Deutscher Dschihadist droht «In keinem Urlaubsland werdet ihr mehr sicher sein»

Der deutsche Dschihadist Abu Hamza feiert die Gräueltaten vom Freitag schamlos. Im Skype-Interview mit IS-Experte und Reporter Bruno Schirra (57) kündigt er weitere Terror-Anschläge an.

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Derselbe Mann, dieselbe Botschaft, dieselbe Stimme: Abu Hamza ist deutscher Staatsbürger, promovierter Chemiker und Allahs kurdischstämmiger Terrorkämpfer. Letzten Sommer sprach ich mit ihm – unter strengster Geheimhaltung – auf dem Gebiet des IS, seinem «Kalifat».

In der Nacht auf Samstag meldete er sich via Skype aus dem irakischen Mossul. In schwäbisch-warmem Singsang kündete er «in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten weiteren Tod, Terror und Vernichtung» an. Die Kamera zeigt ihn in schwarzer Ninja-Kostümierung, eine Sturmhaube verbirgt sein Gesicht. Hinter ihm die schwarze Flagge des Islamischen Staats.

«Uns ist heute im heiligen Monat Ramadan eine unerhörte Gnade Allahs zuteil geworden. Unsere heldenhaften jungen Löwen haben an diesem gesegneten Freitag in Tunesien und in Frankreich dem ungläubigen Abschaum seine gerechte Strafe erteilt!» Alles, was Abu Hamza bei unserer Begegnung damals prophezeit hatte, ist eingetreten. Paris: «Charlie Hebdo». Der Terrorakt in Kopenhagen. Und jetzt wieder Frankreich. Inspiriert vom Terrorglauben des Abu Bakr al-Baghdadi hat dort am Freitag der 35 Jahre alte Yassim Salhi zunächst seinem Arbeitgeber Herve C. den Kopf abgeschnitten und versucht, eine Gasfabrik in dem kleinen Ort Saint Quentin-Fallavier bei Lyon in die Luft zu jagen. Der Vater dreier kleiner Kinder wollte die Umgebung der Fabrik chemisch verseuchen.

Die französischen Ermittler gehen davon aus, dass Salhi nicht im Auftrag des IS handelte. Er sei einer jener «einsamen Wölfe, die sich vom Gedankengut des Terrorkalifen Abu Bakr al-Baghdadi inspirieren lassen.»  Die europäischen Sicherheitsbehörden vermuten in ganz Europa Tausende solcher Glaubensterroristen. Sie stehen ihnen hilflos gegenüber.

Abu Hamza bestätigt via Skype, dass der Terroranschlag in Frankreich, im Gegensatz zu Tunesien, keine «Auftragsarbeit» des IS war. «Unsere Brüder und Schwestern sind bereit, auch ohne explizite Anweisung die Ungläubigen zu schlagen. Wir sind im Krieg mit euch, ein Krieg bis zur Vernichtung. So wie in Sousse.»

Der Massenmord kostet mindestens 38 Menschen das Leben. Noch bevor der Islamische Staat via Twitter die Verantwortung übernimmt, hatte Abu Hamza al-Almani  in unserem nächtlichen Gespräch behauptet, der Islamische Staat habe den Terroranschlag auf die westlichen Touristen geplant und organisiert.

«An dieser Stätte der Gottlosigkeit, der Pornografie wurden die Ungläubigen ihrer Höllenstrafe zugeführt. Überall werden sie in diesem Sommer weiter bluten, weiter sterben», verkündet Abu Hamza im schwülstig-salbungsvollem Tonfall, den Zeigefinger der rechten Hand zum Salafistengruss gen Himmel gereckt: «In Tunesien, in Ägypten, in der Türkei, in Spanien, in Italien, in Griechenland: In keinem Urlaubsland werdet ihr mehr sicher sein.» 

Der Terror ist zum europäischen Alltag geworden. Ein französischer Sicherheitsbeamter, studierter Islamwissenschaftler, weist am Samstagmorgen müde darauf hin, dass «dieser Terror natürlich sehr viel mit dem Islam zu tun hat. Er lässt sich durchaus aus dessen Grundlagen legitimieren. Auch wenn die meisten Muslime es von sich weisen und dem nicht nacheifern.» Der Mann weiss um die Brisanz seiner Äusserungen.

