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Ertappt: Die Fahnder haben einen mysteriösen Milliardenschatz sichergestellt. Seine Besitzer schweigen. (Illustration: Igor Kravarik)
Am Morgen des 3. Juni bestiegen im Mailänder Bahnhof Porta Garibaldi zwei Asiaten den Bummelzug nach Lugano TI. Mit ihnen reiste ein brauner Lederkoffer, den sie nicht aus den Augen liessen.
Eine halbe Stunde später, kurz vor der schweizerischen Grenze bei Chiasso TI, entdeckten Beamte der italienischen Finanzpolizei (Guardia di Finanza) im doppelten Boden des Koffers 249 US-Staatsanleihen im Wert von je 500 Millionen Dollar und zehn «Kennedy-Bonds» über je eine Milliarde Dollar. Alles zusammen umgerechnet, reisten die beiden Männer mit Papieren im Wert von 144,5 Milliarden Franken.
Seitdem rätseln die Fahnder, ob sie per Zufall den grössten Finanzschmuggel aller Zeiten verhindert haben – oder dem dreistesten Betrugsversuch auf die Schliche gekommen sind, der jemals unternommen wurde.
Bei der Aufklärung des Falls helfen könnten die Festgenommenen, beide um die 50 Jahre alt. Doch die Herren schweigen. Nicht einmal ihre Nationalität haben sie verraten. Den Verdacht der Fahnder, dass es sich um Japaner handelt, hat die Botschaft in Rom bislang nicht bestätigt.
Unbekannt bleibt auch der rechtmässige Besitzer des Milliardenschatzes – wenn es denn einen gibt. Der reichste Mann der Welt, Bill Gates (53), verfügt «nur» über ein Vermögen von 40,7 Milliarden Dollar. Auch die Mafia dürfte ihre Profite kaum in US-Schatzanleihen investieren. Hat Nordkorea versucht, seine letzten Reserven rechtzeitig vor der Verschärfung der UN-Sanktionen in Sicherheit zu bringen?
Und überhaupt: Sind die Papiere echt? Oder sollten perfekt gefälschte Anleihen als Sicherheit hinterlegt werden, um naive Anleger zu täuschen? Zumindest die sogenannten «Kennedy-Bonds» könnten dafür vorgesehen gewesen sein. In Bankkreisen sind sie jedenfalls unbekannt.
Die Staatsanleihen jedoch, behauptet Finanzpolizei-Oberst Rodolfo Micarelli in Como (I), dürften echt sein: «Druck und Begleit-Dokumentation sind überzeugend», sagt er.
Das hofft auch Italiens Premier Silvio Berlusconi (72). Seine Staatskassen sind leer, die Schulden erdrückend. Von den sichergestellten Milliarden würde Italien 40 Prozent oder über 50 Milliarden Franken als Bussgeld kassieren. Auch das wäre vermutlich Weltrekord.