Nicht der erste Schweizer im türkischen Knast Darum wurde Christian Varone verhaftet

ANTALYA - Der Walliser Polizeikommandant Christian Varone tappte in die Falle von Gesetz Nr. 2863 zum türkischen Kulturschutz. Er sitzt in U-Haft, soll aber demnächst freikommen.

  • Publiziert: 01.08.2012
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In der Türkei verhaftet: der Walliser Polizeikommandant Christian Varone.

(Keystone)

Das türkische Gesetz zum Schutz von Kultur- und Naturgütern ist eigentlich ganz sinnvoll: Es ist ein Denkmalschutz, es verbietet jegliche Ausfuhr von Objekten, deren Alter 100 Jahre übersteigt. Würde es nicht existieren, könnten sich Sammler oder Händler ungehindert an wertvollen antiken Gütern der Türkei bereichern.

Oft tappen aber einfache Feriengäste ohne böse Hintergedanken in die Falle. Wie jetzt der Walliser Polizeikommandant Christian Varone, der «Held von Sitten». Sein Sohn steckte einen Stein bei einer archäologischen Fundstätte ein, am Flughafen steckten die türkischen Zöllner dafür den Vater ins Kittchen.

Sein Fall ähnelt verblüffend dem deutschen Urlauber Stefan G. (34), der mit seiner Familie im Jahr 2003 nach Antalya reist. Sein Sohn Philipp (9) findet ein Stein, will ihn nach Hause nehmen und dort seiner Lehrerin schenken. Die Behörden stecken Vater Stefan für vier Wochen in den Knast, in eine Zelle zusammen mit Mördern, Dieben und Drogenschmugglern.

Schweizer zu zehn Jahren Knast verurteilt

Auch der Schweizer Henri C. wird 2005 wegen eines Granits verhaftet, etwa faustgross. Er hatte ihn in einem Pinienwald gefunden und wollte ihn als Andenken mitnehmen.

Dem «Beobachter» schilderte er die türkische Hölle. Auf einer schmuddeligen Matratze schläft er vor der Gerichtsverhandlung auf der Polizeiwache. Mehrere Verhöre muss er über sich ergehen lassen, 7500 Euro kostet sein Anwalt.

Mehrere tausend Franken für Freiheit

Gegen eine Zahlung von mehreren tausend Franken dürfe er schliesslich das Land verlassen – obwohl er zu zehn Jahren Haft verurteilt wird. Bis das Geld eingetroffen ist, muss er ins Gefängnis zurück. Henri C. sagt zum «Beobachter»: «Alle fünf Minuten ertönt ein extrem schriller und lauter Pfiff. Ich weiss nicht, warum sie das tun.» Erst am nächsten Tag darf er das Land verlassen.

Christian Varone hat offenbar Glück. Er soll aus der U-Haft entlassen werden. Aber bis gestern Dienstag Abend war der Walliser Polizeichef aber noch nicht auf freiem Fuss.

Varone soll am 1. August heimkehren

Am Mittwochmorgen hat sich der Walliser Polizeikommandant gemäss seinem Bruder Patrick Varone für weitere administrative Belange nochmals auf dem Polizeikommissariat einfinden müssen. Vorgesehen ist, dass Varone mit seinem Bruder und seiner Ehefrau, die ebenfalls in der Türkei ist, noch am Mittwoch zurück in die Schweiz fliegt.

Unklar ist, ob Christian Varone am Abend seine Rede zum 1. August halten kann und will. FDP-Mitglied Varone, der für einen Sitz in der Walliser Regierung kandidieren will, sollte an der Bundesfeier seiner Wohngemeinde Savièse auftreten. Die Familie werde auf jeden Fall Priorität haben, sagte sein Bruder. (num/zum)

Beliebteste Kommentare

  • Reto  Petitprince
    Nie und nimmer werde ich diesem Land als Tourist auch nur einen Rappen geben. Dieses Land will in die EU! Wer mit Menschen so umgeht sei es Volk/Minderheit/Tourist gehört boykottiert und öffentlich angeprangert. Der Botschafter gehört ins Bundeshaus bestellt. Kein Land muss solche Praxis für derartige Bagatellen akzeptieren und kein Kind muss lernen müssen, dass man keine Steine als Souvenir mitnehmen darf!
  • Werner  Bieinisowitsch , Sant Jordi
    Und dieses Land will in die EU? Die haben mit Europa nichts, aber rein gar nichts gemeinsam.

Alle Kommentare (33)

  • André  Dörflinger , via Facebook
    Doch, wäre gut die Türkei wäre EU-Mitglied gewesen: 1 Entstünde endlich ein Gegengewicht zu unseren viel zu libera-Lisi-ierten Ehe-& Scheidungs-Gesetzen und 2 dürften auch sie das Mia-Loch ihrer westlichen Lieblingsfreunde mit den getürkten Bilanzen mitfinan-zieren. // Hat man den nicht bemerkt, wie das Interesse der Türkei an einer EU-Mitgliedschaft seit wenigen Jahren auf den Nullpunkt gesunken ist? Türkei merke: Auch eine Verweigerung seitens der EU... kann sich im Nachhinein als ein Segen herausstellen. Drum, nie zwängeln, ist kontraproduktiv !!
    Schon manche "Niederlage" hat sich später als "segensreich" herausgestellt....!
    • 02.08.2012
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  • Walter  Hofmann
    Wie konnte dieses Missgeschick passieren? Ein Bub,
    Sohn hat da einfach etwas ohne zu wissen mitgenommen ohne böse Absicht und dann wird der Vater bestraft! Und wird angeklagt. Auch wenn die Türkei offenbar so Gastfreundlich ist, macht sie auf der anderen Seite doch alles wieder kaputt !!! Mit
    solchen scharfen Strafen. Und schreckt gleichzeizig neue Touristen ab.......einfach schade und völlig unnötig.
  • Martial  Callair , Aargau
    Werner, nein,dieses Land möchte nicht mehr EU-Mitglied werden. Die Regierung ist doch nicht so dumm. Es geht der Türkei wirtschaftlich immer wie besser, die meisten europäischen Konzerne sind mit der Zeit in der Türkei vertreten. Die EU wäre das allerletzte!
    • 01.08.2012
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  • Mustafa  Ülger
    Einige Leute haben es sehr gut erklärt, Applaus an Sie Michael Elber, Keller Dodo. Gesetze werden auch in der Schweiz vollgezogen. Jahrelang wurde die Türkei bestohlen, schaut mal in den Museen von Deutschland, Russland, Amerika. Sogar ist in Deutschland ein riesiges Schloss aus der Türkei gestohlen. Aber das könnt ihr ja nicht verstehen. Auch wenn er ein Nationalheld ist, auch wenn er Polizist ist. Neulich hat ja ein Zofinger Polizist mit Drogen gehandelt. Menschen machen nun Fehler.
  • David  Hunziker , Bern
    Das ist ein Mensch wie jeder andere auch; es gelten daher die gleichen Spielregeln.
    • 01.08.2012
    • 12
    • 3
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