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Fidel Castro wollte offenbar etwas loswerden. Die Regierung lud den US-Journalisten Jeffrey Goldberg zu einem Interview mit dem 84-Jährigen nach Havanna ein.
Castros überraschende Antwort auf die Frage, ob es sich noch lohne, das kubanische Modell auf andere Länder zu übertragen: «Das kubanische Modell funktioniert selbst bei uns nicht mehr».
US-Journalist Goldberg schrieb das gestern in seinem Blog auf der Internetseite des US-Magazins «The Atlantic». Sein Artikel wurde diese Woche in zwei Teilen veröffentlicht. Der US-Journalist hatte die Kuba-Kennerin Julia Sweig gebeten, an dem Gespräch mit Castro teilzunehmen, um bei der Analyse der Antworten zu helfen.
Castros Nachfolger will Marktwirtschaft
Sweig sagte, Castro habe mit seiner Äusserung nicht die Revolution zurückgewiesen. «Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen System der Staat eine zu grosse Rolle im Wirtschaftsleben einnimmt», erklärte sie.
Erst vor einem Monat hatte Präsident Raul Castro den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln. In einer Rede vor der Nationalversammlung kündigte der Bruder und Nachfolger Fidel Castros an, dass Selbstständige leichter ihr Unternehmen anmelden könnten und dabei auch Arbeitskräfte einstellen dürften.
Staat soll Wirtschaft kontrollieren
Mit der Lockerung sollen nach Castros Vorstellungen neue Jobs für etwa eine Millionen Kubaner entstehen, die in den nächsten fünf Jahren ihre Arbeitsplätze in Staatsunternehmen verlieren dürften. Er nannte allerdings keine konkrete Zahlen, wie viele neue Zulassungen für Kleinunternehmer auf den Markt kommen sollten.
Wirtschaftsminister Marino Murillo hatte nach der Rede des Präsidenten umgehend betont, es gehe nicht um eine grundlegende Reform des sozialistischen Modells. Der Staat müsse die Kontrolle über die Wirtschaft behalten, zumindest über die wichtigsten Dinge. (sda/jes)