Das Leid der Überlebenden des Car-Crashs von Katalonien «Ich konnte nichts für meine Freunde tun!»

BARCELONA (SPANIEN) - 13 Menschen starben beim schrecklichen Car-Drama gestern in Katalonien. Die Überlebenden können kaum über das Erlebte sprechen. Sie werden nun psychologisch betreut.

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Es sind dramatische Szenen, die sich gestern in den frühen Morgenstunden auf der Autobahn AP-7 südlich von Barcelona abspielen. 

Um sechs Uhr in der Früh touchiert ein mit Studenten vollbesetzter Bus das Strassenbord, kracht dann in die Mittelleitplanke und kippt.

13 junge Frauen im Alter zwischen 19 und 25 Jahren sterben – sieben Italienerinnen, zwei Deutsche, eine Französin, eine Österreicherin, eine Rumänin und eine Usbekin.

Mehrere Dutzend weitere Personen werden verletzt. Darunter auch eine Schweizerin, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte. Sie konnte das Spital inzwischen verlassen.

Offenbar sassen alle getöteten am Fenster auf der linken Seite des Busses. Sie waren, im Gegensatz zu den Unverletzen, nicht angeschnallt.

Überlebender fühlt sich schuldig

«Meine Freunde! Ich konnte nichts für sie tun», sagte ein deutscher Student kurz nach dem Unglück der spanischen Zeitung «El Mundo». Er überlebte den Crash mit Verletzungen im Gesicht. Er fühle sich schuldig, weil er noch am Leben sei, sagt der Deutsche.

Tote bei Car-Crash in Katalonien

Ein andere Überlebender schilderte die dramatischen Szenen so: «Es gab ein starken Ruck. Dann hat sich alles überschlagen. Ich hörte Schreie und Weinen. Wir fühlten uns verloren, weil es stockdunkel war.»

Überlebende werden betreut

Jene, die das Unglück nur leicht- oder unverletzt überstanden haben, wurden inzwischen in einem Hotel in Tarragona untergebracht. Sie werden von Sozialarbeitern, Freiwilligen des Roten Kreuzes und Ärzten betreut.

Das Leid der jungen Menschen ist unermesslich. Sie brauchen Ruhe, Schlaf oder einfach nur eine Umarmung. 

Über das Erlebte sprechen will kaum jemand. Dies, obwohl sich die meisten noch gut an das Unglück erinnern können, den verunfallten Bus sogar selbstständig verlassen konnten, wie ein Sozialarbeiter gegenüber «El Mundo»  sagte. Doch der Schock sitzt zu tief. «Alle wollen einfach nur noch nach Hause», sagt er.

Ist der Fahrer eingeschlafen?

Wie es zum Unfall kommen konnte, ist Gegenstand von Ermittlungen. Der Fahrer (63), der 30 Jahre Berufserfahrung vorweisen kann und bislang unfallfrei fuhr, hatte keinen Alkohol oder andere Drogen im Blut. 

Erste Untersuchungen zeigen aber, dass menschliches Versagen im Vordergrund steht. Der Chauffeur könnte während der Fahrt eingeschlafen sein, berichtete die Zeitung «El País».

Der Chauffeur sollte heute von einem Ermittlungsrichter als Beschuldigter vernommen werden. Wie die Justizbehörden mitteilten, musste das Verhör jedoch verschoben werden, weil der Fahrer wegen einer Lungenprellung weiter im Spital behandelt wurde.

Die Polizei legte ihm nach Informationen des staatlichen Radios RNE fahrlässige Tötung in 13 Fällen zur Last. Bei seiner Vernehmung durch die Polizei habe er am Sonntag von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht, berichtete der Sender.

Konvoi mit fünf Bussen

Der verunglückte Car war am Sonntag früh in in einem Konvoi mit insgesamt fünf Bussen und 275 Passagieren unterwegs. Der Fahrer des vierten Busses sah im Rückspiegel, dass der fünfte Bus plötzlich verschwunden war.

Um zu erfahren, was los ist, liess er die Studenten WhatsApp-Nachrichten schicken. Lange erhielt die Gruppe keine Antwort. Dann antwortete ein Student: «Wir hatten einen Unfall. Es gibt viele Tote.»

Fahnen auf Halbmast

Katalonien hatte die Regionalregierung eine offizielle Trauer von zwei Tagen angeordnet. Die Flaggen in der Region wehten am Montag auf halbmast. Spaniens König Felipe VI. legte beim Besuch einer Polizeieinheit in der Nähe von Madrid eine Schweigeminute für die Opfer ein.

Auch Papst Franziskus sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Das katholische Kirchenoberhaupt sei «zutiefst traurig» über die Nachricht von dem tragischen Verkehrsunfall, heisst es in dem am Montag veröffentlichten Beileidstelegramm von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Der Papst bete für die Verstorbenen und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung. (bau)

Publiziert am 21.03.2016 | Aktualisiert am 29.07.2016
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6 Kommentare
  • Thomas  Zürcher 21.03.2016
    Zuerst mein herzliches Beileid den Angehörigen.Wie es zu diesem tragischen Unfall kam werden die Untersuchungen zeigen.Jeden Tag passieren tausende Unfälle aber von denen zum Glück nur ein kleiner Teil so tragisch endet wie dieser.Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt das menschliches Versagen immer wieder ein Grund ist für solche Unfälle mit viele Toten.Es wird immer wieder solche Unfälle geben.Wir müssen mit diesem Risiko leben.
  • Michael   Frey 21.03.2016
    Es ist einfach schrecklich. An die Hinterbliebenen mein tiefes Beileid.
  • Benedikt  Richter aus Bern
    21.03.2016
    Ja liebe Kritiker:
    Meine Vermutungen sind eben nicht daneben.
    Zeitdruck, mehrere Fahrten pro Tag, übermüdete Fahrer und einiges
    mehr.
    Busse in technischen schlechten Zustand.
    Das bringt genau diese Unfälle.
    Was Thailand betrifft in Sachen Sicherheit:
    Liest mal den Thailandtipp( Zeitung.
    Keine Woche ohne Unfälle mit Bussen und Kleintransporter oder Taxis.
    Ich habe Genf von diesen analpabheten Fahrten.
    War gerade vier Wochen in der Karibik.
    Taxi Fahrer selber buchen und sprechen.


  • Fritzpeter  Friedli , via Facebook 21.03.2016
    Mein Beileid für die Verstorbenen und gute Genesung den Verletzten. Mich würde es interessieren wie viele der Fahrgäste angegurtet waren. Auch wenn Beckengurte nicht so eine hohe Sicherheit bieten wie ein Dreipunktgurt, sind sie dennoch wichtig. Sollte der Bus sich bei einem Unfall überschlagen oder kippen, ist der Beckengurt die einzige Chance nicht durch das Fahrzeug geschleudert zu werden. Seit 1999 gilt in Deutschland die Gurtpflicht, 2005 wurde die Regelung für ganz Europa durchgesetzt.
    • Markus  Buser 21.03.2016
      Ich denke Sie müssen Ihr Beileid den Hinterbliebenen aussprechen und nicht den Verstorbenen.
    • Walter  Zimmermann aus Jona
      21.03.2016
      Auch mich würde diese Info immer und immer wieder interessieren. Je nachdem könnte man sich etwas mehr in Sicherheit wähnen, wissen, dass es nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis stimmt. Immerhin fahre ich seit 1963 nie ohne Gurt. Aber im Bus? Habe mich auch in Asien immer angeschnallt, so weit möglich.