Todes-Tsunami Darum kam die Warnung für viele zu spät

  • Publiziert: 30.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

WELLINGTON – Mindestens 120 Menschen tötete die riesige Flutwelle, die heute Morgen Teile von Samoa verschlang. Jetzt kommen Zweifel auf: Wurden die Menschen rechtzeitig gewarnt?

Den Bewohnern von Samoa blieben heute Morgen nur wenige Minuten, sich vor den meterhohen Flutwellen zu retten. Viele schafften es nicht. Mindestens 120 Menschen liessen ihr Leben in dem Todes-Tsunami. Dutzende werden noch vermisst.

Im Pazifik ist ein hochmodernes Tsunami-Warnsystem installiert. Wieso wurden also so viele Einwohner von den vier bis sechs Meter hohen Wellen verschlungen? «Das Problem ist, dass Samoa sehr nahe am Erdbebengebiet lag», erklärt Erdbeben-Expertin Susan Hough. «Da blieb fast keine Zeit für Warnungen», sagt die Expertin in einem Videobericht der AP.

«Die Warnung kam zu spät»

Zwar sollen Bürgermeister und Hotelchefs innerhalb von Minuten nach dem Beben per SMS informiert worden sein, berichtet der Lokalsender «Polynesia». Trotzdem blieben den Menschen nicht einmal 15 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, bevor die Monsterwellen anrollten. Das Tsunami-Frühwarnsystem funktioniert nicht über Sirenen, sondern über Handy. «Die Warnung kam eigentlich zu spät», beklagt Arne Schreiber, der deutsche Honorarkonsul auf den Inseln, gegenüber dem «WDR». «Samoa lag nicht einmal 100 Meilen vom Epizentrum des Bebens entfernt.»

Doch wurden die Warn-SMS wirklich Sekunden nach dem schweren Beben an die zentralen Stellen herausgeschickt? Der Herausgeber der Zeitung «Samoa Observer», Russell Hunter erhebt schwere Vorwürfe: Es habe gar keine Tsunami-Warnung gegeben. Der Alarm sei erst nach den Flutwellen gekommen, berichtet er dem Sender «CNN».

Radio-Warnungen in der Landessprache

Ein weiteres Problem für die Touristen war, dass «die ersten Warnungen alle nur in der Landessprache erfolgten», erzählt eine Radioreporterin gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Wie viele Menschen der Monsterwelle wirklich zum Opfer gefallen sind, wird sich wohl erst in den kommenden Tagen zeigen: Das Ausmass der Katastrophe schildert eine Radioreporterin der dpa: Sie berichtet von Dutzenden Leichen, die in dicken Schlammschichten und Sanddünen stecken. «Bei den meisten Toten handelt es sich um Kinder und ältere gebrechliche Menschen – solche, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten.» (s5j)

play Wurden die Menschen auf Samoa rechtzeitig gewarnt? Unterschiedliche Auffassungen machen sich breit. (Reuters)

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