Der Syrer hat sich in Spanien zu wenig integriert Fussballschule gibt Tret-Opfer den Schuh

BUDAPEST - Das Video entsetzte die Welt: Eine ungarische Kamerafrau stellte dem syrischen Flüchtling Osama Abdul Mohsen ein Bein. Für beide nahm das Schicksal eine unerwartete Wende.

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Es war am 8. September 2015, als in Ungarn 1300 Flüchtlinge eine Polizeisperre durchbrachen und über ein Feld rannten. Mittendrin: die ungarische Kamerafrau Petra Laszlo, die für das rechtsgerichtete Internetfernsehen N1TV die Szene festhielt.

Videoaufnahmen zeigen, wie Laszlo zuerst ein Mädchen kickt und später dem Syrer Osama Abdul Mohsen ein Bein stellt. Der rennende Mann, der seinen siebenjährigen Sohn Zaid trägt, stürzt (BLICK berichtete).

Osama Abdul Mohsen (2. v. r.) mit Söhnen (aussen) und Trainer-Lehrer Miguel Angel Galán. play
Arbeitete als Trainer in Spanien: Osama Abdul Mohsen (2. v. r.) mit Schulleiter Miguel Angel Galan sowie seinen Söhnen Zaid (l.) und Mohamed (r.). Getty Images

Medien aus aller Welt berichteten darüber. N1TV entliess die Kamerafrau fristlos. Laszlo wurde beschimpft und bedroht.

Ohne Spanisch kein Job

Der angegriffene Flüchtling hingegen wurde mit Sympathiebekundungen überschüttet. Der ehemalige Fussballer und Trainer des mehrfachen syrischen Meisters Al-Fotuwa SC erhielt sogar einen Job in Spanien: Eine Fussballschule in Getafe bei Madrid stellte ihn als Trainer ein.

Doch seine Anstellung dauerte nicht lange. Die Schule war mit Mohsen nicht zufrieden. Grund: Mangelnde Integration! Schulleiter Miguel Angel Galan sagte in der Zeitung «El Confidencial», dass Mohsens «Schwierigkeiten», Spanisch zu lernen, seine Tätigkeit als Trainer erschwert haben.

Osama Abdul Mohsen mit seinem Sohn Zaid.  play
Osama Abdul Mohsen mit seinem Sohn Zaid. 

Die Fussballschule liess den einjährigen Vertrag auslaufen, gibt dem Syrer aber eine zweite Chance: Falls er bis Februar 2017 Spanisch gelernt habe, könne über eine Neuanstellung diskutiert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mohsen für Diskussionen sorgt. Die syrische Kurden-Partei PYD warf ihm nach dem Vorfall in Ungarn vor, vor seiner Flucht aus Syrien ein Mitglied der Dschihadisten-Organisation Al Nusra (heute Dschabhat Fatah al-Sham) gewesen zu sein. Mohsen bestreitet dies vehement.

Kamerafrau wird angeklagt

Kamerafrau Petra Laszlo wird wegen des Vorfalls in Ungarn vor Gericht gestellt, wie «hungarytoday.hu» schreibt. Die Oppositionsparteien Dialog für Ungarn und Demokratische Koalition hatten sie angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft hält nach den Ermittlungen allerdings fest, dass Laszlo zwar gegen den Syrer gekickt, ihn aber nicht getroffen habe. Vielmehr habe Mohsen das Gleichgewicht verloren, als ihn ein Polizist habe zurückhalten wollen.

Petra Laszlo muss sich daher lediglich wegen Störung des öffentlichen Friedens verantworten.

Publiziert am 21.12.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
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5 Kommentare
  • H.   Heller aus Zürich
    21.12.2016
    Spanien täte gut daran, den Mann im Auge zu behalten. Dass er nicht gewillt ist, die Sprache zu lernen, kann vieles bedeuten. Auch dass er es nicht als notwendig betrachtet, weil seine "Aufgabe" eine andere ist. Er wäre nicht der ersten unscheinbare, nette Schläfer von nebenan.
  • Reto  Wenger , via Facebook 21.12.2016
    In der Schweiz hätte man ihm einen Dolmetscher zur Seite gestellt und ihn als Trainer des Jahres gewählt. Schön, dass es noch Länder bzw. Organisationen gibt, die das Kind beim Namen nennen.
  • Peter  Duck 21.12.2016
    Klar ist das verhalten absolut nicht in ordnung. Aber sie wurde zuerst von einigen angerempelt und hat wohl im affekt zurückgetreten. Wenn panik ausbricht und eine menschenmenge auf einem zurennt kann ich auch verstehen wenn man etwas panik bekommt. Wenn man eine Polizeisperre durchbricht und sich der Polizei widersetzt ist dies auch eine Straftat und man sollte die betreffenden nicht nur in eine "Opferrolle" schicken.
    • Peter  Muster aus Koppigen
      21.12.2016
      Zudem sollte man vielleicht auch nicht mit kindern die Anweisungen der polizei missachten und von der Polizei davonrennen. Das dabei jemand verletzt werden könnte ist durchaus möglich und zudem ein sehr schlechtes Vorbild für die kinder. Die bekommen doch angst und eine abneigung gegen die polizisten. Wenn man schon zu gast in einem land ist als erste aktion mal die gesetze brechen ist auch ein mässiger "auftakt".
    • Landre  Marb , via Facebook 21.12.2016
      Es geht um Tätigkeiten. Sehen Sie sich den Video bitte genauer an (0:11). Sie ist dem Mädchen zuerst ausgewichen und hat sich so positioniert dass sie das Mädchen kicken kann. Verkaufen Sie dies bitte nicht als Selbstverteidigung.