Treffen im kanadischen Montréal zur Koordinierung der Hilfen für den Karibikstaat abgehalten. Im März soll zudem eine Hilfskonferenz für Haiti bei der UNO in New York stattfinden.
Erste Schulen öffnen wieder
Am Montag sollen knapp drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti erste Schulen wieder den Unterricht aufnehmen. Derzeit würden öffentliche und private Schulgebäude einer Prüfung unterzogen, teilte das Bildungsministerium mit.
Bei dem Beben am 12. Januar sind mindestens 170000 Menschen ums Leben gekommen, weite Teile des Landes zerstört. Hilfsorganisationen schätzen, dass 1,8 Millionen Kinder und 5000 bis 8000 Schulen betroffen sind.
Bereits vor der Katastrophe litt Haiti unter einem mangelnden Bildungssystem. Nur etwas mehr als die Hälfte der neun Millionen Einwohner Haitis kann lesen und schreiben. (SDA/gca)