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Das Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg, Nordrhein-Westfalen: 230 000 Quadratmeter, auf denen sich gestern Nachmittag schon eine halbe Million Besucher der diesjährigen Loveparade drängen.
Oben tanzen die Menschen auf je einem halben Quadratmeter. In der Tunnelröhre, die unter dem Gelände zur Megaparty führt, drängen noch immer Zehntausende aus beiden Richtungen zum einzigen Eingang des Festplatzes am Ende des Tunnels. Als dieser wegen totaler Überfüllung geschlossen wird, kommt es zur Massenpanik. Die ersten Raver fallen ohnmächtig um, die Menge drückt nach, trampelt über die am Boden Liegenden hinweg.
«Überall lagen Menschen auf dem Boden herum», sagte ein weinender Augenzeuge später im Nachrichtensender N-TV. «So stelle ich mir Krieg vor.» «Wir hatten die Polizei schon eine Dreiviertelstunde vorher gewarnt», sagte der 21-jährige Fabio der Nachrichtenagentur DPA. «Aber die haben nichts gemacht.»
Als sich die Rettungskräfte schliesslich durch die Massen gekämpft hatten, lagen 16 tote Raver am Boden. Mindestens 45 weitere wurden mit zum Teil lebensgefährlichen Verletzungen geborgen. Die Rettungshelikopter landeten auf der parallel zum Festgelände verlaufenden Autobahn A 59. Bis zum späten Abend heulten die Sirenen der Krankenwagen. Heute, Sonntag, die traurige Bilanz: 19 Menschen sind gestern an der Parade insgesamt gestroben.
Auf Anordnung der Polizei ging das Fest weiter. «Wir müssen verhindern, dass es zu einer weiteren Panik kommt», erklärte Duisburgs Polizeisprecher Ramon van der Maat.
Der Veranstalter Lopavent GmbH hatte nur 400 000 Besucher angemeldet, obwohl die Raverszene selbst mit fast einer Million rechnete. «Aber die kommen ja über den ganzen Tag verteilt», hatte der Duisburger Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe abgewiegelt. Gekommen sind mindestens eine Million – fast alle gleichzeitig.
Den ganzen Abend liefen verstörte und weinende junge Menschen durch die Duisburger Innenstadt. Wer den Horror im Tunnel überlebt hatte, sass still am Strassenrand und trauerte um die toten Raver. «Die wollten doch alle nur Spass», sagte der 17-Jährige Ahmet, der sich im letzten Moment aus dem Tunnel gerettet hatte. «Dann haben alle geweint, ich habe geweint. Ich habe noch nie gesehen, wie ein Mensch gestorben ist.»