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Hannibals Rache: Kommen drum die Geiseln nicht zurück? (Keystone)
In Bern herrscht verzweifeltes Rätselraten: Warum sind die Geiseln Max Göldi (54) und Rachid Hamdani (68) noch nicht zurück? Obwohl doch Bundesrat Hans-Rudolf Merz schwört, er habe vom libyschen Ministerpräsidenten El Baghdadi A. Mahmudi «die schriftliche Zusage erhalten, dass die beiden Schweizer Libyen vor Ende Monat verlassen können». Damit war der August gemeint.
Jetzt sagte der Generalsekretär des libyschen Aussenministeriums, Khaled Kaim, Göldi und Hamdani müssten wohl noch dem Staatsanwalt vorgeführt werden und müssten eine Busse zahlen. Sie könnten frühestens morgen Mittwoch, nach den heutigen Revolutionsfeiern, ausreisen.
Das hat sogar Charles Poncet, den Genfer Anwalt des Gaddafi-Clans, auf dem falschen Fuss erwischt. Auch für Libyen gelte der lateinische Juristenspruch: «Pacta sunt servanda – Verträge sind einzuhalten», sagte Poncet auf «TeleZüri». Er sei überrascht von dieser erneuten Verzögerung und sei ratlos.
Hannibal, der Spielverderber?
Eine Erklärung hat dagegen der Genfer Menschenrechtler Yves Lador. Zwar: Die Revolutionsfeiern für Gaddafi heute könnten die Ausreise verzögert haben. Doch gebe es wohl noch einen Grund, der schwerer wiege: nämlich die Rachegelüste von Gaddafi-Sohn Hannibal und dessen Frau, Ex-Model Aline. Das sagte Lador auf dem englischsprachigen Kanal von Radio DRS, World Radio Switzerland.
Hannibal dürfte immer noch ausser sich sein vor Wut, dass ihm, der sich gewohnt ist, sich alles zu erlauben, in Genf die Handschellen angelegt wurden. Und als Gaddafi-Sohn dürfte es ihm möglich sein, auch der libyschen Regierung dazwischenzufunken. So könne Hannibal die Ausreise der Schweizer noch um Tage verhindern.
Geheime Zusatzabsprachen?
Wie schwierig die Verständigung mit Libyen ist, zeigt sich auch in der Frage des Vertragsbruchs. Gemäss dem Vertrag mit Libyen mussten beide Länder bis Sonntagabend ihren Vertreter für das Schiedsgericht bestimmt haben. Die Schweiz hat sich daran gehalten und die Engländerin Elizabeth Wilmshurst ernannt. Libyen dagegen trödelt immer noch.
Wie Lador auf World Radio Switzerland sagte, sieht Libyen das aber wohl gar nicht als Vertragsbruch. Denn: Neben dem Vertrag, der auf Englisch und Arabisch auch auf der Homepage des Finanzdepartements von Bundesrat Merz veröffentlicht wurde, könnte es noch mündliche Abmachungen gegeben haben. Diese könnten so vage gewesen sein, dass es jetzt von aussen praktisch unmöglich sei zu klären, was verbindlich abgemacht worden sei. Zur Frage, ob es geheime Zusatzabsprachen gegeben habe, wollte Merz-Sprecher Roland Meier gegenüber Blick.ch aber nicht Stellung nehmen.
Mit anderen Worten: Das Warten geht weiter. Und weil, so Lador, Merz einen schlechten Vertrag ausgehandelt habe (die Freilassung der Geiseln ist im Vertrag nicht erwähnt), habe die Schweiz auch nichts in der Hand.
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Hannibals Ehefrau Aline Gaddafi. (zvg)