Tod und Verwüstung in Asien Die Schockwoche

  • Publiziert: 04.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi und Anett Keller (Jakarta)

Alle zwei Tage eine neue Katastrophe, jede Stunde neue Opfer: In Südostasien dreht die Natur durch. Experten fürchten, dies sei erst der Anfang.

Ein riesiger Schutthaufen im Herzen der indonesischen Millionenstadt Padang: Das ist alles, was nach den beiden verheerenden Erdstössen am Mittwoch und Donnerstag vom Hotel Ambacang übrig ist. Angeblich liegen noch etwa 60 Australier unter den Trümmern des Hauses, das bei Ausländern beliebt war. «Da müssen wir noch mal mit den Suchhunden hin», drängt Bernhard Huwiler seine Mannschaft. «Wir geben die Hoffnung nicht auf, doch noch Überlebende zu finden.»

Seit Freitag dirigiert Huwiler das 120-köpfige Team der Rettungskette, ein Zusammenschluss mehrerer Hilfsorganisationen, durch die Trümmer auf Sumatra. Sechs Leichen bargen die Schweizer bisher – aber keinen Überlebenden.

1100 Tote haben die Katastrophenhelfer der Uno allein in Padang gezählt. 4000 Menschen sollen hier noch verschüttet sein. Niemand weiss, wie es ausserhalb der Stadt und auf den vorgelagerten Inseln aussieht. Von dem 400-Seelen-Dorf Pulau Aik etwa fehlt jede Spur: Die Erde hat die Häuser und ihre Bewohner komplett verschlungen. Die Wahrscheinlichkeit, Überlebende zu bergen, sinkt stündlich.

Im pazifischen Inselstaat Samoa ist die Bergung der Opfer inzwischen abgeschlossen. 139 Menschen kamen bei dem Tsunami am Montag ums Leben. Sechs Meter hohe Wellen löschten ganze Dörfer aus. Auch diese Katastrophe ist die Folge eines schweren Seebebens. So dicht lag das Epizentrum an dem Inselstaat und so schnell kam deshalb der Tsunami, dass den meisten keine Zeit blieb, sich in Sicherheit zu bringen. Am Dienstag wollen die Samoaner ihre Toten bei einem Massenbegräbnis verabschieden.

Am selben Tag werden dann wohl die Philippinen wieder beginnen, Leichen zu bergen. Samstag vor einer Woche hatte der Taifun Ketsana die schier unglaubliche Katastrophenserie eröffnet. Als der Sturm nach Vietnam und Kambodscha abgezogen war, standen weite Teile der Hauptstadt Manila und umliegender Provinzen unter Wasser. Mehr als 300 Filipinos hatten ihr Leben verloren. Das Wasser von Ketsana war am Samstag noch nicht abgeflossen, da tobte schon – mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern – Super-Taifun Parma über den Norden des Inselstaats hinweg. Opferzahlen waren bis Samstagabend nicht bekannt. Dafür meldete die Ostküste Taiwans ein Erdbeben der Stärke 6,2 auf der Richterskala.

Die unheimliche Serie der Naturkatastrophen in Asien scheint kein Ende zu nehmen.

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