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Ort des Grauens: Im Keller dieses Hauses wurde Elisabeth F. 24 Jahre lang von ihrem Vater festgehalten und vergewaltigt. Hier gebar sie sieben Kinder. (Reuters)
Sie ist 18, als sie verschwindet. Sie ist 42, als die Polizei sie findet – 24 endlose Jahre lang wird Elisabeth F. im Keller gefangen gehalten. Täglich vergewaltigt. Sechs Mal geschwängert. Von Josef F. (heute 73). Dem eigenen Vater.
Ein neuer «Fall Kampusch». Nur noch viel schlimmer.
Tatort: Ybbsstrasse Nr. 40 im niederösterreichischen Amstetten. Ein helles Mehrfamilienhaus. Links eine BP-Tankstelle. Rechts der Supermarkt Hofer. Apotheke, Kinderarzt, Reisebüro, Pub. Alles direkt nebenan.
Horror mitten im Kleinstadt-Trubel. Und niemand merkt etwas. Ein freundlicher Herr sei er gewesen, immer höflich und bescheiden. So beschreiben Nachbarn Josef F.
Schon als Elfjährige wird Elisabeth vom Vater missbraucht. Die Vergewaltigungen im Kinderzimmer reichen Josef F. nicht mehr. Er plant Grauenvolleres. Über Jahre richtet der Elektrotechniker nur wenige Stockwerke tiefer einen wahren Folterkeller ein.
Am 29. August 1984 ist es so weit. Josef F. lockt seine Tochter ins Untergeschoss. Hinter den Kellerabteilen ist das schalldichte Verlies. Ohne Fenster. Nur ein Luftschacht. Er betäubt Elisabeth, fesselt sie mit Handschellen, verschliesst die Eisentür. Seiner Ehefrau Rosmarie und der Polizei sagt er, die Tochter sei abgehauen. Ein Brief von Elisabeth soll die Fahndung auf eine Sekte lenken.
Im Kellerverliess bringt Elisabeth F. sieben Kinder zur Welt
Während Interpol nach dem Teenager sucht, durchlebt die junge Frau Unvorstellbares. Es folgen tägliche Vergewaltigungen. Sie wird immer wieder schwanger. Insgesamt sechs Mal. Im Jahr 1996 bekommt Elisabeth F. Zwillinge. Eines stirbt. Der Inzest-Vater schafft den Säugling weg, verbrennt ihn.
Drei weitere Kinder kommen im Keller zur Welt. Josef F. deponiert die Babys jeweils in der Nacht vor die eigene Haustür.
Elisabeth habe sie heimlich abgegeben, sagt Josef F. der Polizei. Die «Findelkinder» wachsen bei den «Grosseltern» auf. Heute sind sie 13, 14, 15 Jahre alt. Und völlig ahnungslos. Immer wieder tauchen angebliche Briefe von Elisabeth auf. Darin schreibt sie: «Sucht mich nicht. Es wäre zwecklos.» Die anderen drei Kinder (5, 18 und 19) vegetieren mit der Mutter im schwarzen Kellerloch. Ohne je das Tageslicht zu sehen.
Kerstin, die Älteste, wird schwer krank. Am vergangenen 19. April legt Josef F. die sterbende 19-Jährige vors eigene Haus. Sie wird gefunden und ins Landesklinikum von Amstetten gebracht. Sauerstoffmangel durch Krampfanfälle, diagnostiziert der Arzt. Kerstin wird ins künstliche Koma versetzt. Sie ringt noch immer mit dem Tod.
Die Suche nach der Mutter beginnt. Eine Woche später greift die Polizei Josef, die verschollene Elisabeth F. und ihre zwei Kinder in Spitalnähe auf. Die Tochter sei mit den Kindern zu ihren Eltern zurückgekehrt, lügt Josef F. bei der Festnahme kaltschnäuzig.
Elektrotechniker Josef F. hat im Keller Fallen eingebaut
Psychologen kümmern sich um Elisabeth F. Unter Schluchzen erzählt sie von ihrem Märtyrium. Ihre Geschichte ähnelt jener von Natascha Kampusch.
Zu Beginn ist Elisabeth von der Umwelt völlig abgeschnitten. Im Laufe der Jahre erlaubt ihr Peiniger das Lesen von Zeitungen. Das Verlies allerdings darf sie nie verlassen.
Josef F. hingegen schweigt zunächst mit versteinerter Miene. Dann bricht sein Lügengebäude ein. Er gesteht. Und erklärt der Polizei, wo das Versteck ist. Die Spurensicherer dringen ins Haus an der Ybbsstrasse ein. Mit Bedacht, wie Kripochef Franz Polzer zugibt. Denn Josef F., der Elektrofachmann, könnte Fallen eingebaut haben.
Sie schieben ein Regal beiseite, finden die Tür. Sie lässt sich nur durch einen elektronischen Zahlen-Code öffnen, den Josef F. den Ermittlern verrät.
Das Verlies ist karg eingerichtet. Sauber. Spielzeug gibt es keines. Wie Elisabeth F. und ihre drei Kinder dort 24 Jahre lang vegetiert haben, muss die Polizei jetzt behutsam herausfinden.