Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

  • Publiziert: 23.02.2005, Aktualisiert: 03.01.2012

MAINZ – Die Differenzen scheinen ausgeräumt. Mit einem Lächeln stieg George W. Bush aus der Air Force One und liess sich in die Welt des Bundeskanzlers Gerhard Schröder entführen.

«Dies ist ein Besuch bei einem Freund», sagte George W. Bush noch vor seiner Abreise an den Ort, den sein Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am 22. Januar 2003 das «alte Europa» nannte. Um 9.44 Uhr landete seine Maschine im Schneetreiben auf der Rhein Main Airbase in Frankfurt – von wo es nach einem kurzen Begrüssungs-Intermezzo nach Mainz weiterging.

Die Strassen, durch die der amerikanische Präsident von einer Frau gefahren wurde, waren hermetisch abgeriegelt. Teilweise war schon seit 1.30 Uhr in der Nacht kein Durchkommen mehr gewesen. Das führte natürlich zu Staus, die auf bis zu 10 Kilometer anwuchsen. Auch der Zugsverkehr wurde aus Sicherheitsgründen zwischen 5.50 und 10.20 Uhr unterbrochen.

Im Mainzer Schloss warteten militärische Ehren auf George W. Bush. Gemeinsam mit ihren Gattinnen Laura und Doris schritten Bush und Schröder den roten Teppich im Innenhof ab. Das Militär spielte die Nationalhymnen. Dann zogen sich die Herren zu einem Gespräch zurück – derweil ihre Gattinnen das Römisch-Germanische Zentralmuseum besuchten.

Danach beschwörten die beiden Männer den Neuanfang ihrer Beziehungen. «Dieses grossartige Land ist das Herzen Europas», so Bush. Was ihre Differenzen in Sachen Irak-Krieg betrifft, so sagte Schröder: «Das ist Vergangenheit.» Dafür wollen sie jetzt in der Iran-Krise und Klimaschutz – trotz der amerikanischen Ablehnung zum Kyoto-Protokoll – zusammenarbeiten.

Nach der Arbeit das Vergnügen. Das hiess in diesem Fall: Ein Mittagessen im Grossen Saal des Mainzer Schlosses, an der Seite ihrer Frauen – und 105 weiteren Gästen an der Tafelrunde. Neben CDU-Chefin Angela Merkel waren auch Fussball-Kaiser Franz Beckenbauer, Moderater Thomas Gottschalk, sowie die beiden Oberbürgermeister von Mainz und Wiesbaden mit von der Partie.

Während man es sich drinnen bei Eifel-Lamm und einem Dialog von Zander und Flusskrebsen gut gehen liess, tobte draussen der Anti-Bush-Kampf. Mehrere 100 Demonstranten trafen sich in der Innenstadt zu einer Kundgebung.

Bush will auf ausdrücklichen Wunsch seiner Frau noch die Gutenberg-Bibeln begutachten. Danach geht es schon um 17 Uhr weiter ins slowakische Bratislava – wo morgen ein Treffen mit Wladimir Putin auf dem Programm steht.

Gestörte Kommunikation

FRANKFURT – Der Funkempfänger für die drahtlose Kommunikation zwischen US-Präsident und Sicherheit lag schon am Boden, als die Air Force One auf dem Flughafen eintraf. Er hätte auch sofort seinen Dienst aufnehmen können – wenn nicht eine Panzer-Limousine im Dienste des Präsidenten über den Empfänger gefahren wäre. Unter der Last des Wagens brach das Gerät im wahrsten Sinne des Wortes zusammen. Die Soldaten reagierten jedoch schnell und ersetzten den Empfänger sogleich.

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