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Darum kennt Putin keine Gnade.
Für den russischen Premierminister Wladimir Putin (55) geht es um viel: Er will um jeden Preis verhindern, dass Europa und die Nato in Georgien an Einfluss gewinnen. Auch Georgiens Bündnis mit den USA ist ihm ein Dorn im Auge. Doch Putin weiss: Die Amerikaner scheuen den Krieg im Kaukasus. Und er sendet ein klares Zeichen an andere ehemalige Sowjetstaaten, die es Richtung Europa zieht: Überlegt euch, was ihr tut! Die Russen kämpfen deshalb weiter. Trotz angeblichem Waffenstillstand der Georgier. Auch gestern bombardierten sie georgisches Territorium.
Georgiens Staatspräsident Michail Saakaschwili hat sich verrechnet.
Sicher ist: Saakaschwili (41) hat kaum mit einem derart heftigen Gegenangriff Russlands gerechnet, als er vergangenen Freitag seinen Truppen den Befehl zum Vorrücken nach Südossetien gab. Die Opferrolle, in der er sich nun wiederfindet, ist aber durchaus gewollt. So kann er Europa und die USA anflehen, sich endlich zu ihm zu bekennen. Sie sollen den Worten Taten folgen lassen und ihm und seinen Landsleuten gegen den übermächtigen Gegner helfen. Seine Strategie wird aber nicht aufgehen: Die USA und die EU scheuen sich vor einer Konfrontation mit Russland.
Südossetien ist sowohl den Russen wie auch den Georgiern eigentlich egal.
Südossetien ist weder für die Georgier noch für die Russen besonders wichtig. Auf einem Gebiet gerade gut doppelt so gross wie der Kanton Zürich leben nur 70000 Einwohner. Worum es eigentlich geht: die Vormachtstellung im Kaukasus. Der Kaukasus ist wegen seinen Öl- und Gasvorkommen von grossem Interesse. Durch Georgien führt die einzige Ölpipeline vom Kaspischen Meer nach Europa, die nicht durch Russland führt. Ausserdem will Putin die Gelegenheit nutzen, Saakaschwili zu stürzen. Er ist für die Annäherung Georgiens an Europa verantwortlich.
Deshalb wird Russland Georgien nicht einnehmen.
Dass die Russen aufs Ganze gehen und Georgien einnehmen werden, ist nicht anzunehmen. Nur schon die amerikanische Präsenz in Tiflis wird sie davon abhalten, in die Hauptstadt vorzurücken. Völkerrechtlich gesehen greift Russland klar einen unabhängigen Staat an. Dass ein Grossteil der Südosseten einen russischen Pass besitzen, tut dabei nichts zur Sache.
So oder so: Der Einfluss von Russland auf den Kaukasus wird grösser werden.
Auf jeden Fall wird die Russland seine Militärpräsenz im Kaukasus hoch halten. Damit dürfte sich Saakaschwilis Hoffnung, die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien wieder an Georgien anzubinden, definitiv zerschlagen haben. Auch könnte innenpolitisch für Saakaschwili das Ende nahen. Er wird sich für den verunglückten Militärschlag auch im eigenen Land verantworten müssen. Die Opposition – sie hat ihn schon vor einem Jahr beinahe zu Fall gebracht – wird sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.