KHARTUM - SUDAN - Demonstranten drangen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum in die deutsche Botschaft und legten Feuer. Zwei Menschen starben. Auch in anderen Ländern kam es zu Angriffen gegen Botschaften – und zu mehreren Toten.
In der muslimischen Welt eskaliert die Gewalt! Rund 5000 Menschen protestieren heute in der sudanesischen Hauptstadt Khartum gegen das diese Woche im Internet veröffentlichte islamfeindliche Video.
Die Demonstranten werfen Steine auf die Gebäude der deutschen und der benachbarten britischen Botschaft, die Polizei muss Tränengas einsetzen. Trotzdem gelingt es einigen Demonstranten sogar in das deutsche Botschaftsgebäude.
Auf der Botschaft wird eine islamistische Flagge gehisst wurde. Danach wird das Gebäude in Brand gesteckt, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Wie auf Al-Dschasira zu sehen war, gab es auf dem Gelände der deutschen Botschaft zwei Brandherde. Die Feuerwehr versuchte die Feuer zu löschen.Derweil hörte man Schüsse von Tränengas und die Demonstranten, die Parolen skandieren.
«Die Botschaftsangehörigen befinden sich derzeit in Sicherheit», sagte Bundesaussenminister Guido Westerwelle aber heute in Berlin. Es sei ein Krisenstab eingerichtet worden. Westerwelle sagte weiter, er verstehe die «Empörung in der islamischen Welt über das anti-islamische Hass-Video». Der Film sei «unerträglich und verletzt die Gefühle von Millionen Menschen». Trotzdem sei das Video keine «Rechtfertigung für Gewalt, für die Erstürmung von Botschaften und für die Tötung von Menschen».
Ein weiterer Grund für die Attacke auf die deutsche Botschaft: Das sudanesische Aussenministerium hatte Deutschland dafür kritisiert, dass Islamgegner im August Mohammed-Karikaturen zeigen durften.
Nach dem Sturm auf die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum haben etwa 10'000 Demonstranten versucht, zur US-Botschaft vorzudringen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein, wie ein AFP-Reporter berichtete.
Ein massives Sicherheitsaufgebot riegelte die Zufahrtsstrasse zu der Botschaft ab.
Bei den Unruhen in Khardum sind zwei Tote zu beklagen. Ein Demonstrant starb, als ein Polizeifahrzeug ihn überfuhr. Ein weiterer Mann kam unter ungeklärten Umständen ums Leben.
In Tunis griffen Demonstranten die US-Botschaft an. Aufgebrachte Menschen sprangen über die Botschaftsmauer, berichteten Augenzeugen. Fenster wurden eingeschlagen, Bäume in Brand gesetzt. Sicherheitskräfte versuchten mit Tränengas und Warnschüssen, die Menge zurückzuhalten. Die Menschen riefen «Allahu Akhbar» (Gott ist gross) und schwenkten schwarze Fahnen.
Weitere Demonstranten waren nach den Freitagsgebeten vom Zentrum aus auf dem Weg in den Norden der tunesischen Hauptstadt, wo die US-Botschaft liegt. Um das Gebäude waren zahlreiche Polizisten sowie die paramilitärische Nationalgarde im Einsatz.
Bei den Unruhen in Tunis kamen heute mindestens drei Menschen ums Leben. Mindestens 28 wurden verletzt. Zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr.
Nach einer Bombendrohung eines Mannes, der sich als Al-Kaida-Mitglied ausgab, wurde die Universität in der US-Stadt Austin, Texas, evakuiert. Ein Sprengsatz wurde aber nicht gefunden. Schliesslich wurden die Gebäude wieder freigegeben.
An der staatlichen Universität in North Dakota ging heute ebenfalls eine Bombendrohung ein.
Im Jemen und in Ägypten ebben seit Dienstag die Proteste gegen das Video aus den USA über den Propheten Mohammed nicht ab.
In Kairo bewerfen Demonstranten Polizisten mit Steinen. Zuvor hatten Islamisten bereits einen «Millionen-Menschen»-Protest in Kairo nach dem Freitagsgebet angekündigt. In Sanaa protestierten nahe der US-Botschaft 20 bis 30 Menschen.
Auch im Iran waren im Anschluss an die Freitagsgebete landesweit Proteste gegen die USA und Israel geplant.
Alles amerikanischer Herkunft ist den Demonstranten ein Dorn im Auge. So setzen im Libanon Hunderte eine «Kentucky Fried Chicken»-Filliale in Tripoli in Brand, wie «Sky News» berichtet.
Dabei kommt eine Person ums Leben, mindestens zwei weitere werden beim Sturm auf das Restaurant verletzt.
Augenzeugen berichten, wie die Angreifer anti-amerikanische Parolen, «wir wollen den Papst nicht» und «genug der Islam-Beleidigungen» riefen. Heute reiste Papst Benedikt für einen dreitägigen Besuch im Libanon an.
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