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Erster Prozesstag in München: Schwer bewacht verlassen die drei Prügelschüler um 17 Uhr das Gerichtsgebäude. Polizisten bringen sie vom Verhandlungssaal B 177 zurück in ihre Zellen. Vor dem Saal stehen zwei Meter hohe Sichtschutzwände. Niemand soll die Gesichter der brutalen Schläger aus der Zürcher Goldküstengemeinde Küsnacht sehen.
Der gesamte Prozess findet hinter verschlossenen Türen statt. Die Öffentlichkeit darf nicht wissen, was während der Verhandlung gesprochen wird.
«Zwei der Opfer könnten tot sein»,
Fest steht: Die heute 17-jährigen Schüler müssen sich wegen zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten.
«Die haben Fussball gespielt mit einem menschlichen Kopf», fasst Gerichtssprecherin Margarete Nötzel den unfassbaren Gewaltexzess zusammen. «Zwei der Opfer könnten jetzt tot sein», fügt sie hinzu.
Zum Prozessauftakt erscheinen die drei Schüler gestern Morgen um 9.30 Uhr mit ihren Verteidigern und ihren Eltern im Münchner Landgericht. «Sie wirken sehr jugendlich», beschreibt Margarete Nötzel ihren ersten Eindruck von den brutalen Schlägern. Und: «Sie haben das Hosenflattern», sagt die Sprecherin.
Verlegung nach Zürich abgewiesen
Die Anwälte der Jugendlichen stellen gleich am Anfang einen Antrag auf «Nichtzuständigkeit des Gerichts». Wollen, dass die Verhandlung in Zürich stattfindet. Doch der Antrag wird sofort abgewiesen. Der Prozess wird also nicht in die Schweiz verlegt. Bis zu zehn Jahren Haft nach deutschem Jugendstrafrecht drohen den Schülern damit – in der Schweiz wären es maximal vier Jahre.
Dann wird die Anklage verlesen. Sie umfasst elf Seiten.
Benji D.* und Ivan Z.* ziehen es anschliessend vor zu schweigen – selbst Angaben zu ihrer Person verweigern beide den Richtern. Nur Mike B.* äussert sich.
Er gilt als Haupttäter. Und beteuert: «Ich bin eigentlich ein ganz Fröhlicher und gar kein Schläger-Typ.»
In der Mittagspause werden die drei Jugendlichen in eine Zelle gebracht. Sie bekommen Sandwiches und Früchte serviert. Mehr nicht. Denn: «Ihnen Besteck zu geben wäre zu gefährlich. Die Angeklagten kriegen deswegen nichts, was sie schneiden müssen», sagte ein Polizist.
Zu Mikes Aussage kommts nicht
Ab 13 Uhr will Mike B. weitere detaillierte Angaben zu den Vorfällen machen. Doch dazu kommt es nicht. Weil Wolf-Dietrich Kohler, Anwalt der Nebenklage, sich am Mittag über die ersten Prozessstunden äussert. Kohler sagt: «Mike B. erzählte, dass er im Gefängnis eine Arbeit übernommen habe. Er baue Vogelhäuschen zusammen.»
Das genügt, um einen Eklat zu provozieren! Denn um die Jugendlichen zu schützen, darf keiner der Prozessteilnehmer irgendwelche Details aus der Verhandlung verraten. Doch Wolf-Dietrich Kohler, dessen Mandant Wolfgang O.* (46) die brutale Schüler-Attacke nur knapp überlebte, hält sich nicht daran und redet. Deswegen brechen die Richter die geplante Einvernahme von Mike B. am Nachmittag ab. So endet der erste Verhandlungstag viel früher als geplant.
Übrigens: Keinem der drei Prügelschüler ging gestern ein Wort der Entschuldigung über die Lippen.
*Namen bekannt