Drohgebärden und grosse Worte

  • Aktualisiert am 02.01.2012

WASHINGTON – Pünktlich zum 9/11-Jahrestag droht Al Kaida mit neuen Anschlägen. Und George W. Bush nutzt den Tag der Trauer für seine Botschaft.

Es mag nur Zufall sein, oder eine besondere Geschmacklosigkeit des Terrornetzwerks. Jedenfalls drohte Al Kaidas Nummer zwei, Aiman al-Sawahiri, zum Jahrestag der Anschläge von New York und Washington mit neuen Angriffen, «die Zeit ist reif für neue Ereignisse, mit Allahs Erlaubnis und Führung.»

Osama bin Ladens Stellvertreter erklärte weiter: «Ihr habt uns jedes Recht und jede Gelegenheit gegeben, euch weiter zu bekämpfen.» Konkret drohte er: «Ihr solltet euch über eure Präsenz am (Persischen) Golf Sorgen machen, und zweitens über Israel.»

Und al-Sawahiri ruft die Muslime zu verstärktem Widerstand gegen die USA auf. «Eure Führer verbergen vor Euch das wahre Ausmass der Katastrophe», sagte er zur Begründung auf dem heute vom US-Sender CNN ausgestrahlten Band.

Auf den einschlägigen Websites, auf denen mehrere Al-Kaida-Führer in der Regel ihre Botschaften verbreiten, war das Video zunächst nicht zu sehen. Dass die 16 Minuten lange Botschaft aktuell ist, zeigen Bemerkungen zu der israelischen Offensive im Libanon.

Der fünfte Jahrestag der Terrorangriff auf die USA ist auch der Tag von George W. Bush. Seite gestern ist der US-Präsident unterwegs und versucht mit viel Präsenz und Reden seine schlechten Umfragewerte zu verbessern.

Der Gedenktag sei für ihn «ein Tag erneuerter Entschlossenheit», sagte Bush am Ground Zero. «Ich habe gelobt, dass ich niemals die Lehren dieses Tags vergessen werde. Es gibt da draussen immer noch einen Feind, der erneut solche Verlust zufügen will.»

Nachdem er zusammen mit Gattin Laura im Ground Zero Kränze niedergelegt hat, gibts gemeinsames Frühstück mit New Yorker Feuerwehrmännern. Dann wird Bush heute in Washington den Opfern im Pentagon gedenken und am Nachmittag an einer Veranstaltung für die Helden aus Flug United 93 teilnehmen.

Am Abend zur besten Sendezeit wird sich George W. Bush in einer Rede an die Nation wenden.

Ob er sich in die Herzen der US-Bürger reden kann, darf bezweifelt werden. Vor fünf Jahren, nach 9/11, schnellte die Zustimmung für seine Arbeit in Rekordhöhen.

Mittlerweile ist der US-Präsident extrem unbeliebt. Seine Administration wurde wiederholt grober Lügen überführt. Erst am Freitag stellte der Geheimdienstausschuss der Regierung ein vernichtendes Zeugnis aus (Blick Online berichtete). Der Irak-Krieg findet bei immer weniger Amerikaner Unterstützung. Der Abhörskandal in den USA tat sein weiteres zu den sinkenden Umfragwerten.

N.Y.-Metro evakuiert

NEW YORK – Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist der New Yorker Metro-Bahnhof Pennsylvania Station wegen einer verdächtigen Tasche evakuiert worden. Der gesamte Zugverkehr war betroffen. Der Alarm wurde um 8.25 Uhr (14.25 Uhr unserer Zeit) ausgelöst worden, Entwarnung gab es um 8.39 Uhr – sieben Minuten vor der Schweigeminute für die Opfer der Anschläge. Um 8.46 raste vor fünf Jahren das erste von zwei entführten Passagierflugzeugen in das World Trade Center.

Schweigen in den USA

In den gesamten USA ist heute schweigend der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gedacht worden. Die Schweigeminute begann am 8.46 Uhr Ortszeit (14.46 MESZ), genau fünf Jahre, nachdem das erste Passagierflugzeug in den nördlichen Turm des World Trade Centers in New York einschlug.

Stimmen zu 9/11

PARIS – Nach Einschätzung von Uno-Generalsekretär Kofi Annan ist die Bedrohung durch den Terrorismus in den fünf Jahre seit den Anschlägen auf das World Trade Center gestiegen. «Man kann nicht sagen, dass man heute sicherer lebt», sagte Annan der Zeitung «Le Parisien».

KABUL – Zum fünften Jahrestag der Terroranschläge in den USA hat der afghanische Präsident Hamid Karsai die Opfer im Namen seines Landes gewürdigt. «Wir verstehen, welchen enormen Verlust Sie an jenem Tag erlitten, weil wir auch lange unter dem Terrorismus gelitten haben», erklärte Karsai.

HELSINKI – Mit einer Schweigeminute haben die Staats- und Regierungschefs der 38 Teilnehmerländer beim Asien-Europa-Treffen (ASEM) in Helsinki der Terroropfer vom 11. September 2001 gedacht.
George W. Bush und Gattin Laura gedenken der Opfer am Ground Zero.- AP

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