Der Mauerfall – ein abgekartetes Spiel?

  • Publiziert: 17.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

LEIPZIG – Am 9. November 1989 stellt der italienische Journalist Riccardo Ehrmann in Berlin die ausschlaggebende Frage, die zum Mauerfall führt. Kam der entscheidende Tip aus der SED?

Ost-Berlin. Internationales Pressezentrum. Hier schreibt der italienische Journalist Riccardo Ehrmann, am Abend des 9. November 1989, deutsch-deutsche Geschichte. Sein Gegenspieler, der SED-Funktionär Günter Schabowsky. Die Uhr zeigt 18.57 an – die Pressekonferenz ist fast zu Ende. Da stellt Riccardo Ehrmann die entscheidende Frage nach dem Gesetzentwurf einer neuen Reiseverordnung.

Ungehalten sucht Schabowsky die Verordnung heraus und rasselt die Neuerungen herunter. «Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen – Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse – beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erstellt».

«Kurze Frage, enorme Wirkung»

Für einen scheinbar endlosen Moment herrscht Totenstille. Riccardo Ehrmann schaltet als Erster und fragt: «Wann tritt das in Kraft»? Schabowsky stottert irritiert «Das trifft nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich». In diesem Moment ändert sich alles. Denn in diesem Moment fällt die Mauer.

Ehrmann «gebrieft» von der SED

Riccardo Ehrmann ist mittlerweile 79 und arbeitet als freier Journalist in Madrid. Jetzt, fast 20 Jahre nach der Frage, die sein Leben und das so vieler anderer für immer veränderte, lässt er gegenüber dem Tagesspiegel die Bombe platzen. Die Frage nach dem Reisegesetz sei nicht seinem eigenen Geist entsprungen. Eine Stunde vor der besagten Pressekonferenz habe er einen Anruf von einem hohen Tier aus dem Zentralkomitee der SED erhalten. Mit der dringenden Bitte, sich in der heutigen Pressekonferenz nach dem Reisegesetz zu erkundigen.

Nun stellt sich die Frage nach dem Motiv des mysteriösen Anrufers, dessen Identität Ehrmann nicht preisgibt. Er bezeichnet ihn als einen alten Freund. Fest steht, die Änderungen im Reisegesetz waren beschlossene Sache, nur sollte deren Sinn und Zweck ein anderer sein. Die Erleichterungen sollten lediglich den öffentlichen Druck auf die Regierung und die Partei verringern, so Schabowsky. Das Ergebnis ist Dank Ehrmann bekanntlich ein anderes. Deutschland ist seit 1989/90 wieder vereint. (s5j)

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Private Firma kauft 14 Kampfjets «Wie Top-Gun, nur besser und globaler»bullet

Ausland