Das ist das Verlies!

  • Publiziert: 28.04.2008, Aktualisiert: 20.01.2012

AMSTETTEN (Ö) – Der Keller des Einfamilienhauses, in dem Elisabeth F.* 24 Jahre mit drei Kindern dahinvegetierte, stellt sich als regelrechtes Verlies heraus – sogar eine Gummizelle wurde gefunden!

Am Samstag sieht Elisabeth F.* nach 24 Jahren wieder Tageslicht. Für ihre drei Kinder im Alter zwischen 5 und 19 Jahren ists sogar da erste Mal! Sie kannten bis anhin nur das künstliche Licht im Kellerverlies.

Ein Baby war in der Gefangenschaft gestorben. Aber drei andere Kinder (13,14,15), die Elisabeth während ihrer Kellergefangenschaft von ihrem eigenen Vater austrug, lebten ein ganz normales Leben – wenige Meter von ihrer als verschollen geglaubten Mutter entfernt! Sie seien «bestens erzogen und bei guter Gesundheit», wie die österreichischen Behörden der «Krone» zufolge mitteilten. Dass auch sie von ihrem Grossvater sexuell missbraucht wurden, ist derzeit nicht anzunehmen.

Vater «vital», Tochter «fahl»

Die heute 42-jährige Elisabeth F.* wird jetzt zusammen mit ihren Kindern sowie mit ihrer Mutter, der Ehefrau des Verdächtigen, in einer psychiatrischen Klinik betreut. Sie ist gemäss Polizei in sehr schlechter Verfassung. Die Jahre im Kellerverlies haben die junge Frau stark gezeichnet: Sie sei «extrem bleich», regelrecht «fahl» und sehe 20 Jahre älter aus als sie tatsächlich ist.

Peiniger Josef F.* (73) hingegen beschreiben Ermittler als «vital» und «umtriebig». Er wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Nach anfänglichem Schweigen gebe es Anzeichen, dass der Mann doch noch zu reden beginne. So hatte er gestern der Polizei den Eingang zum Verlies in seinem Haus gezeigt und auch den Zugangscode dafür verraten.

Gummizelle und eine Kochplatte

Jetzt suchen Ermittler den Keller auf jeden Zentimeter ab. Allerdings mit grosser Vorsicht, denn man befürchtet, dass der sadistische Josef F. Fallen gelegt haben könnte, um Flucht- oder Zugangsversuche zu verhindern. Das Verlies stellt sich als regelrechte Anlage unter dem Einfamilienhaus heraus – und das mitten in einem belebten Wohnquartier.

Mehrere Räume hatte Josef F. angelegt – sogar eine Gummizelle wurde gefunden! Die beengten Verhältnisse des Kellergefängnisses machen es unmöglich, dass sich zu viele Polizisten aufs Mal dort aufhalten können. Die engen Räume waren lediglich mit Betten ausgestattet. In einem weiteren Raum gabs eine Kochplatte. Das Verlies hatte aber auch sanitäre Anlagen wie WC und Duschgelegenheiten, wie Oberst Franz Bolzer gegenüber der «Krone» berichtet.

Man fand elektrische Anschlüsse und eine Heizung. Auch eine Luftzufuhr muss es gegeben haben. Kurz: Josef F. hatte sich mit dem Ausbau des Kellers wohl über Jahre beschäftigt, bevor er seine Tochter im Alter von 18 Jahren dorthin verschleppte, mehrfach schwängerte und seither nicht mehr hinausliess. (gux)

*Name der Redaktion bekannt

<b>Geständnis abgelegt</b>

Im Fall der jahrzehntelang eingesperrten Österreicherin und ihrer drei Kinder hat der 73-jährige Josef F. ein Geständnis abgelegt. Der Mann habe zugegeben, seine Tochter 24 Jahre gefangenen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben, sagte der österreichische Ermittlungsleiter. Er habe auch zugegeben, die Leiche eines Babys verbrannt zu haben, das nach der Geburt wegen mangelnder Versorgung gestorben sei.

<b>Das Doppelleben des Josef F.*</b>

Nach aussen hin behauptete Josef F., seine Tochter lebe in einer Sekte. Die drei Kinder, die normal bei ihm und seiner Frau wohnten, habe die Tocher vor der Tür abgelegt, weil sie sich nicht um sie kümmern könne, sagten die Ermittler. Die Behörden hätten vergeblich nach der seit 1984 verschwundenen Frau gesucht. «Wer soll auf die Idee kommen, dass die leibliche Mutter im Keller eingesperrt ist», sagte Lenze. Die Tageszeitung «Österreich» warf den Behörden «Blindheit» vor. Sie seien wie beim Fall Natascha Kampusch unfähig gewesen, die Gefangenschaft von Elisabeth F. früher aufzudecken. Es sei das «schlimmste Verbrechen aller Zeiten» in Österreich. Das Boulevard- Blatt «Kronen-Zeitung» bezeichnete Josef F. als «Bestie».

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