Die Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron bauten die Elbphilharmonie in Hamburg Das musikalischste Lagerhaus der Welt

Es war ein alter Speicher im Hafen von Hamburg. Die Schweizer Architekten Herzog und de Meuron machten daraus eine Konzerthalle. Heute wird die Elbphilharmonie eröffnet.

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Zur Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie blieb kein Detail ungeplant. So ist die heutige Einweihung des Prunkstücks im Hafen der norddeutschen Stadt das festliche Rote-Teppich-Nachspiel eines Monats voller Probe-Eröffnungen. Den ganzen Dezember zogen täglich bis zu 16’000 Neugierige über die Rolltreppen und Terrassen, durch die Hallen, Gänge, Garagen, Restaurants und Konzertsäle des Gewaltbaus. Man wollte sehen, was Hamburg für rund 930 Millionen Franken gebaut hat.

«Eines der 10 schönsten Gebäude der Welt» – und eines der zehn teuersten

Da gibts es unvorstellbare 120’000 Quadratmeter Nutzfläche (entspricht 16 Fussballplätzen). Drei Konzertsäle, davon einer für 2100 Besucher. Alleine dessen Orgel steht mit 2,15 Millionen Franken auf der Rechnung. Dazu ein Hotel mit 244 Zimmern sowie 45 Appartements, die bis zu 13 Millionen Franken kosten. Deshalb ist die Elbphilharmonie, so will es das Tourismusmarketing, «eines der zehn schönsten Gebäude der Welt». Aber auch eines der zehn teuersten!

Ein alter Speicher, die hamburgische Version eines Lagerhauses für Kakao und Kaffee, wurde entkernt und darauf mit einer jener architektonischen Ideen bebaut, die für das Schweizer Architektenteam von Jacques Herzog und Pierre de Meuron (beide 66) so typisch sind: spektakuläre Form, der sich jeder Inhalt unterordnen muss. Also genau das Prinzip, nach dem die beiden Basler bereits das Vogelnest-Stadion für die Olympischen Spiele in Peking, den spektakulären Erweiterungsbau der Londoner New Tate Gallery, aber auch Fussballstadien für Bordeaux oder Chelsea bauten oder bauen werden. In Hamburg erhebt sich das Gebäude wellenförmig bis 100 Meter über den Hafen. Schimmernd verkleidet mit 2200 licht- und wärmedämmenden Glasscheiben. Stückpreis 72’000 Franken.

Das Orchester im Mittelpunkt

In den Konzertsälen hat Yasuhisa Toyota (64) Regie geführt. Das Ziel: Die perfekte Akustik. Dazu ist der Saal im trendigen Weinbergstil angelegt. Das Orchester sitzt dabei in der Mitte, die Zuschauer platzieren sich auf rundum ansteigenden Terrassen. 10’000 kunstvolle, computergefräste Gipsplatten verkleiden die Wände zur Klangoptimierung. Preis? Unbekannt.

Es war ein langer Weg von der Idee 2001 bis zum ersten Entwurf der Basler Architekten 2003, dem damaligen Kostenvoranschlag von 82 Millionen Franken. Bei Vertragsabschluss 2007 hatte sich dieser auf 122 Millionen erhöht. 2010 sollte Eröffnung sein. Da stand man bei 430 Millionen und stellte die Arbeit für ein ganzes Jahr ein. Bauabnahme war schliesslich Ende Oktober 2016. Weshalb es so lange dauerte? Man hatte den Bau ohne jegliche verbindliche Konstruktionspläne begonnen!

Zum Schluss nochmals 30 Millionen obendrauf

Und soeben wird bekannt, dass zu den bereits mehrfach «endgültig» berechneten Baukosten nochmals ein Nachschlag hinzukommt. Die Schlussrechnung wird bei über 960 Millionen Franken liegen.

Jetzt also Eröffnung. Gefeiert mit vielen Reden und einem Konzert des NDR Orchesters, das mit diesem Abend zum NDR Elbphilharmonie Orchester mutiert. Es spielt ein fast schon volkstümliches Klassik-Potpourri, zu dem auch Weltstars des Gesangs geladen sind. Die Elbphilharmonie ist auf Wochen hinaus ausverkauft. Zwei Gäste für heute Abend sind allerdings noch nicht bestätigt. Die grosse Frage: Kommen die Merkels, kommen sie nicht? Die Elbphilharmonie – unplanbar bis zum Schluss.

