Tschernobyl, 26. April 1986 Der Tag, als die Welt zerbrach

Es ist das traurigste Jubiläum der Welt. Tschernobyl wird heute 25. Chris Huber aus Wohlen AG war in der Todeszone. Blick.ch zeigt exklusiv seine eindrücklichen Bilder.

  • Publiziert: 26.04.2011, Aktualisiert: 20.01.2012

«Es herrscht Totenstille. Ich höre nur meine eigenen Fusstritte im Schnee. Pripjat bei Tschernobyl, eine Geisterstadt. 25 Jahre nach der Atomkatastrophe lebt hier kein Mensch, alles ist verwüstet und verlassen.

Als ich Mitte Februar fünf Tage die Gelegenheit habe, die Sperrzone zu besuchen und zu fotografieren, gilt Tschernobyl als schlimmster Atom-GAU der Geschichte. Keiner kann damals ahnen, dass die Welt einen Monat später im japanischen Fukushima ein zweites Tschernobyl erlebt.

«Ich wollte alleine nach Tschernobyl reisen»

2009 interessierte ich mich erstmals für Tschernobyl. Ich versuchte seither, eine Bewilligung für die Sperrzone zu bekommen. Ich wollte nicht an einer offiziellen Führung teilnehmen, sondern alleine reisen, in Tschernobyl übernachten. Das war extrem schwierig.

Als ich schliesslich ins Flugzeug Richtung Ukraine stieg, wusste ich nicht, ob meine Pläne aufgehen würden.

30 Kilometer rund ums Kraftwerk ist Sperrzone, bewacht vom Militär. Den ersten Kontrollpunkt passieren wir, mein militärischer Begleiter und ich, ohne Probleme.

Dann wirds schwierig. Uns fehlen Bewilligungen. Wir bestechen die Soldaten mit Wodka und Geld. 50 Dollar sind in Tschernobyl viel Geld.

Tschernobyl ist erst in 1000 Jahren wieder bewohnbar

Endlich sind wir da. Beim eindrücklichen Riesenrad. Hier ist die radioaktive Strahlung besonders gross. Angst habe ich keine. Obwohl man sagt, dass Tschernobyl erst in 1000 Jahren wieder bewohnbar ist.

Wir fahren zu den Reaktoren. Sie sind besonders gut bewacht. Ich komme nah heran. Das Militär will uns wegschicken. Ich schaffe es trotzdem, ein paar Fotos zu schiessen.

Ich sehe auch Schulen, Hallenbäder, Wohnungen. Sofort ist mir klar, wie wenig Zeit die Menschen hatten, um von hier zu verschwinden. Sie mussten alles zurück lassen. Möbel, Bilder, Spielsachen, Schmuck – alles.

Ich spüre den Schmerz und das Leid der Menschen, die hier lebten und glücklich waren. Diese Reise werde ich nie vergessen.»

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