Zeugen des Fussball-Dramas berichten «Die Polizei hat gar nichts unternommen»

PORT SAID - Ein Land unter Schock: Nach dem Drama im Fussballstadion von Port Said wollen die Spieler von Al-Ahli nie wieder spielen. Augenzeugen berichten von Schlachtszenen.

  • Publiziert: 02.02.2012

Über 70 Tote, über Tausend Verletzte, Szenen wie in einem Krieg: Nach dem Drama im Fussballstadion von Port Said steht ganz Ägypten unter Schock. Zeugen berichten von unvorstellbaren Gewalttaten. Allen voran die betroffen Fussballprofis. Die Spieler der Auswärtsmannschaft von Al-Ahli wollen sich jetzt sogar ganz aus dem Profisport zurückziehen.

«Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie mehr wieder Fussball spielen werden», sagte Torwart Scharif Ikrami dem privaten Fernsehsender ONTV.

Tote und Verwundete seien am Mittwochabend in die Umkleidekabine getragen worden. «Da sind Leute vor unseren Augen gestorben», sagte Ikrami, der selbst bei den Krawallen verletzt wurde. Wie könne es möglich sein, da wieder Fussball zu spielen. «Wir können überhaupt nicht daran denken.»

Es war ein geplanter Krieg

Ehe Ali, der Mannschaftsarzt des Spitzenreiters A-Ahli, sagte dem zum Club gehörenden Fernsehsender Ahly-TV, die Gewalt im Stadium sei «ein Krieg gewesen, der geplant worden ist».

Den Menschen, die im Stadion waren, bleibt das Verhalten der Sicherheitskräfte unverständlich. Offenbar blieben auch die Fluchtwege verschlossen: «Die Attacke führte zu einer Panik, Leute drückten sich gegenseitig gegen die Metalltore, stürzten und traten aufeinander», sagte der 23-jährige Fussballfan Ossama El-Zayat. Wir sahen die Sicherheitskräfte in die Luft schiessen. Dann haben alle Angst gekriegt. Die Leute schrien und starben.»

Auch Manuel José, der portugiesische Al-Ahli-Trainer, übt scharfe Kritik an der Polizei: «Es waren Dutzende Beamte im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen.»

Aber ob nur die Heimfans am Ursprung der Menschenjagd stand, bezweifeln in Ägypten viele: «Alle meine Freunde, die vom Match zurückkamen, versicherten mir, dass sie nicht nur von gegnerischen Fussballfans, sondern auch von einer unbekannten Gruppe von Leuten attackiert wurden», twitterte Journalist Mohamed Beshir laut der Zeitung «Egypt Independant». (bih/SDA)

Kommentare (10)

  • Marco  Goetz , Bern
    Gewisse Länder müssen mit eisernen Faust regiert werden. Siehe EX Jugoslawien , Tunesien , Ägypten.
    • 02.02.2012
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  • beat  gerber
    Beat Gerber, Bern

    Das sind keine Fussballfans, das sind Mörder. Wenn ich die vielen dämlichen Kommentare lese "das kann auch bei uns in der Schweiz jederzeit passieren", etc. dann kann ich mir nur ungläubig an den Kopf fassen. Diese Leute plappern einfach dem Mainstream nach und haben von der Sache null Ahnung.
    • 02.02.2012
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  • Marco  Goetz , Bern
    Wenn Sport zum Politikum wird.
    • 02.02.2012
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  • Raphael  Imoberdorf , Saas-Almagel
    Das war ein geplanter Krieg beim Fussballspiel. Ein Bekannter aus Ägypten rief mir mitten in der Nacht an. Er schilderte es so. Die Polizei unternahm vieles, nur nicht für den Schutz der Fans im Stadion. Sie verriegelten die Ausgänge, trieben die Fans immer wieder in grösseren Ecken und attackierten sie, vor allem mit Schüssen. Man sage immer. Ohne Waffen seien solche Bubis machtlos. In diesem Fall stimme das auch. Etwa 130 Polizisten seien im Spital, die von Fans in der Angst angegriffen wurden. Etwa 47 Polizisten seien aus Angst in grösseren Gruppen angegriffen worden und sie zu Tode geschlagen. Es hätte auch tote Polizisten darunter und man sei sehr Stolz dafür, was nicht nötig gewesen wäre. Man könne sich gar nicht vorstellen was es bedeutet, eingesperrt zu sein und die Polizei metzelt die Fans mit ihren Waffen nieder. Wer da dahinter steckt sei ab der Hand abzulesen. Die Regierung, die noch schlimmer sei als zu Mubarak` Zeiten. Eine extreme Provokation um die Leute noch mehr auf die Strassen zu treiben. Hoffentlich werde auch dieses Regime gestürzt und diesesmal hoffe er das die zu Tode gestürzt würden! Denn diese primitive gepklante Gewalt, die nun auch die Stadien erfasst habe, sei unter jeder Menschenwürde und gehöre massiv bestraft!
    • 02.02.2012
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  • Renate  Ryser
    Natürlich müssen in einem muslimischen Land die Frauen zu Hause bleiben, was für eine Frage! Deshalb sind wir emanzipierten Scweizer Frauen auch so "begeistert" von dieser hinterwäldlerischen Religion...
    • 02.02.2012
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