Streit am Klima-Gipfel Ein Ultimatum als letzte Chance

  • Aktualisiert am 19.01.2012
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KOPENHAGEN – Auf dem Klimagipfel gibt es wenig Einigung und viel Streit – und das alles auf Kosten unserer Umwelt. Jetzt stellt das Gastgeberland Dänemark ein Ultimatum.

Unser Klima erwärmt sich und Experten warnen inbrünstig vor den Gefahren, doch die 120 Staats-und Regierungschefs der Länder haben am Klimagipfel nichts Besseres zu tun, als sich zu fetzen.

Der Klimagipfel in Kopenhagen droht zu Scheitern. Das Gastgeberland Dänemark hat das angepeilte Ziel bereits aufgegeben. Grund: China und Brasilien verweigern die weiteren Verhandlungen über einen Vertragstext.

Fauler Kompromiss erwartet

Als wahrscheinlich gilt nun, dass die Regierungschefs nur noch über eine Schlusserklärung verhandeln, die keinerlei verbindliche Ziele für eine Reduzierung des Treibhausgasausstosses enthält. Auch Chinas Delegationschef hatte in der Nacht erklärt, sein Land glaube nicht mehr an ein umfassendes Abkommen in Kopenhagen.

Doch Klimaexperten, wie der Schweizer ETH-Dozent und Spezialist für ökonomische Systeme, Andreas Fischlin und Politiker, wie Angela Merkel warnen entschieden vor dem Scheitern des Gipfels.

«Wenn Kopenhagen keine Resultate bringt, wird die durchschnittliche Temperatur auf dem Planeten bis 2050 um 2,5 Grad steigen», prognostizierte Professor Fischlin. In der Schweiz könnte die mittlere Temperatur bis zu vier Grad gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung steigen, und wenn nichts dagegen unternommen werde bis Ende des Jahrhunderts gar um sieben Grad. Solche Szenarien würden für die Schweiz eine Katastrophe bedeuten, so Fischlin.

Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen

Der Meinung ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel: «Die Nachrichten, die uns erreichen, sind nicht gut. Es im Moment kein vernünftiger Verhandlungsprozess in Sicht», sagt die deutsche Kanzlerin in einer Regierungserklärung in Berlin vor ihrer Abreise nach Kopenhagen. Unabdingbar für ein neues Weltklimaabkommen sei die Verpflichtung der Staatengemeinschaft, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. «Gelingt dies nicht, muss ich sagen: Dann ist die Weltklimakonferenz gescheitert.» Momentan ist es um dieses ehrgeizige Ziel nicht gut bestellt.

Es gibt noch einen Hoffnungsschimmer

Ist der Klimagipfel also schon zum Scheitern verurteilt? Nein, es gibt einen Hoffnungsschimmer: Dänemark plant anscheinend einen neuen und wahrscheinlich letzten Anlauf zur Rettung des angestrebten Klimaabkommens. Nach Angaben des TV-Senders DR soll den wichtigen Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Südafrika ein «Ultimatum» gestellt werden.

Heute beginnt die Schlussphase des Klimagipfels – doch es steht noch nicht mal eine Verhandlungsgrundlage. Den Staats- und Regierungschefs bleibt also nicht mehr viel Zeit das Kriegsbeil zu begraben und unsere Welt zu retten. (s5j/SDA)

Die «weltgrösste» Schweizer Fahne der Allianz für eine verantwortliche Klimapolitik ist heute vor dem Konferenzgebäude des Klima-Gipfels in Kopenhagen ausgebreitet worden.

Die mit über 10000 Botschaften versehene Flagge ist der Allianz von 52 Schweizer Nichtregierungsorganisationen zufolge ein Zeichen der Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit den Ländern, die am meisten unter dem Klimawandel zu leiden haben.

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