Droht eine Schweinegrippe-Pandemie?

  • Publiziert: 27.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

WASHINGTON – Mexiko zählt über 100 Grippe-Tote, davon sind mindestens 20 nachweislich an der Schweinegrippe gestorben. Die USA rufen den Notstand aus – die Schweiz beruft eine Krisensitzung ein.

Die Gesundheitsbehörden in aller Welt sind in Alarmbereitschaft. Die Schweinegrippe droht zur Pandemie zu werden. Bis jetzt ist allerdings in der Schweiz noch kein konkreter Verdachtsfall bekannt, wie Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung im BAG, auf Anfrage sagte.

«Es ist klar, dass Leute, die in Mexiko oder den USA waren, besorgt sind und sich schneller beim Arzt melden als sonst», sagte Mathys gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die betreffenden Meldungen würden abgeklärt, doch bis am heute Morgen habe sich noch kein Verdacht bestätigt.

Mexiko: Über 100 Tote

Die Zahl der Grippetoten in Mexiko steigt indes weiter an. Gesundheitsminister José Ángel Córdova sprach am Sonntagabend im nationalen Fernsehen von 103. Wie viele davon durch den mutierten Schweinevirus H1N1 infiziert waren, sagte er nicht.

Bisher war der Virus bei 20 der Todesfälle nachgewiesen worden. Der Minister berichtete zudem, dass im ganzen Land 1614 Grippekranke in Spitälern behandelt werden. Über 60 Prozent der Patienten seien auf dem Weg der Besserung.

Aufruf zur Ruhe

Angesichts der Schweinegrippe-Epidemie in seinem Land rief der mexikanische Staatschef Felipe Calderón die Bürger auf, die Ruhe zu bewahren. Sie sollten zwar «rasch reagieren, aber ruhig bleiben und mit den Behörden zusammenarbeiten».

Der Präsident bekräftigte, sein Land habe genügend Medikamente auf Lager. Die Weltbank gewährte Mexiko für den Kampf gegen die gefährliche Grippe einen Sofortkredit in Höhe von 25 Millionen Dollar.

In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Grossveranstaltungen sind verboten. Fussballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Und auch die katholische Kirche hat die Pforten ihrer Kirchen für Sonntagsmessen schliessen müssen.

Notstand in den USA

Die USA riefen am Sonntag den Gesundheitsnotstand aus. Ähnlich wie etwa bei heranziehenden Hurrikans bedeutet die Notstandserklärung, dass zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemassnahmen bereitgestellt werden. In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmasses. Sie zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass die Welt dieses Mal besser auf die drohende Epidemie vorbereitet sei als etwa bei der Vogelgrippe in Asien.

Und in der Schweiz?

Für die Schweizer Bevölkerung bestehe noch keine Gefahr, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit. Jedoch wird heute Morgen eine Krisensitzung einberufen.

Die Grippe-Überwachung werde verstärkt, so das BAG. Das Amt ruft Reisende auf, die vor sieben oder weniger Tagen aus den betroffenen Gebieten zurückgekehrt sind, bei Anzeichen von Grippe sich unverzüglich beim Haus- oder Notfallarzt zu melden.

Und das sind die Symptome: schnell steigendes Fieber, akute Atemwegserkrankungen wie Husten und Niesen, Schüttelfrost, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen. (SDA/num)

Schweizer Hotline

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat eine Hotline eingerichtet. Vor allem Personen, die in den nächsten Tagen in betroffene Gebiete in Nordamerika reisen können sich zu Bürozeiten unter der Nummer 031 322 21 00 melden. (ent)

Das H1N1-Virus

Das neuartige Schweinegrippen-Virus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Am Wochenende breitete es sich weiter aus, unter anderem in den USA, Kanada und Kolumbien.

Neu und tödlich

Wieder befürchtet die Welt eine Pandemie. Und wie bei der Vogelgrippe ist der Grund wohl die Mutation einer Tierseuche: der Schweinegrippe. Ihre Symptome sind von einer normalen Grippe nicht zu unterscheiden: Husten, Fieber, Schüttelfrost. Doch die neue Grippe vergeht nicht, sondern tötet. Entstanden ist die neue Grippe aus dem Stamm H1N1, einer Unterart der Influenza A. Doch diese befällt normalerweise nur Schweine. In Ställen im Süden der USA schaffte sie aber offenbar den Sprung zum Menschen – und wandert jetzt um die Welt. Zuerst fiel den Ärzten in Mexiko gar nicht auf, was sie da vor sich hatten. Denn derzeit tobt sich auch noch eine der letzten Wintergrippen aus. Doch dann bemerkten sie, dass an der neuen, tödlichen Grippe vor allem junge und starke Erwachsene erkrankten – statt wie üblich Kinder und Senioren. Warum? Die Gesundheitsbehörden haben dafür nur eine Erklärung: Fitte Menschen im besten Alter liessen sich in den letzten Jahren eher nicht impfen – und sind dem neuen Grippevirus jetzt eher ausgeliefert.

Roche legt zu

Wegen der Schweinegrippe ist der Titel von Roche an der Börse gesucht. Heute eröffnete der Genussschein des Basler Pharmakonzerns 4,6 Prozent fester. Für Käufe sorgte die Angst vor einer Pandemie nach dem Ausbruch eines neuen Schweinegrippe-Virus in Mexiko und den USA. Roche kündigte an, der Weltgesundheitsorganisation WHO bis zu drei Millionen Dosen seines Grippemedikaments Tamiflu zu liefern. (SDA)

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