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Berlusconi: Zehn Fragen zum Sexskandal

ROM – Erhält Italien endlich Antworten auf drängende Fragen zu Berlusconis Treiben? Die Zeitung «La Repubblica» hilft bei der Formulierung etwas nach.

Aktualisiert um 13:16 | 06.11.2009
Seit fast einem halben Jahr schweigt Silvio Berlusconi zu den Fragen rund um seine Frauengeschichten, die «La Repubblica» täglich veröffentlicht. Nun bastelt die italienische Zeitung die Antworten selbst – aus einem Buch des Journalisten Bruno Vespa, in dem der angeschlagene Ministerpräsident zu Wort kommt.

1. Wann haben Sie Noemi Letizia kennengelernt? Wie oft und wo haben Sie sich getroffen? Verkehren Sie mit anderen Minderjährigen?
Berlusconi: «Ich hatte nie eine Beziehung zu Fräulein Naomi. Diese Behauptungen sind Verleumndungen.» Ausserdem habe Berlusconi «das Mädchen nur viermal getroffen». Darunter auch an der Feier zu ihrem 18. Geburtstag.

2. Warum haben Sie zwei Monate lang nicht die Wahrheit gesagt und stattdessen vier verschiedene Versionen über ihr Verhältnis zu Naomi erzählt?
Dazu findet «La Repubblica» keine Antwort im Buch.

3. Finden Sie es nicht schlimm, dass Sie jungen Frauen, die sie «Papi» nennen, Verantwortung und politische Nominierungen versprechen?
Berlusconi: «Für verantwortungsvolle Positionen habe ich nur Frauen mit Profil und hohem moralischem, intellektuellem, kulturellem und beruflichen Hintergrund vorgeschlagen.»

4. Sie führten Gespräche mit einer Prostituierten in der Nacht vom 4. November 2008. Gemäss Strafuntersuchungen, die auch Ihre Residenzen betraf, besuchten Dutzende von Prostituierten in Ihrem Umfeld. Wussten Sie das?
Berlusconi: «Es war ein Abendessen mit vielen Menschen, die meisten Mitglieder der Vereine ‹Forza Silvio› und ‹Gott sei Dank, dass es Silvio gibt›. Im letzten Augenblick kamen Tarantini und zwei Frauen hinzu.» «La Repubblica» stellt dem entgegen, dass an jenem Abend nicht zwei, sondern drei Frauen zugegen waren: Barbara Montereale, Lucia Rossini, Patrizia D´Addario. Dies bestätigt Giampaolo Tarantini, der Berlusconi mit Begleiterinnen versorgt haben soll. Ausserdem sollen keine Anhänger der erwähnten Vereine anwesend gewesen sein.

5. Kam es vor, dass Sie Staatsflugzeuge für private Zwecke eingesetzt haben, um beispielsweise Gäste ihrer Partys einzufliegen?
Berlusconi: «Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft sind eingestellt worden. Ich habe staatliche Flugzeuge nie für etwas verwendet, dass nicht rechtmässig ist. Ich habe selber fünf Flugzeuge, die ich jederzeit nutzen kann.»

6. Können Sie sicher sein, dass ihre Bekanntschaften die Angelegenheiten des Staates nicht beeinträchtigen? Können Sie dem Land versichern, dass keine Frau Sie erpressen könnte?
Berlusconi: «Ich habe mich noch nie erpressen lassen. Das gilt heute wie auch in der Vergangenheit. Wenn ich und meine Anwälte das Gefühl hatten, dass mich jemand erpressen will, habe ich das den Gerichten übergeben.»

7. Würden Sie an einem öffentlichen «Family Day» teilnehmen oder ein Gesetz unterzeichnen, dass Kunden von Prostituierten bestraft?
Berlusconi äussert sich dazu nicht im Buch.

8. Kommen Sie für das Amt des italienischen Staatspräsidenten in Frage? Oder für das Amt des Präsidenten des Europarates?
Berlusconi bestreitet, Ambitionen auf das höchste politische Amt zu haben. Die Zeitung merkt an, dass Silvio Berlusconi sich früher eindeutig positiv dazu geäussert hatte.

9. Sie sprachen von einem «subversiven Plan» gegen Sie. Können Sie garantieren, dass sie Polizei und Nachrichtendienste nicht gegen Zeugen, Journalisten und Staatsanwälte eingesetzt haben oder einsetzen werden?
Berlusconi: «Ich habe nie an die Verwendung solcher Mittel gedacht. Die Angriffe gegen mich entbehren jeglicher Grundlage und sind das Ergebnis vorgefasster Meinungen.»

10. Im Lichte dessen, was in den letzten Monaten alles passiert ist: Wie ist Ihr Gesundheitszustand?
Berlusconi: «In den letzten 16 Monaten hat mein gesundheitlicher Zustand – abgesehen von einem steifen Nacken und der Scharlach-Erkrankung im Oktober – es mir erlaubt, sehr viel zu leisten: 170 internationale Treffen, 25 multilaterale Gipfel, 9 bilaterale Gipfeltreffen, 80 Pressekonferenzen, 66 Ministerratssitzungen, 91 Reden und öffentliche Reden aus dem Stegreif. Was hätte ich alles geleistet, wäre ich nicht krank gewesen?»
Meldet sich via Buch zu Wort: Silvio Berlusconi. (AP)
Meldet sich via Buch zu Wort: Silvio Berlusconi. (AP)

Zum Buch

Das Buch «Donne di Cuori» (Herzdamen) des Berlusconi treuen Starjournalisten Bruno Vespa ist laut der Mailänder Zeitung «Corriere della Sera» vor allem eine Rechtfertigungsschrift nach dem Motto «Così fan tutti» (So machen es alle).

Vespa stelle neben das lange Interview mit dem 72-jährigen Medienmogul Berlusconi allerlei privat-politischen Herz-Schmerz aus anderen Ländern und Jahrhunderten – angefangen von den Liebschaften Heinrich VIII. bis zum Privatleben des französischen Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy.

Für die Berlusconi-kritische römische Tageszeitung «La Repubblica» sind die Antworten des Ministerpräsidenten «unvollständig, falsch und 175 Tage zu spät». Die Zeitung veröffentlicht seit Mai jeden Tag zehn Fragen an den Regierungschef.

Gefragt wird etwa, wann er das langbeinige, blonde Schulmädchen Noemi Letizia kennengelernt habe, ob er Kontakt zu anderen Minderjährigen habe und ob ihn die angeblichen Treffen mit Callgirls nicht politisch erpressbar machten.

Berlusconi hatte von der Zeitung im August deswegen eine Million Schadenersatz gefordert. Ein Verfahren steht bisher noch aus. (SDA)

(Screenshot «El Pais»)
(Screenshot «El Pais»)
(Screenshot «El Pais»)
(Screenshot «El Pais»)
(Screenshot «El Pais»)
(Screenshot «El Pais»)
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