Videos der Seeschlacht veröffentlicht Der Kampf um die Wahrheit

ASHDOD – Ein Soldat wird kopfüber über Bord geworfen, andere mit Metallstangen niedergeknüppelt. Die israelischen Streitkräfte rechtfertigen ihren Einsatz gegen die Gaza-Aktivisten mit verschiedenen Videos.

  • Publiziert: 01.06.2010, Aktualisiert: 19.01.2012
Werbung überspringen

In der ganzen Welt wird Kritik am brutalen Manöver der Israelis laut. Die israelischen Verteidigungskräfte wehren sich nun und veröffentlichen Videos, auf denen angeblich Soldaten zu sehen sind, die von einer Horde aufgebrachter Aktivisten zu Boden geknüppelt werden.

Ein anderes Video der Israelis zeigt verschiedene Waffen an Bord des Schiffes. So sind Steinschleudern, Gasmasken und Messer zu sehen – allerdings ohne Gesichter oder anderen Beweisen, die zeigen, dass es sich hierbei um Aufnahmen der «Mavi Marmara» handelt.

Entsprechen höhnen die Aktivisten von «Free Gaza» auf ihrem Twitter-Account: «Erstaunt, weswegen die Videos keinen Zeitstempel haben?» Auch Nahost-Experte Ulrich Tilgner will nicht ausschliessen, dass es sich um Fälschungen handeln könnte (siehe Interview unten).

Israel warnte derweil, dass es jedes weitere Hilfsschiff für den Gazastreifen stoppen werde. «Wir erlauben es Booten nicht, nach Gaza zu fahren, und die dort entstandene Terroristenbasis zu versorgen, die das Herz Israels bedroht», sagte der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Wilnai dem staatlichen Radio.

Denn die Organisatoren von der «Gaza-Solidaritätsflotte» geben trotz der Gewalt nicht auf: Sie kündigten an, dass zwei weitere Schiffe auf dem Weg in den Gazastreifen seien.

480 Aktivisten der Flotille sitzen im Gefängnis Beerscheva in der Negev-Wüste. So fehlt ihre Darstellung des Vorfalls. Israel lässt keinen Kontakt zu den Festgenommenen zu. Deshalb ist eine unabhängige Überprüfung der Angaben derzeit nicht möglich. (num)

Drei Fragen an Nahost-Experte Ulrich Tilgner

Herr Tilgner, könnten die von den Streitkräften veröffentlichten Videos gefälscht sein?
Ulrich Tilgner: Das ist schwer zu beurteilen. Möglich wäre es schon, schliesslich hat man auch bei dem Mord eines Hamas-Kommandeurs Anfang des Jahres in Dubai mit gefälschten Pässen gearbeitet. Bei dem derzeitigen Propagandakrieg steht die Verteidigung der eigenen Interessen und nicht die Wahrheit im Vordergrund.

Ist Israel erstaunt über die massive Kritik?
Wohl kaum, auch wenn der Einsatz schiefgelaufen ist. Die Verantwortlichen wissen, dass sie sich viel erlauben können, da sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Welt ist empört, wird sich nun endlich etwas ändern?
Nein, wenn, dann nur geringfügig. Israel wird vielleicht ein bisschen einlenken, ein paar UN-Hilfskonvois mehr zulassen. Doch das Grundproblem – der israelisch-palästinensische Konflikt – bleibt ungelöst. Die internationale Gemeinschaft lamentiert, statt entschlossen an einer Lösung des Konfliktes zu arbeiten. (num)

Alle Kommentare (83)

  •  
    @Adrian J. Ata Meier: Das ist doch genau das, was Sie seit jeher systematisch tun. Jede Aussage gegen das POLITISCHE Tun Israels in die ANTISEMITISCHE Schublade zu stecken und somit jede Diskussion um politisch fragwürdiges Handeln abzuwürgen. Man muss eine politische Aussage machen können, ohne immer in diese Ecke gestellt zu werden. Das hat mit Antisemitismus rein gar nichts zu tun.
    • 02.06.2010
    • 0
    • 0
  •  
    AUF BERNDEUTSCH SAGT MAN DENEN SOUHÜND
    • 01.06.2010
    • 0
    • 0
  •  
    wenn vor einem haus ein wachhund steht und davor ein schild warnung bissiger hund dann geht auch niemand hinein ohne sich möglicher konsequenzen zu sein. israel hat und hatte das recht sich zu verteidigen - auch in diesem fall. ob es angemessen war, dass kann ich mir nicht anmassen zu beurteilen, aber ich bin klar der meinung dass die antisemiten genau auf diesen moment gewartet haben wieder einmal auf israel sprich den juden herumhauen zu können. das sieht man hier ja wieder bestens bewiesen
    • 01.06.2010
    • 0
    • 0
  •  
    @ Roland Lutz: Jetzt machen Sie es sich aber ganz einfach, wenn Sie alle, die nicht dem üblichen linken Israel-Bashing miteinstimmen wollen, als Zionisten abstempeln. Ich bin genauso viel Jude wie Gerri Müller und Daniel Vischer Mitglied der SVP sind. Und seit wann haben Steinschleudern eine Reichweite, die vom Gazastreifen bis tief nach Israel hineinreicht? Vielleicht klingelt es ja auch mal bei Ihnen, dass Ihre Sicht der Dinge ziemlich (links)verklärt ist.
    • 01.06.2010
    • 0
    • 0
  •  
    Frau Bozdag, ich bezeichne mich nicht als Israelfreund, bin weder jüdisch noch Israeli. Ich sehe tatsächlich jeden Tag beide Seiten. Ich gebe Ihnen absolut Recht mit Ihren Argumenten, nur kann man die gleiche Geschichte auch umdrehen. Wie würden Sie es finden, wenn der Bus mit Ihren Kindern auf dem Weg in die Schule in die Luft fliegt? Ihr Haus (in den Grenzen von 67) mit Raketen beschossen wird? In Ihrem Lieblingscafe Bomben explodieren? Beide Seiten müssen entradikalisiert werden!
    • 01.06.2010
    • 0
    • 0
Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 »
Seitenanfang

Top 3

1 Bluttat in London Zwei Männer köpfen Soldat mit Hackbeilbullet
2 Familie trauert um Hackbeil-Opfer «Schlaf gut, unser gefallener Soldat»bullet
3 Das Augenzeugen-Protokoll des Hackbeil-Terrors «Die Polizistin...bullet

Ausland