Vierfach-Mord von Annecy Eine Waffe, aber zwei Killer?

ANNECY - Heute Nachmittag will die Polizei über erste Obduktionergebnisse im Vierfach-Mord von Annecy informieren. Derweil weiten sich die Ermittlungen auch auf die Schweiz aus.

  • Publiziert: 08.09.2012, Aktualisiert: 11.09.2012
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Für heute Nachmittag 15 Uhr hat Staatsanwalt Eric Maillaud angekündigt, in einer Pressekonferenz die erste Obduktions-Ergebnisse bekanntzugeben. Die Ermittler erhoffen sich Erkenntnisse über die Bluttat, die sich innerhalb weniger Sekunden auf einem Waldweg bei Chevaline (F) abgespielt hat.

Die Medienkonferenz verzögerte sich und begann um 16 Uhr mit einer Stunde Verspätung. Der Grund dafür wurde nicht mitgeteilt. Dann hiess es zunächst, dass die eine überlebende Tochter, die 7-Jährige, aus dem Koma erwacht sei. Dies dementierten die Behörden dann. Das bedeutet, dass das Mädchen bisher der Polizei keinerlei Informationen liefern konnte.

Staatsanwalt Eric Maillaud schwor, die Ermittlungen mit äusserster Sorgfalt zu führen. Doch das Wichtigste nahm er gleich vorweg: Eine heisse Spur konnte er auch heute, drei Tage nach dem Verbrechen, noch nicht präsentieren.

Zum Teil ist die Informationslage sogar schlechter als am Anfang. Die dritte Person, die erschossen im Auto aufgefunden wurde, wurde zunächst für die Grossmutter der Mädchen gehalten. Sie ist eine ältere Frau mit einem schwedischen Pass. Heute Nachmittag hiess es, ihre Identität, und damit die Beziehung zur Familie, sei noch nicht geklärt.

Zeugen hatten kurz nach den tödlichen Schüssen einen grünen Geländewagen und ein Motorrad in der Gegend gesehen. Die Polizei in Italien und der Schweiz unterstützt die Suche nach dem Täter oder den Tätern, da sie über die Landesgrenze geflohen sein könnten.

Wieviele Täter?

Laut Medienberichten ging die Polizei bisher davon aus, dass mindestens zwei Täter für den Vierfach-Mord verantwortlich sind. Verschiedene Augenzeugen hatten ein Offroad-Fahrzeug und ein Motorrad gesehen, die sich rasant vom Tatort entfernten.

Allerdings: Erste Erkenntnisse der ballistischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die Todesschüsse aus ein und derselben Waffe stammen, schreibt das Newsportal «LeParisien.fr». Es soll sich laut anderen Medienberichten um eine halbautomatische Waffe mit Kaliber 7,65 handeln. Die Polizei soll insgesamt 25 Patronenhülsen am Tatort gefunden haben.

Hierzu sagte der Staatsanwalt heute: Der Autopsiebericht hat ergeben, dass am vergangenen Mittwoch den zwei Männern und zwei Frauen «mitten in den Kopf» geschossen wurde, jeweils zwei Mal. Am Tatort seien etwa 25 Patronenhülsen gefunden worden. Zu der oder den verwendeten Waffen wollte er keine Angaben machen.

Die Leichen von Saad al-Hilli (†50), seiner Ehefrau Ikbal und einer weiteren älteren weiblichen Person waren am Mittwoch in einem weinroten 5er-BMW mit laufendem Motor gefunden worden. Sie waren alle von mindestens drei Schüssen davon einem in die Stirne getroffen worden. Neben dem Auto lag die Leiche des Velofahrers Mollier (†45). Der Familienvater aus der Region war wohl zufällig vor Ort und war von mindestens 5 Schüssen getroffen worden. Zainab (8) und Zeena (4), die Töchter der irakischstämmigen Famile al-Hilli überlebten das Massaker.

Erste Spuren führen auch in die Schweiz

Erste Spuren auf der Suche nach dem Motiv für das Massaker führen auch in die Schweiz: Die Ermittler hätten um Mithilfe der Nachbarländer gebeten, sagte Maillaud am Samstag dem Fernsehsender I-Télé. Die Schweiz sei nur eine Autostunde vom Tatort entfernt, Italien eineinhalb Stunden, begründete er den Entscheid. Ausserdem soll sich Saad in einem Erbschaftsstreit mit seinem Bruder Zahid befinden, in dem es auch um Immobilienbesitz in der Schweiz geht (Blick.ch berichtete).

Wie die Staatsanwaltschaft bekannt gab, reisten am heutigen Samstag deshalb vier französische Polizisten zu Ermittlungen nach London. Der Bruder des getöteten Mannes habe gegenüber der britischen Polizei jedoch ausgesagt, in seiner Familie habe es keinen Streit gegeben. Zaid meldete sich bei den Behörden, um sich von jeglichem Verdacht zu befreien.

Die Ermittler hoffen, später von den Aussagen der älteren Tochter der ­Familie auf die Täterschaft schliessen zu können. Zahina liegt nach einer zweiten OP im künstlichen Koma. Die Achtjährige konnte noch nicht verhört werden. Sie erlitt einen schweren Schädelbruch.

Schwesterchen Zeena ist schwer traumatisiert. Die Vierjährige lag über acht Stunden unter ihrer toten Mutter im Familienauto. Gestern wurde sie kurz von zwei Polizisten befragt. Ihr erster Satz war: «Wo ist Mami?» (SDA/bih)

 

Beliebteste Kommentare

  • Beatrice  Zuber , Wil
    Mein herzliches beileid an die angehörigen. Ich hoffe das mädchen wird gesund und beide kinder alles liebe. Hoffendlich finden sie den oder die mörder sonst sind die kinder in ständiger gefahr.

Alle Kommentare (3)

  • Chuck   Norris
    2 Täter?

    Es hiess einmal, in 30 Sekunden wurden 15 Schüsse abgegeben. Wird wohl schwierig mit 2 Tätern...
  • Beatrice  Zuber , Wil
    Mein herzliches beileid an die angehörigen. Ich hoffe das mädchen wird gesund und beide kinder alles liebe. Hoffendlich finden sie den oder die mörder sonst sind die kinder in ständiger gefahr.
  • Eulalia  Viebke
    In einer anderen Online-Zeitung habe ich etwas von Profikiller und professionellem Vorgehen gelesen. Hier lese ich, dass Munition vom Kaliber 7,65mm verwendet worden ist. Wie profimässig kann den so einer sein, der so eine Metzgerei veranstaltet? Ein solch schlechtes Kaliber verwendet. Das war ein stümperhaftes Vorgehen.

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