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Der Abend des 9. November 1989. Er ist geprägt von Fassungslosigkeit und Ungläubigkeit, Weinen und Lachen, Begegnungen und Trennungen – aber vor allem von unfassbarer Freude. Es ist der Abend an dem die Mauer fällt und mit ihr die Grenze, die Deutschland 28 Jahre lang entzweite.
Tausende eilen an die Grenze zu Westberlin. Und obwohl es keinen offiziellen Befehl gibt, öffnen die Grenzsoldaten die Übergänge. Wildfremde Menschen aus Ost und West fallen sich in die Arme und feiern den Beginn einer neuen Ära. Deutschland erlebt eine Nacht im Freudentaumel, eine Nacht, die die Welt verändert. Am nächsten Morgen verkündet Westberlins Bürgermeister, Willy Brandt: «Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört.»
Die «sanfte Revolution»
Was ist geschehen? Die schlechte wirtschaftliche Situation und die Missachtung der Bürgerrechte in der DDR lässt den Ruf nach einer Veränderung lauter werden. Die Menschen gehen auf die Strasse, demonstrieren für ihre Rechte – und für die Wiedervereinigung. Gleichzeitig öffnen Ungarn und Tschechien ihre Grenzen, Massenfluchten beginnen. Beides bringt die DDR-Strukturen ins Wanken.
Immer mehr Menschen gehen auf die Strasse – widersetzen sich dem Demonstrationsverbot. Am 4. September beginnen die wöchentlichen Montagsdemonstrationen in Leipzig. Das Besondere: Sie sind komplett friedlich. Daher auch der Name «sanfte Revolution». Am 9. Oktober ertönt erstmals der Ruf «Wir sind das Volk», mit dem die mittlerweile 70‘000 Demonstrierenden ihr Mitspracherecht einfordern. Am 18. Oktober, nach der zweiten grossen Montagsdemonstration, tritt Staatschef Erich Honecker zurück. Der Anfang vom Ende des SED-Regimes.
Die Menschen merken, dass sich etwas verändert – ihre Stimme zählt. Am 4. November demonstrieren eine Million Menschen auf dem Alexanderplatz. Die grösste Demonstration in der Geschichte des Staates wird live im Fernsehen übertragen. Und sie bewirkt etwas: Am 7. November tritt die Regierung und das Politbüro zurück. Eine neue Regierung wird gebildet. An ihrer Spitze Egon Krenz. Doch die Öffentlichkeit ist aufgewacht – aus einem 28 Jahre langem Albtraum.
Die Frage, die die Welt veränderte
Am 9. November auf einer internationalen Pressekonferenz in Ostberlin verkündet Günter Schabowski, ein SED-Mann, eine neue freizügigere Ausreiseregelung. 30 Tage im Jahr sollen die Bürger in nicht-sozialistische Länder reisen dürfen. Dann, um 18:57 Uhr, stellt der italienische Journalist ,Riccardo Ehrmann, die Frage aller Fragen. «Ab wann gilt diese Regelung?» Schabowskis Antwort kommt stockend, zögerlich: Sie trete «sofort, unverzüglich» in Kraft. In diesem Moment fällt die Mauer.
Am Grenzübergang Bornholmer Strasse in Berlin stehen wenig später tausende Menschen vor dem Schlagbaum und wollen nur eines: Raus aus ihrem Gefängnis. Die Grenzsoldaten kommen gegen den Ansturm nicht an. Ihren Vorgesetzten melden sie nur noch: «Wir fluten jetzt».
An diesem 9. November vor 20 Jahren wird der 13 August 1961, an dem Deutschland entzweit wurde, korrigiert.