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Gestürzt am 11. Februar: Hosni Mubarak.
(AP)Heute vor genau einem Jahr jubelte Ägypten: Der langjährige Machthaber Hosni Mubarak war gestürzt. Doch die Hoffnungen der Menschen auf eine demokratische Ära haben sich (noch) nicht erfüllt. Die ersten Parlamentswahlen wurden von dem Aufruhr in den Strassen überschattet. Die Bevölkerung ist gespalten und verunsichert: Wohin wird Ägypten nach dem Wahlsieg der Muslimbruderschaft steuern? Und die Gewalt – das Massaker im Fussballstadion von Port Said hat es gezeigt – bestimmt den Alltag noch immer. Und so wird auf dem Tahrir-Platz weiter protestiert, während der Militärrat weiter regiert.
Blick.ch wollte von fünf Ägyptern aus Kairo wissen: Wie steht es um euer Land nach dem Sturz von Mubarak? Wie hält ihr es mit der Revolution? Und was würdet ihr Mubarak sagen, ständet ihr ihm gegenüber?
Ahmed Hosni Hosari (24), Buchhalter in einer Autowerkstatt aus dem Viertel Dokki, Kairo:
«Mubarak wurde in dem Sinn nicht gestürzt. Seine engen Freunde im Militärrat haben ihn weggeschafft, damit wir uns ‹beruhigen›. Mubaraks Freunde machen weiterhin, was er wünscht. Bevor er gestürzt wurde, sagte er uns: «Ich oder das Chaos». Wir haben das Chaos statt ihn gewählt. Aber es hat sich nichts verändert. Menschen sterben immer noch. Keiner der Forderungen der Revolution wurde erfüllt. Der Militärrat tut auch nichts, um sie zu erfüllen. Er ist nach wie vor Mubarak und seinen Anweisungen hörig. Und so haben sich die Dinge in Ägypten verschlimmert.
Menschen kämpfen noch immer und sterben. Das Massaker von Port Said veranschaulicht, dass alles beim Alten geblieben ist.
Mubarak sollte hingerichtet werden, er und die Leute, die ihn weiterhin umgeben. Würde ich ihm begegnen, würde ich zu Mubarak sagen: ‹Mit dir sollte dasselbe wie mit Gaddafi passieren, weil du so viele Menschen umgebracht oder sie ohne Arbeit gelassen hast und weil du ein Agent für Israel und die USA bist. Du verdienst es nicht, Ägypter zu sein. Es gibt kein zurück in die Vergangenheit, denn die Leute haben sich für die Demokratie entschieden.›»
Helmy Mohamed Abd el-Razek (60), Verkäufer aus dem Viertel Giza, Kairo:
«Ich bin sehr froh, dass Hosni Mubarak weg ist, und ich will nicht, dass er wieder kommt. Sein Sturz war im Interesse des Landes, im Interesse tieferer Lebensmittelpreise, im Interesse des Alltagslebens der Ägypter. Mubarak wird sich friedlich zurückziehen.
Es war eine gute und erfolgreiche Revolution, und sie wird, so Gott will, noch erfolgreicher sein, so dass die Ägypter zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Die Lage in Ägypten hat sich etwas verbessert und wird sich weiter verbessern, Inshallah (so Gott will)!
Hosni Mubaraks Prozess wird ziemlich sicher ordnungsgemäss zu Ende gehen, und sollte er nicht durch die Regierung zu Ende gebracht werden, wird ihn das Volk beenden. Gott ist der einzige, der urteilen darf. Mubarak sollte eine Bestrafung erhalten, die seinen schlechten Gesundheitszustand berücksichtigt. Würde ich ihm begegnen, würde ich zu Mubarak sagen: ‹Möge Gott dich auf den richtigen Pfad lenken, aber der Präsident, der dir folgt, wir ein besserer sein, als du es warst.›»
Magda Ahmed Mohamed (85), Hausfrau am Tahrir-Platz in Kairo:
«Hosni Mubarak sollte weg sein, doch er ist immer noch hier! Solange dass General Tantawi und der Militärrat an der Macht sind, ist auch Mubarak an der Macht. Mubarak kann nicht zurückkehren, aber wir leben nach wie vor in seinem System.
