MOSKAU - Heute hat das Berufungsgericht in Moskau über die drei Frauen von Pussy Riot entschieden. Jekaterina Samuzewitsch ist wieder eine freie Frau - die beiden anderen müssen ins Straflager.
Die drei inhaftierten Frauen der russischen Aktivistinnen Pussy Riot standen heute vor dem Berufungsgericht in Moskau. Dieses entschied: Jekaterina Samuzewitsch kommt auf Bewährung raus, Marina Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa werden ihre zweijährige Haftstrafe in einem russischen Straflager verbringen müssen.
Die Anwältin von Samuzewitsch sagte vor Gericht, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr «Punkgebet» aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits ausserhalb der Kirche befunden.
Die drei Frauen baten heute vor dem Berufungsgericht um eine Aufhebung ihres Schuldspruchs. «Wir wollten niemanden beleidigen», erklärte Maria Alechina. Sie hätten gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und auch gegen die Orthodoxe Kirche protestiert, die seine Herrschaft unterstütze.
«Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und spirituellen Eliten vereinen», sagte Alechina.
Zu Beginn hatte die Verteidigung der inhaftierten Frauen zudem ein unabhängiges Gutachten über das Protestgebet der Gruppe gegen Kremlchef Wladimir Putin gefordert. Der Auftritt der Band im Februar in einer Moskauer Kirche müsse von einem unabhängigen Sprachforscher untersucht werden, sagte Anwältin Violetta Wolkowa.
Ein unabhängiges Gutachten werde zeigen, dass es in dem Punkgebet nicht um religiösen Hass gehe, sagte Wolkowa. Zudem habe das Gericht in erster Instanz ignoriert, dass es sich um einen politischen und nicht um einen religiösen Protest gehandelt habe, sagte sie.
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Anhänger und Gegner der Frauen. Auf einem grossen Transparent forderten Putin-Gegner den Rücktritt des Präsidenten. Mindestens zwei Menschen seien festgenommen worden, hiess es.
Die drei Musikerinnen Marina Alechina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa waren im August zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden, nachdem sie in einer Kirche ihr «Punk-Gebet» aufgeführt hatten. (SDA/num)
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