Cho Seung-Hui (23), Student aus Südkorea Das ist der Amokläufer

  • Publiziert: 17.04.2007, Aktualisiert: 02.01.2012

BLACKSBURG (USA) – Nun ist der Täter des Amoklaufs an der Virginia Tech University bekannt: Es war Cho Seung-Hui, ein 23-jähriger Südkoreaner. Mögliches Motiv: ein Ausraster wegen Eifersucht. Aber warum warnte die Schule die Studenten nicht früher?

32 Menschenleben hat der Amoklauf an der Virginia Tech University gefordert. Bei den Toten handelt es sich um 30 Studenten und zwei Professoren. Mindestens 15 Angehörige der Universität wurden verletzt.

Gegenüber der «Sun» erzählten Schüler, dass der Killer von seiner Freundin sitzengelassen wurde. Deshalb habe er zuerst seine Ex und deren neuer Lover in einem Wohnheim der Uni erschossen.

Ins Entsetzen über das schreckliche Geschehen mischt sich Kritik zu den Sicherheitsvorkehrungen an der Universität. Bemängelt wird vor allem, dass die 11000 Studenten und Dozenten erst zwei Stunden nach den ersten Schüssen um 7.15 Uhr vor dem Amokläufer gewarnt wurden.

«Die Universität hat Blut an ihren Händen, weil sie nach dem ersten Zwischenfall nichts unternommen hat», sagte der 18-jährige Billy Bason, der in dem Wohnheim lebt, in dem die Schiesserei begann. Die Wohnhhäuser wurden danach abgeriegelt, nicht aber die Unterrichtsräume der Universität. «Man kann Entscheidungen nur auf der Grundlage von Informationen treffen, die man gerade zur Verfügung hat», verteidigt sich der Präsident der Hochschule, Charles Steger.

Erst um 9.26 Uhr (15.26 Uhr MESZ) erhielten die Studenten eine E-Mail-Warnung mit der Aufforderung, nach einem «Schusswaffen-Zwischenfall» vorsichtig zu sein. Der Dozent Edmund Henneke sagt, er habe gerade mit Kollegen über diese E-Mail gesprochen, als er Schüsse gehört habe. Kurz darauf seien sie von Polizisten einer SWAT-Einheit nach unten geschickt worden.

Um 9.55 Uhr wird eine zweite E-Mail verschickt. Darin wird vor einem bewaffneten Mann auf dem Campus gewarnt: «Bleiben Sie bis zu einer weiteren Anweisung in den Gebäuden. Halten Sie sich von den Fenstern fern.» Einige Studenten sprangen aber in Panik aus dem Fenster.

Um 10.17 Uhr verschickt die Virginia Tech eine dritte E-Mail. Darin wird der Unterricht für ausgesetzt erklärt. Zu diesem Zeitpunkt wird langsam das Ausmass des Schreckens deutlich. Reporter berichten über eine steigende Anzahl Opfer: 21, 31, 33. Unter ihnen der Täter. Er hat die Waffe an seinen Kopf gehalten und abgedrückt.

Polizeichef Wendell Flinchum will nicht ausschliessen, dass ein Mitverschwörer oder ein zweiter Täter an dem Massaker beteiligt war. Die Polizei habe «eine Person von Interesse» vernommen, die eines der Opfer gekannt habe.

Die Zeitung «The Chicago Tribune» schrieb auf ihrer Website, Cho habe in seinem Zimmer ein Schreiben hinterlassen, das unter anderem eine weitschweifige Liste von Klagen enthalten habe. In letzter Zeit habe er ein beunruhigendes Verhalten an den Tag gelegt. Beispielsweise habe er in einem Zimmer eines Wohnheims Feuer gelegt und Frauen nachgestellt. Die Ermittler glaubten, dass Cho zu einem gewissen Zeitpunkt Medikamente gegen Depressionen genommen habe, berichtete die Zeitung.

Das Massaker

Bushs auf Besuch

BLACKSBURG – US-Präsident George W. Bush wird heute Abend zu einem Kondolenzbesuch in der Technischen Hochschule von Virginia erwartet. Bush will dort mit seiner Frau Laura an einer Gedenk-versammlung teilnehmen, die für 14 Uhr (20 Uhr MESZ) angesetzt wurde.

Blog des Grauens

BLACKSBURG – Was auf dem Campus passierte, schildern Studenten auf zahlreichen Blogs. «Es war, als suche er nach jemandem, bevor er zu schiessen begann», schreibt Erin Sheehan auf Collegiate Times. Sie konnte flüchten. «Ich bin eine von vier, die es geschafft hat, aus dem Klassenzimmer zu rennen. Die anderen wurden erschossen oder verletzt.» Die Studentinnen Krishna und Allison berichteten: «Wir stecken hier in der Bibliothek fest. Alle stehen unter Schock. Wir haben gerade gehört, dass 17 Leute erschossen worden sein sollen.»Student Josh Wargo sagte zu «ABC»: «Wir haben 40 oder 50 Schüsse gehört. Zwei Minuten später sprangen wir aus dem Fenster. Ich war benommen, als ich wieder zu mir kam. Jemand erzählte mir, meinem Professer sei ins Gesicht geschossen worden, er hätte es nicht geschafft.»

Drei Tessiner Studentinnen unter Schock

LUGANO – Drei Studentinnen der Tessiner Universität haben den Amoklauf von Blacksburg unversehrt überlebt. Die drei Studentinnen stünden unter Schock, seien aber sonst wohlauf, sagte der Mediensprecher der Uni Lugano, Giovanni Zavaritt.Zwei Studentinnen befänden sich im Rahmen eines Austauschprogramms an der Technischen Hochschule Virginias, eine weitere mache dort ihr Doktorat. Die Studentinnen hätten signalisiert, dass sie dort bleiben möchten.Laut Zavaritt führt die Universität Lugano seit sechs Jahren ein Austauschprogramm mit der Hochschule durch. Im Moment befinden sich 35 Studenten aus Blacksburg in Lugano.Ob weitere Schweizer vom Amoklauf an der Uni betroffen sind, ist bis jetzt unklar. «Wir stehen in Kontakt mit den amerikanischen Behörden, um dies raschmöglichst abzuklären», erklärt EDA-Sprecher Johann Aeschlimann gegenüber Blick Online.
play 35 Austauschstudenten der Uni Blacksburg besuchten einen Gedenkgottesdienst in der Kirche Sacro Cuore in Lugano. (AP)

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