Publiziert am 11.01.2017 | Aktualisiert am 13.01.2017
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16 Kommentare
  • Eric  Pudles , via Facebook 11.01.2017
    Mit einem Kostenvoranschlag für diesen Riesenbau von 82 Mio. musste man sich doch schon damals fragen wie so etwas möglich sein soll. Allein schon die Personalkosten für die geplante Bauzeit von 3 Jahren übersteigen diese Summe. Aber hätte man von Anfang an gesagt das die Kosten bei mehreren 100 Mio. liegen würden, hätte man gar nie mit dem Bau begonnen. So hat man halt für ein super Gebäude aussen und innen ein wenig mehr bezahlt. Es ist den Preis wert und wird sich bezahlt machen.
    • Landre  Marb , via Facebook 12.01.2017
      Diese Art von verwerflicher Vorgehensweise (Ich mache es für X, weiss aber das es X+Y kosten wird) fängt ja auch bei uns schon in den kleinsten Auftragsvergaben an. Das hat dann aber viel mit Kompetenz so wie Realitätsvermögen seitens aller Parteien und auch mit zulassenden oder unterwanderten Gesetzesvorgaben zu tun.
      Hier ist das physische und kulturelle Resultat glücklicherweise erfolgreich und einzigartig nachhaltig.
  • Michael  Keller aus Baden
    11.01.2017
    Wenn man bei den doppelten Baukosten angekommen ist, entzieht man den Architekten sofort den Auftrag. Dann haben Sie weder den Job im Griff noch genügend Ehrgeiz Kosten korrekt anzugeben und einzuhalten. Ohne Kosten einzuhalten kann jeder grosse Bauten aufstellen.
  • Stefan  Eigen , via Facebook 11.01.2017
    Die Elbphilharmonie wurde zwar mit viel Aufwand und kostspieligen Investitionen, aber natürlich sehr liebevoll und mit viel zusätzlicher Aufopferungsbereitschaft in einem friedlichen Europa fertig gestellt. Heute nun ist sie eröffnet.
    Möge uns dieses Bauwerk mit all den Konzertveranstaltungen jedes Mal von der Polizeipräsenz zum Schutz vor dem bösen Terrorismus immer gut bewahrt und erhalten bleiben, gerade dort bei den Großen Menschenmassen in dieser angespannten Weltsituation heute ...!
    • René  Loepfe 11.01.2017
      Das Bauwerk ist grossartig.
      Was jedoch stossend und bezeichenend ist, dass in deutschen Medien (Radio, Presse, TV) die Schweizer Architekten mit keiner Silbe erwähnt werden. Wir sind eben zur Bescheidenheit erzogen und die Deutschen können Ihren Grössenwahn einmal mehr ausleben. Kein deutscher Architekt hätte diesen Entwurf so hingekriegt.
    • steff  walther 11.01.2017
      @Loepfe. Stimmt das Bauwerk ist gelungen. Mitunter auch durch die Arroganz der Architekten Herzog und deMeuron UND Mitarbeit vieler hundert Arbeiter welche das Projekt gebaut haben. HdM baut nicht!!
      Ich jedoch finde es stossend und bezeichnend dass HdM nicht ein einziges Projekt habe, welches nicht mehr als 10 Prozent teurer wurde als der KV war. HdM hat letztendlich mehr Honorar bekommen, als der ursprüngliche gesamte KV war!! Und dafür finden sich keine Worte!!
  • Landre  Marb , via Facebook 11.01.2017
    Trotz allen Bau-Troubles lässt sich das Resultat sehen. Wirklich eindrücklich schön. Die Deutschen dürfen echt stolz sein auf ihre "Hämburcher".
    Das deutsche Tor zur Welt hat nun ein angemessenes Wahrzeichen.
    Bravo! Chapeau.
  • Benedikt  Richter aus Bern
    11.01.2017
    Die Elbphilharmonie ist das neue Wahrzeichen von Hamburg.
    Einfach genial.
    Es glitzert von aussen,b spiegelt vom Wasser, einfach traumhaft.
    Die Athmosphäre im Innern ist der Wahn.
    Habe ein prope Orgel Spiel im TV gesehen.
    Das bricht schon alle Vorstellungen.
    Die Kosten, na ja es wurde schön für blöderes so viel Geld aus gegeben.
    Der Michel als Hamburger Wahrzeichen wird bleiben.
    Die Elbphilharmonie setzt ein neues.
    Hamburg ist eine der schönsten Städte in Europa.
    Bravo Hamburg.