Die Revolution hat nichts erreicht. Die Nummern von den Mobiltelefonen haben geändert und es ist noch eine Stunde Sommerzeit hinzugekommen.
Auch die Muslimbruderschaft, die die Wahlen gewonnen hat, wird nichts ändern. In Ägypten hat sich seit Mubaraks Sturz nichts geändert, einiges ist sogar schlimmer geworden. Das Regime will, dass wir das Chaos, das Mubarak versprochen hat, zu spüren kriegen.
Sollte Mubarak zum Tod durch den Strang verurteilt werden, sollte er auch wirklich hängen. Sie fliegen den Mann mit einem Helikopter in und aus dem Gericht – und sagen, dass das Land kein Geld hat! Würde ich ihm begegnen, würde ich zu Mubarak sagen: ‹Gebäre jetzt, was du mit dir rumgetragen hast!›»
Norah (29), Studentin und Aktivistin aus der Kairoer Innenstadt:
«Mubarak darf natürlich nie mehr zurückkehren. Aber er ist immer noch der Präsident hinter den Kulissen. Seit seinem Sturz hat sich politisch nichts geändert. Ich stehe der Revolution mit gemischten Gefühlen gegenüber, weil sie so viele junge Leben gekostet hat und so viel Blut vergossen wurde. Das Massaker von Port Said hat gezeigt: Es gibt nichts Neues, wir hören immer dasselbe Geschwätz.
Mubarak sollte auf dem Tahrir-Platz exekutiert werden, dort, wo auch die Märtyrer der Revolution starben.
Würde ich ihm begegnen, würde ich zu Mubarak sagen: ‹Schäme dich! Unser Volk stirbt und du hast nichts für die Menschen getan. Möge Gott Rache an dir nehmen!›»
Amin Yousry (78), ehemaliger Diplomat und Schriftsteller:
«Ich möchte Mubarak nicht wieder sehen, auch nicht irgendwo in Ägypten. Ich war Diplomat im Jemen und habe ihn so in Sanaa ein paar Mal getroffen.
Ich hasste ihn schon Jahre, bevor er gestürzt wurde und habe mit ihm nie Hand in Hand gearbeitet. Er war kein Mensch, der gegenüber Ägypten oder der arabischen Welt gute Gefühle hegte.
Ich bin sehr froh, dass die Revolution Mubarak gestürzt hat. Aber ich habe auch Vorbehalte: Die Revolution war immer führungslos und ohne Programm – und trotzdem sind ihr auf einmal Millionen gefolgt. Jedenfalls hat die Revolution bis jetzt nicht gesiegt, wir brauchen mehr Zeit. Ausserdem: Mubarak ist nicht wirklich gestürzt, er gibt seine Befehle einfach dem Militärrat weiter. Und zuletzt: Die Revolution ist eine Revolution der Mittelklasse, nicht der Bauern oder Arbeiter. Die waren nie auf dem Tahrir-Platz. Sie haben nur das Chaos. Aber ich bin optimistisch, auch wenn Ägypten mehr Zeit braucht. Irgendwann wird das Land besser dran sein als jetzt. Für mich ist klar: Der Aufstieg der Islamisten geschah nur wegen Mubaraks Repressionen. Und unter Mubarak hatten die Bauern und Arbeiter nichts. Jetzt wollen sie den Himmel.
Mubaraks Prozess ist wie so viele Prozesse in der ägyptischen Geschichte eine Farce. Korrupte Führer, die abgesetzt werden, müssen sich fast nie verantworten. Am Schluss werden Mubaraks Verbrechen wie vom Winde verweht sein. Würde ich ihm begegnen, würde ich zu Mubarak sagen:‹Ich hoffe, dich nie wieder zu sehen.› Als ehemaliger Diplomat bin ich es nicht gewohnt, aggressiv zu sein. Doch Mubarak gegenüber wäre ich es wohl.»
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