Dieser Po will in Italiens Parlament

  • Publiziert: 14.04.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

ROM – «Ich bin der Hintern der sozialistischen Partei», sagt Milly D'Abbraccio. Der Pornostar will auf freizügige Art und Weise in die italienische Politik kommen.

Milly DAbbraccio weiss, wie man Karriere macht. Bisher vor allem im horizontalen Bereich: In Italien ist sie mit ihren Pornostreifen ein grosser Star. Die haben so klingende Namen wie «Kuss der Kobra» oder «Kaiserliche Nymphomanin». Doch nun möchte sich Milly das Krönchen der Politik aufsetzen. Und ihre Kandidatur präsentiert sie mit unübersehbaren Argumenten.

So hat die 40-Jährige eine Plakat-Kampagne gestartet, mit ihrem Hintern als Zierde. Dazu der Spruch «Schluss mit diesen A****gesichtern». «Die Leute haben genug davon, diese ewigen Politiker-Gesichter anschauen zu müssen», begründete Milly ihr Plakat-Motiv gegenüber dem «Daily Telegraph».

Millys Allerwertester ist nun in ganz Rom zu sehen. Ihr Ziel: als Mitglied der sozialistischen Partei ins römische Parlament einziehen. Ihr Programm: Die Fachfrau für fleischliche Verlangen will in der ewigen Stadt ein Red-Light-District mit Strip-Clubs, erotischen Discos und Sexshops eröffnen. «Das sollte aber mit Prostitution nichts zu tun haben», betont sie.

Milly DAbbraccio ist bekanntlich nicht die erste Dame aus dem Sex-Milieu, die in die italienische Politik will. Bereits Ilona Staller – besser bekannt als «Cicciolina» – schaffte 1987 den Einzug ins italienische Parlament.

Und obwohl die Signoras keine Hemmungen kennen, sich auch für die Politik zu entblössen, sind ihre Anliegen durchaus ernst gemeint. «Cicciolina» kämpfte für Menschenrechte und gegen den Hunger, Milly will sich für Soziales einsetzen.

Und noch eins muss man Milly DAbbraccio lassen: Sie hat immerhin schon mal eine Politikerin gespielt. In ihrem Film «LOnorevole» mimt sie eine Mitarbeiterin des Unterhauses. «Ich spielte eine Sprecherin, die ganz heiss wurde und sich gehen liess», erinnert sich die Porno-Politikerin. Vielleicht gar keine schlechte Voraussetzung. Denn heisse Debatten sind ja in Italiens Parlament keine Seltenheit. (spj)

Tiefere Wahlbeteiligung zeichnet sich ab

ROM – In Italien hat sich heute vor Abschluss der zweitägigen Parlamentswahlen eine tiefere Beteiligung abgezeichnet. Experten führen dies auf Politik-Verdrossenheit zurück. Bis zur Schliessung der Wahllokale gestern Abend um 22 Uhr waren nach Angaben des Innenministeriums knapp 63 Prozent der Italiener zu den Urnen gegangen. Damit sei die Beteiligung um rund drei Prozentpunkte niedriger ausgefallen als am ersten Wahltag 2006. In Italien ist die Wahlbeteiligung traditionell hoch. Seit 1994 lag sie stets über 80 Prozent. Laut Politologen ist die niedrigere Wahlbeteiligung das Resultat der Politik-Verdrossenheit vieler Italiener, sowie der scharfen Kampagne gegen die politische «Kaste», die Starkomiker Beppe Grillo geführt hat. Seit Monaten greift Grillo die Privilegien der Politiker an, die jeden Kontakt zur Wählerschaft verloren haben und ihre Position zu ihren Gunsten schamlos ausnutzen.
play Cicciolina hatte es 1987 mit Freizügigkeit ins italienische Parlament geschafft. (Reuters)

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