«Die Drecksau drischt uns noch tot»

AMSTETTEn (Ö) – Er verkörpert den Inzest-Horror schlechthin: Josef Fritzl. Jetzt hat der 73-Jährige erstmals über sein Motiv gesprochen. Und es wird klar: Einige schöpften schon lange Verdacht.

  • Aktualisiert am 14.01.2012
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Sieben Kinder mit der Ehefrau, sieben Kinder mit der Tochter. Diese vegetiert nach dem Tod eines vierten Kindes mit drei Kindern 24 Jahre im Kellerverlies, drei weitere «freie» Kinder wohnen beim Grossvater, der sich nun als deren Vater herausgestellt hat. Die Welt reibt sich die Augen, überall herrscht Fassungslosigkeit. Wieso tut ein Mann so etwas?

Bei seinem Verhör hat Josef Fritzl gestern erstmals so etwas wie eine Erklärung gegeben. Er habe seine Tochter Elisabeth eingesperrt, um sie zu beschützen. «Er hat ausgesagt, seine Tochter sei zweimal weggelaufen, er habe befürchtet, sie könne ins Drogenmilieu geraten», berichtet der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten.

«Die Drecksau drischt uns noch tot»

Die Frage nach dem Motiv ist das eine, das unverständlich erscheint. Das andere: Niemand will von dem jahrelangen Treiben von Josef Fritzl etwas gewusst haben. Doch jetzt melden sich auch Stimmen, die etwas ganz Anderes behaupten: Josef Fritzl war in Amstetten berüchtigt, viele Leute hätten gewusst, «dass in der Familie etwas nicht stimme», wie eine ehemalige Klassenkameradin von Elisabeth Fritzl gemäss «Welt Online» erzählt.

Die Schulkollegin findet es «einfach nur lächerlich, dass niemand etwas geahnt haben will». Vater Josef sei bekannt für seine Brutalität gewesen und viele wussten, dass er seine Kinder regelmässig verdroschen habe. «Der Vater hat immer ordentliche Schläge ausgeteilt. Nicht mit der flachen Hand, sondern mit der Faust. Dabei mussten sie auf Holzscheiten knien», weiss die einstige Schulkollegin von Elisabeth. Elisabeths Bruder habe ihr sogar einmal gesagt: «Irgendwann drischt uns die Drecksau noch tot».

Was weiss man in Amstetten?

Nachbarn beschreiben Josef Fritzl insgesamt zwar als netten, freundlichen Mann. Dabei scheinen sie aber die Gerüchte, die sich in Amtstetten um Josef Fritzl ranken, zu verdrängen. Auch Elisabeths ehemalige Schulfreundin weiss davon. Josef Fritzl sei nicht nur als sehr brutal bekannt gewesen, er wurde auch verdächtigt, seine Pension im Nachbarort abgefackelt und das Versicherungsgeld kassiert zu haben. Doch nicht über den Versicherungsbetrug munkelt Amstetten: «Man sagt, dass er sich bereits damals an der Lisi vergriffen haben soll». (gux)

Dem Untersuchungsrichter vorgeführt

WIEN – Der 73-jährige Josef Fritzl wird nach seinem vollen Geständnis im Inzest-Fall von Amstetten an diesem Dienstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Er war bereits gestern aus der niederösterreichischen Bezirksstadt in die Landeshauptstadt St. Pölten gebracht worden.

Nach seinem Geständnis gilt als sicher, dass der Richter Untersuchungshaft anordnet. Der Geständige muss im Falle einer Verurteilung mit einer langen Freiheitsstrafe rechnen. Auf schwere Freiheitsberaubung und Vergewaltigung stehen in Österreich zusammen insgesamt 25 Jahre Gefängnis.

Medienberichten zufolge prüft die Staatsanwaltschaft auch den Vorwurf des Mordes durch unterlassene Hilfeleistung im Falle des nach der Geburt gestorbenen Zwillings. Der Mann hat gestanden, die Leiche des Babys im Heizungskessel seines Hauses verbrannt zu haben.

Die österreichischen Behörden haben ein Versagen ihrerseits im Inzest-Fall ausgeschlossen.
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Josef Fritzl: Bekannt für seine Brutalität.- AP

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