Der grossen Mehrheit der Muslime gilt der Ramadan als Zeit der Besinnung, des Friedens, in der Streit und Kämpfe verboten sind. So weit die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Der islamische Staat und seine Vorläuferorganisationen haben sich seit 2003 Jahr für Jahr während des Ramadans in eine monströse Blutorgie des Glaubens hineingesteigert. Der Kalif der islamischen Finsternis, sein irakischer Boss Abu Bakr al-Baghdadi, beruft sich in seinem Glaubensrausch auf den Propheten Mohammed und will so seinen Terror legitimieren. Denn ausgerechnet im Friedensmonat Ramadan hatte Mohammed seine bedeutendsten Schlachten geschlagen. Für den IS ist dies eine blutige Verpflichtung, es dem Propheten gleichzutun.

Publiziert am 28.06.2015 | Aktualisiert am 28.06.2015
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Reporter, Buchautor, bestens vernetzter IS-Experte: Bruno Schirra (57). play
Reporter, Buchautor, bestens vernetzter IS-Experte: Bruno Schirra (57). ZVG
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52 Kommentare
  • Pat  Impossible aus Luzern
    29.06.2015
    Es reicht einfach nicht, dieses Gedankengut oder die Religionen zu verbieten. Es ist wie als Kind, alles was verboten ist, wird noch sehr viel attraktiver. Und dadurch noch viel unberechenbarer. Sofern dies überhaupt noch möglich ist. Und wie sollen wir Schuldige von Unschuldigen unterscheiden können? Warum trauen wir keinem mehr über den Weg.. ja warum wohl...!? Soll sich mal jeder überlegen.
    Warum gibt es nicht einen AIS? Anti-Islamischen-Staat - Keinen Mut??
  • jürg  frey aus teufen
    29.06.2015
    Die Aussage des Dschihadisten ist wahr. Das wird sicher nicht weniger, aber nicht nur in Touristenländern. Kann morgen oder Übermorgen schon im Hauptbahnhof, U-Bahn, Museum, oder irgendwo BUMM machen. Die modernen Medien machen es zum Kinderspiel. Deshalb braucht es mindestens Überwachung dieser.
    • Carsten  Mabank 29.06.2015
      Wenn man ein Loch im Dach hat, dann ist die Lösung wohl auch nicht, innerhalb der Wohnung Gummistiefel zu tragen und die Möbel mit Planen zu verhängen. Das Loch im Dach muss zu. Richtig zu.
  • Hanspeter   Vetsch 28.06.2015
    Das Ganze ist eine Katastrophe, da gibt es nichts zu beschönigen. Die Terroristen werden noch vieles zerstören. Terroristen wissen, dass der Tourismus die wichtigste Säule ist für viele Hotels.
    • Paul  Entlebucher 29.06.2015
      Der Tourismus ist nicht nur die Säule für Hotels sondern für die ganze Volkswirtschaft von Tunesien, Ägypten und weitere auf Tourismus ausgerichtete Länder.
  • Mad  Piccard 28.06.2015
    Jede fremde Kultur und oder Ideologie, besonders solche welche klar faschistische Grundsätze haben, und unsere schweizerisch Kultur und Werte in irgend einer Art bedrohen oder gar gefährden, sind ein Risiko für die innere Sicherheit. Der Staat hat die Sicherheit jederzeit zu gewährenleisten, dies ist aktuell nicht der Fall...als tut endlich was, bevor sich der Schweizer wegen Untätigkeit der Politik selbst helfen muss!
  • Rolf  Wittwer 28.06.2015
    Gut gibt es keine Untersuchungen, wie gross das geheime wachsende Sympathisantenspektrum solchen Terrors europaweit ist.
    Es gilt, vermehrte Skepsis und Wachsamkeit aufrecht zu erhalten.
    Das Ziel dieser anderen Kultur, dürfte mittlerweile allen klar geworden sein. Abu Hamza gehört dieser an.