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Es ist Mittwochabend kurz vor 22 Uhr in der indischen Wirtschaftsmetropole. Die Genferin Arlette Degenève steht in der Lobby des Luxushotels Taj Mahal Palace. Sie will auschecken. Zusammen mit Freunden war sie in Indien auf einer Rundreise, jetzt freut sie sich auf die Heimkehr. Doch dann stürmen plötzlich bewaffnete Männer das Hotel, schiessen wild um sich.
«Es war ein Taxichauffeur, der meine Frau rechtzeitig warnen konnte», erzählt Ehemann René Degenève der Zeitung «Tribune de Geneve». Das sollte er aber erst Stunden später erfahren. Als in Mumbai die Attacken losbrechen, ist er im sicheren Genf bei der Arbeit.
Der Taxichauffeur ist der Erste, der die bewaffneten Männer entdeckt. Sofort sagt er zu Arlette Degenève: «Verstecken Sie sich, schnell!» Geistesgegenwärtig kriecht die Frau unter die Hoteltreppe. Sie findet eine kleine Kammer, in der sonst Gepäckstücke aufbewahrt werden. Mit der Genferin fliehen zwei Hotelangestellte ins Versteck. Sie bauen mit Koffern einen Sichtschutz.
Um sie herum tobt ein Krieg. Schüsse, Schreie, Explosionen. Ihnen ist klar, ganz in ihrer Nähe sterben Menschen. Mindestens 30 Touristen, Hotelangestellte und Restaurantgäste werden im Taj Mahal getötet. Das haben die indischen Behörden gestern bestätigt.
Während Arlette Degenève in ihrer Kammer nur ans Überleben denkt, erreichen die ersten Terrormeldungen ihren Ehemann in Genf. Sofort versucht René Degenève seine Frau zu erreichen, vergeblich. Die Leitungen sind stumm. Der Ehemann sitzt hilflos und besorgt vor dem Fernseher, seiner einzigen Informationsquelle. Es verstreichen fünf lange Stunden. Die Angst entdeckt zu werden, habe sie fast um den Verstand gebracht, wird der Ehemann später die Gefühle seiner Frau beschreiben.
Dann die Erleichterung: Auf CNN, dem amerikanischen Nachrichtensender, erlebt René Degenève live die Befreiung seiner Frau. Er sieht, wie sie in einen Krankenwagen gebracht wird: «Ich war so glücklich, als ich sie sah.»
Nach ihrer Befreiung hat die Welsche nur noch einen Wunsch. Sie will so schnell wie möglich zurück in die Schweiz. Am Freitag landete sie dann in Genf. SonntagsBlick konnte am Samstag kurz mit einem Familienmitglied am Telefon sprechen. «Sie ist erschöpft und schläft.» Arlette Degenève hat überlebt. Aber ihr Mann ist sicher: «Es wird einige Zeit dauern, bis sie dieses traumatische Erlebnis verarbeitet hat.»